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Präsentiert seine Arbeit: der blinde Audiotechnikfachmann Michael Kuhlmann.
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Präsentiert seine Arbeit: der blinde Audiotechnikfachmann Michael Kuhlmann.

Barrierefreiheit

Das Hobby zum Beruf machen

  • Fabian Scheuermann
    VonFabian Scheuermann
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Dank barrierefreier Audiotechnik eröffnen sich neue Berufsfelder für Menschen mit Sehbehinderung.

Es hat etwas Virtuoses, wie Michael Kuhlmann die Finger über die Tastatur seines Laptops gleiten lässt. Kuhlmann ist Fachmann für Audiotechnik – und er ist blind. Die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte (SBS) hat zur Tagung in ihr „musisches Zentrum“ im Nordend geladen. Einen neuen Ausbildungsgang für Blinde und Sehbehinderte möchte die Stiftung etablieren. Diverse Fachleute sind anwesend.

Seit 175 Jahren schon kümmert sich die Stiftung um die Belange von Blinden. So vermietet sie barrierefreie Wohnungen und kümmert sich um soziale wie berufliche Rehabilitation.

„Die Zahlenlage ist schlecht“, weiß Michael Herbst, Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf: Nur 30 Prozent der erwerbsfähigen Blinden gehen geregelter Arbeit nach. Herbst zufolge liegt das zum einen daran, dass Barrierefreiheit in vielen Lebensbereichen noch immer keine Selbstverständlichkeit sei, es zum anderen aber auch manch klassischen „Blindenberuf“ – wie den des Telefonisten – nicht mehr gebe.

Angebote der Stiftung

Hier setzt die Stiftung an: Rund 20 Aus- und Weiterbildungsplätze bietet sie pro Jahr an, beispielsweise als PR-Juniorberater oder Online-Journalist. „Gerade zur EDV haben Blinde oft einen sehr guten Zugang“, erklärt Franz-Josef Esch, Vostandsvorsitzender der SBS. Ein Sprachausgabe-Programm sowie diverse Tastenkürzel hülfen dort bei der Arbeit.

Diese Hilfsmittel kommen auch bei der neuen Ausbildung zum Audiotechniker zum Zuge, die ein Blinder und ein Sehbehinderter seit 2011 an einer Berufsfachschule in Baden-Baden absolvieren. Zusammen mit acht „Sehenden“ werden sie dort integrativ ausgebildet. „Eigentlich ist das ja super naheliegend“, befindet Herbst, schließlich seien Ton und Musik das große Hobby vieler Blinder. Zwar hätten auch sie natürlich „keine siebten oder achten Sinne“, so Esch. Aber ihr Gehör sei eben oft „sehr gut geschult“.

Auch Michael Kuhlmann hat ein gutes Gehör. Neben seiner Arbeit für die Stiftung spielt er Orgel und leitet einen Chor. „Samplitude“ heißt das Schnittprogramm der Firma Magix, das er gerade vorführt. Verwendet wird es beispielsweise im Rundfunk – einer möglichen Arbeitsstätte für blinde Audiotechniker.

Auf den Knien balanciert er eine elektronische Braille-Zeile, auf der in Echtzeit mit den Fingern etwa der Lautstärkepegel ertastet werden kann. „Minus vier dB“ liest Kuhlmann vor. Er möchte die Software-Entwickler dafür sensibilisieren, ihre Programme möglichst barrierefrei zu gestalten – mit „Samplitude“ ist er schon ziemlich zufrieden. Michael Herbst ist sich jedenfalls sicher: „Bei den Betroffenen wird die Ausbildung der Renner!“ – jetzt müssen nur noch die Betriebe mitspielen.

Mehr Informationen zur Stiftung gibt es auf www.sbs-frankfurt.de und mehr zur beruflichen Teilhabe Blinder hier: www.ihre-einstellung.de

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