Führungspositionen

Frauen müssen draußen bleiben

Keine einzige Frau im Vorstand - laut einer neuen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) trifft das nach wie vor auf mehr als 90 Prozent der 100 größten deutschen Unternehmen zu.

Von Sebastian Bach

Der Finanzsektor ist in Deutschland immer noch reine Männersache, besagt das dritte Wochenpapier des DIW Berlin. Demnach haben 90 der 100 größten Banken und Sparkassen reine Männervorstände. Deutschlandweit ist die Hypo Real Estate das einzige Finanzinstitut mit einer weiblichen Vorstandsvorsitzenden. Und das obwohl sich die großen Unternehmen sich bereits 2001 auf eine freiwillige Stärkung der Frauenquote in ihren Führungsetagen verständigt hatten.

Schluss mit den Lippenbekenntnissen
"Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass freiwillige Selbstverpflichtungen wie bisher nicht reichen“, sagte Studien-Autorin Elke Holst bei der Vorstellung des DIW-Managerinnen-Barometers. „Wenn die Unternehmen den Frauenanteil in Führungspositionen signifikant steigern wollen, sollten sie sich verbindliche Zielgrößen geben und diese innerhalb fester Zeitrahmen umsetzen.“ Die Zeit der Lippenbekenntnisse und Absichtserklärungen sei abgelaufen.

29 Frauen bei 906 Männern
Der marginale Anstieg von zwei Prozent im Vergleich zum Jahr 2006 ist der DIW-Expertin "schlicht zu wenig". Immer noch kämen bei den 200 größten deutschen Unternehmen auf 906 männliche Top-Manager gerade mal 29 Frauen. Mit dieser verheerenden Quote liege Deutschland im internationalen Bereich weit hinten: "Schweden, Frankreich und die USA, aber auch China, Brasilien und Russland: In allen diesen Ländern finden sich mehr Frauen in Vorstandsposten als in Deutschland", schreibt Holst.

Deutsche Unternehmenskultur
Verantwortlich für das vergleichsweise schlechte Abschneiden ist ihrer Meinung nach die familien-unfreundliche Unternehmenskultur in deutschen Unternehmen. „Sehr lange Arbeitszeiten und die Aufopferung für den Betrieb werden meist als wichtiges Qualifikationsmerkmal für Führungskräfte angesehen." Das sei nicht nur für Frauen ein Problem – auch Männer, die sich neben der Arbeit um ihre Familie kümmern wollen, kämen in einer solchen Unternehmenskultur nicht weit.

Norwegen als Vorbild
Die gesetzliche Einführung einer Quote nach norwegischem Vorbild hat für Holst deshalb Modellcharakter. Dort wurde bereits 2003 ein Gesetz verabschiedet, wonach beide Geschlechter zu mindestens 40 Prozent in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vertreten sein müssen.

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In Deutschland sind lediglich 10,6 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt. Im Vergleich zur desolaten Quote in den Vorständen, gibt diese Zahl schon fast Anlass zur Hoffnung. Laut Holst gelangten aber rund 70 Prozent der Frauen lediglich als Vertreterinnen der Arbeitnehmerschaft in dieses Gremium. Tür und Tor öffnete ihnen allein die Mitbestimmungsregelung.

Der Klassenprimus
Als einziges Unternehmen, das die norwegische Quote mit Bravour erfüllt, verzeichnet das DIW-Papier die NOWEDA eG Apothekergenossenschaft. Hier sind fünf von neun Aufsichtsräten Frauen. Ein Schnitt, der sich sehen lassen kann und für etwas wirbt, das in Deutschland eigentlich selbstverständlich sein müsste: Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.

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