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Bei fiesen Fragen unter der Gürtellinie dürfen Bewerber sogar lügen.

Richtig reagieren

Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch

„Welche Rolle spiel Geld für Sie?“; „Sind Überstunden für Sie in Ordnung?“ Wir zeigen, wie Sie sich im Bewerbungsgespräch nicht aus der Reserve locken lassen.

Die wenigsten Menschen fühlen sich bei Bewerbungsgesprächen wirklich wohl. Noch schlimmer wird es, wenn der Gegenüber versucht, den Jobsuchenden mit heiklen Fragen aus der Reserve zu locken. Wir erklären, wie Sie solche Situationen souverän meistern und auf welche Phrasen Sie gar nicht erst reagieren müssen.

Kommunikations-Expertin Giselle Chaumien-Wetterauer hat für das Online-Karriereportal ?Monster? die heikelsten Fragen und dazu passende Antworten zusammengestellt.

Wie finden Sie es, kritisiert zu werden?

Behaupten Sie nicht, dass es Sie nie stören würde. „Man würde es Ihnen ohnehin nicht abnehmen“, meint Giselle Chaumien-Wetterauer. Sie sollten davon ausgehen, dass es sich nur um berufliche Themenbereiche handelt. Dort solle man dann konstruktive Kritik annehmen, auch „wenn sie manchmal unangenehm ist.“

Was ist Ihr größter Fehler – und was haben Sie daraus gelernt?

Die Expertin warnt: „Hier will man Sie aufs Glatteis führen. Zunächst sollten Sie sich klar machen, dass eine allzu ausgeprägte Ehrlichkeit nicht zielführend sein könnte. Dennoch gilt auch hier: Lügengeschichten sind tabu.“ Der eingestandene Fehler sollte nichts Triviales oder etwas sein, was Ihnen noch einmal passieren könnte. Der Interviewer erwartet eine Antwort, die unterstreicht, dass Sie zur Selbstreflexion fähig sind. Schuldzuweisungen („Der Fehler lag aber eigentlich bei XYZ“) sind ebenfalls tabu.

Wann haben Sie das letzte Mal eine Vorschrift oder Regel missachtet und warum?

Hier gilt ein ähnliches Prinzip, „Falschparken letzten Freitag“ dürfte als Antwort nicht ausreichen. „Es geht darum festzustellen, ob Sie in der Lage sind, abzuwägen“, so Chaumien-Wetterauer. „Sie dürfen weder als Eigenbrötler ('Ich mache grundsätzlich, was ich will') oder als Querulant ('Mein bisheriger Chef hat immer wieder gesagt, ich soll mich an die Regeln halten') noch als Apostel des blinden Gehorsams ('Wo denken Sie hin, ich halte mich immer an die Regeln') erscheinen.“

Was ist das Verrückteste, was Sie je gemacht haben?

Der Interviewer möchte mit dieser Frage herausfinden, wie kreativ Sie sind und ob ihr Ideenreichtum schon einmal übers Ziel hinausgeschossen ist. Daher sollten extrem unkonventionelle Experimente, die Sie möglicherweise bei einem vorherigen Arbeitgeber durchgeführt haben und misslungen sind, besser verschwiegen werden. Geglückte private Erlebnisse, wie ein ausgefallener Heiratsantrag, können Sie aber ruhig erwähnen.

Welche Rolle spielt Geld für Sie?

Behaupten Sie nicht, dass die Bezahlung unwichtig sei - das würde Ihnen wohl ohnehin kaum abgenommen werden, oder es kämen Gegenfragen: „Warum wollen Sie denn überhaupt hier arbeiten?“ Ihre Arbeitskraft hat einen Wert, der auch gerecht entlohnt werden sollte. „Schließlich will das Unternehmen auch Gewinne erzielen, das gleiche gilt für Sie“, so die Expertin. Aber: Wichtig ist, dass der Tonfall freundlich bleibt.

Welche Bücher haben Ihren Werdegang am meisten beeinflusst?

Laut Chaumien-Wetterauer ist das die Abwandlung des Satzes „sag mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist.“ Als Antwort „Comics“ oder „die Fernsehzeitschrift“ wäre also fatal. „Wenn Sie tatsächlich keine oder nur selten Bücher lesen, können Sie auf das Internet ausweichen und sich auf News-Plattformen berufen“, rät die Expertin. Und auch hier gilt: Bleiben Sie ehrlich - denn vielleicht ist Ihr Gegenüber ja wirklich ein begeisterter Leser...

Sind Überstunden für Sie in Ordnung?

Mit der Frage wollen Personaler oft herausfinden, ob Bewerber zu unbezahlter Mehrarbeit bereit sind. „Wer mit Ja antwortet, wird später beim Wort genommen“, sagt Karriereberaterin Svenja Hofert. Eine diplomatische Antwort könne lauten, bei bestimmten Projekten sei das selbstverständlich kein Problem.

Welche Situation möchten Sie nie wieder erleben?

Vorsicht: „Hüten Sie sich davor, von allzu persönlichen Erlebnissen zu berichten. Etwa Trennungen oder Krisen“, warnt Hofert. Besser seien unverfängliche Antworten. Zum Beispiel: „Ich möchte nie wieder einen cholerischen Kollegen erleben.“

Wie komme ich als Interviewer bei Ihnen an?

Wieder Fallen-Alarm! Loben Sie den Interviewer keinesfalls überschwänglich. Das wirkt anbiedernd. Besser ist, wenn Sie die Frage höflich umgehen, beispielsweise so: „Das klingt ja fast wie eine Fangfrage. Können wir noch einmal zur Aufgabenbeschreibung zurückkehren? Da hätte ich noch einen Punkt…“

(ckr, dpa)

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