Auf die Formulierung kommt es an

Serie "MainCoaching": Wie Sie Lob und Kritik wirkungsvoll und höflich rüberbringen

Von STEFANIE BATHE

Frankfurt a. M. - Die aktuelle Frage kommt von Peter M.: "Wie kann ich Kollegen auf störendes Verhalten hinweisen?" Mit konstruktivem Feedback helfen Sie anderen, die eigene Wirkung auf ihr Umfeld zu verstehen und somit auch Differenzen zwischen Selbst- und Fremdbild zu erkennen. Nur wer diese Lücke kennt, kann gezielt an sich arbeiten, etwa nicht mehr zu leise zu sprechen oder andere ausreden zu lassen.

Grundsätzlich ist Feedback immer eine hochemotionale Angelegenheit, für beide Seiten. Es ist aber möglich, Rückmeldungen so zu formulieren, dass sie nicht verletzen, sondern motivieren, das eigene Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern.

Teilen Sie Ihre Rückmeldung in drei Teile ein:

1.Sachverhalt: Was ist geschehen?

2. Gefühlsebene als Ich-Botschaft: Was macht das mit mir?

3. Konstruktive Komponente: Was würde ich mir wie anders wünschen?

Sagen Sie nicht "Auf Sie ist nie Verlass. Immer sind Sie zu spät!" Sprechen Sie stattdessen den Sachverhalt an: "Es geht um die Einhaltung der vereinbarten Sitzungszeit. Sie kommen bereits zum dritten Mal zu spät." Bringen Sie die Gefühlsebene ein: "Das ärgert mich, weil ich auch meine Arbeit unterbreche, um pünktlich zu sein und ich bei einer Verspätung nicht weiß, ob Sie noch kommen oder nicht". Und seien Sie schließlich konstruktiv: "Ich wünsche mir, dass Sie zukünftig pünktlich sind oder Bescheid geben, falls Sie später kommen."

Achten Sie bei der Formulierung Ihrer Rückmeldung außerdem auf folgende Punkte:l Werden Sie konkret: "Ihre Ausarbeitung war nicht detailliert genug" ist besser als eine allgemeine Formulierung ("Das war überhaupt nichts") oder Pauschalierungen ("Immer sind Sie so nachlässig").l Das Feedback ist Ihre subjektive Meinung und bleibt es auch, wenn andere sich ihr anschließen. Sagen Sie deshalb "Mich persönlich ärgert das" statt "Da verschlägt es einem ja die Sprache".l Beschreiben Sie: "Wenn Sie so mit der Faust auf den Tisch schlagen,…". Bewerten oder interpretieren Sie aber nicht: "Wie Sie sich hier aufführen,…" oder "Seien Sie doch nicht so aggressiv".l Seien Sie konstruktiv: "Ich wünsche mir, dass…" oder "Mir würde es helfen, wenn Sie lauter und deutlicher sprechen". Nicht gut ist die Formulierung: "Hören Sie auf zu nuscheln."l Benennen Sie auch Positives, sagen Sie etwa: "Mich freut es, dass Sie immer gut vorbereitet ins Meeting kommen." Lob öffnet die Wahrnehmungskanäle Ihres Gegenübers, erhöht also die Chance, dass er oder sie auch die Kritik wahrnimmt und an sich ranlässt.

Über positives Feedback erfahren Sie, welches Verhalten Ihr Umfeld an Ihnen schätzt. So können Sie Ihre Stärken noch gezielter einsetzen und diese weiter ausbauen. Es hilft also, regelmäßig Rückmeldungen einzufordern. In vielen Unternehmen sind Feedback-Runden nach Meetings, Kundengesprächen oder Vorträgen selbstverständlich.

Sehen Sie das Gesagte dabei als Geschenk, nicht als Kritik oder gar Angriff. Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist, aber rechtfertigen oder diskutieren Sie nicht. Lassen Sie die Worte des Gegenübers sacken und denken Sie mit etwas Abstand nach, ob und was Sie an Ihrem Verhalten ändern möchten.

Viele Grüße, Ihr MainCoach - Stefanie Bathe

Haben Sie Fragen rund um das Thema Coaching? Mailen Sie mir Ihr persönlichesAnliegen: FR-karriere@maincoach.deAlle Anfragen werden vertraulich behandelt.

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