Wie die gute Rede im Gedächtnis bleibt

Wer mit seiner Ansprache fesseln statt langweilen will, sollte sich sorgfältig vorbereiten

Von HANNA WITTSTADT

Frankfurt a. M. - Die Halle ist geschmückt, das Buffet aufgebaut. Dann tritt der Redner ans Pult - und schon nach wenigen Sätzen erlahmt das Interesse. Untersuchungen belegen, dass der Erfolg einer Rede vor allem davon abhängt, ob der Redner die Sympathie des Auditoriums gewinnt. Wichtig ist auch die Dramaturgie der Rede. "Ganz wenig Einfluss hat das, worauf es den Rednern am meisten ankommt - der Inhalt", sagt Ingo Vogel, Rhetoriktrainer aus Esslingen. Daraus folgt: Der Redner muss vor allem einen Draht zum Publikum finden und seine Inhalte gut verpacken. Sonst kommt das, was er vermitteln will, überhaupt nicht an.

Doch wie gewinnt ein Redner? "Er muss authentisch wirken, und die Rede muss zu ihm passen", verrät Thomas Hönscheid, Redenschreiber aus Darmstadt, sein Erfolgsrezept. "Unglaubwürdig wirkt es, wenn ein Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert", so Hönscheid. "Oder wenn ein Einzelkämpfer sich mit allen Anwesenden verbrüdert."

Herbert Homborg, Geschäftsführer der VA-Akademie für Führen und Verkaufen in Bad Sulzbach im Taunus, rät: "Überlegen Sie sich beim Entwerfen ihrer Rede genau: Wer sitzt mir gegenüber?" Sind die Zuhörer Mitarbeiter, muss eine Rede anders konzipiert sein als wenn sie sich an Kollegen wendet. "Ebenfalls wichtig", betont Homborg: "Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Arbeiten die Anwesenden im Alltag zusammen, haben sie gemeinsame Erfahrungen, auf die Sie sich beziehen können?" Sehen sich die Zuhörer hingegen nur ein Mal pro Jahr, "müssen Sie auf andere Elemente zurückgreifen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden."

Reden sind kein Monolog

Ein guter Redner kommuniziert mit seinen Zuhörern - unter anderem, indem er häufig Blickkontakt mit dem Publikum sucht. "Deshalb sollten Sie Ihre Rede so frei wie möglich vortragen", rät Trainer Vogel. "Sprechen Sie die Zuhörer immer wieder persönlich an." Aber nicht mit Floskeln wie "Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen". Statt dessen empfiehlt Vogel, die Zuhörer mit rhetorischen Fragen einzubinden. Sätze wie "Denken Sie auch manchmal…" oder "Geht es Ihnen wie mir…" sind einfache Mittel, mit denen Redner die Aufmerksamkeit ihres Publikums gewinnen. Auch ein Schuss Humor und Selbstironie schaden nie.

"Je kürzer Ihre Rede ist, umso besser ist sie meist", fasst Vogel die Erfahrung vieler Zuhörer zusammen. Eine Rede auf einer Weihnachtsfeier sollte nicht länger als zehn, maximal fünfzehn Minuten dauern. Länger dauert auch die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin im Fernsehen nicht.

"Eine Rede sollte außerdem höchstens drei Kernbotschaften enthalten", diesen Merksatz gibt Homborg Rednern mit auf den Weg. Ein gelungener Einstieg lässt das Publikum aufhorchen. Danach sollte die Rede auf ein großes Finale hinstreben.

Zur Sprache rät Trainer Ingo Vogel: "Benutzen Sie kurze Sätze. Schachtelsätze sind schnell unverständlich. Sie beinhalten zudem die Gefahr, dass Sie sich verheddern." Oft ist dann bei ungeübten Rednern auch der Rest der Rede gelaufen. Sie werden nervös und verhaspeln sich immer häufiger - bis das Publikum nur noch auf den nächsten Versprecher wartet. Wichtig ist auch eine aktive Sprache. Also: "Wir planen…" statt "Unsere Planung sieht vor…"

"Sicherheit als Redner", so Vogel, "gewinnen Sie vor allem durch eine gute Vorbereitung". Hierzu zählt das laute Üben der Rede. Insbesondere den Einstieg, das Ende sowie die Übergänge zwischen einzelnen Passagen sollten Redner so lange üben, bis sie diese im Schlaf aufsagen können. Und noch ein Tipp von Vogel: "Stoppen Sie beim Üben die Dauer Ihrer Rede. Dann merken Sie, wann es Zeit wird, das Buffet zu eröffnen."

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