Feste Bindung

Der Ingenieur-Dienstleister Ferchau lässt neue Führungskräfte von einem Coach einarbeiten

Von SABINE DEMM

Frankfurt a.M. - Wie führe ich ein Bewerbungsgespräch und wie schätze ich den Anwärter ein? Wie verhandele ich mit Neukunden? Fragen wie diese stellen für Führungskräfte eines Unternehmens oft eine große Herausforderung dar - vor allem, wenn sie selbst gerade erst im Unternehmen angefangen haben.

Auch bei Ferchau ist dieses Problem bekannt. Denn das Unternehmen wächst schnell, beschäftigt viele neue Leute und verfügt über 30 Niederlassungen und 49 technische Büros in ganz Deutschland. Der Dienstleister entleiht Ingenieure für eine bestimmte Zeit oder für die Dauer eines Projektes in Betriebe und übernimmt auch Ingenieursarbeiten für Firmen in seinen Büros. Immer mehr Niederlassungen wandten sich mit der Bitte um Unterstützung an die Ferchau-Zentrale in Gummersbach.

Die Geschäftsführung erklärte sich zu einem Versuchsprojekt bereit. Sie stellte den studierten Sozialpädagogen Andreas Harrock, der selbst lange Jahre als Unternehmensberater und im Vertrieb gearbeitet hat, als Coach ein. Er arbeitet nun alle neuen leitenden Mitarbeiter und diejenigen mit Vertriebstätigkeit persönlich ein. Dieses so genannte Integrationscoaching umfasst verschiedene Bereiche. Dabei geht es um richtige Verhaltensweisen eines Vorgesetzten ebenso wie um Bewerbungsgespräche. Oft ist Harrock auch bei dem ersten Gespräch, das etwa der neue Niederlassungsleiter mit einem Bewerber führen muss, dabei. Der Coach kann eine Menge praktischer Tipps geben: "Fragen Sie den Bewerber immer nach Ereignissen aus der Vergangenheit, zum Beispiel, wie er ein Problem im Betrieb gelöst hat."

Weitere Coachingthemen sind Vertrieb und Aquise, wobei auch die so genannten Soft Skills wie Team- und Konfliktfähigkeit trainiert werden. Außerdem macht Harrock die Mitarbeiter fit darin, eine Niederlassung ausbauen und vergrößern zu können.

Bindeglied zur Zentrale

Das Coaching umfasst zwei bis drei Tage vor Ort, bei Bedarf reist Harrock aber auch noch ein zweites Mal zum Coaching. 70 Prozent seiner Arbeitszeit ist Harrock somit unterwegs. Aber auch nach dem Coaching steht der Sozialpädagoge immer als Ansprechpartner für die Mitarbeiter zur Verfügung, was viele auch gerne nutzen, wie zum Beispiel Annette Seerig, die Niederlassungsleiterin von Ferchau-Magdeburg. "Herr Harrock hat mir in meiner Einarbeitungsphase sehr geholfen und mich tatkräftig unterstützt. Noch heute rufe ich ihn beispielsweise bei schwierigen Kundensituationen an, um mir Rat zu holen." Durch sein Know-how im Bereich Vertrieb und Pädagogik sei er eine optimale Hilfe, sagt sie.

Das Integrationscoaching soll die Mitarbeiter schneller an das Unternehmen binden und sie zielgenau qualifizieren. Ein Jahr läuft das Pilotprojekt von Harrock bei Ferchau nun schon. Er coachte 25 Mitarbeiter und alle drückten wie Annette Seering ihre große Zufriedenheit aus. Großer Pluspunkt der persönlichen Betreuung der Angestellten vor Ort ist, dass der Coach auch als Bindeglied zur oft fernen Unternehmenszentrale fungiert und die Firmenrichtlinien konkret und anschaulich vermitteln kann. Harrock ist überzeugt, dass die Mitarbeiter durch das Coaching schneller eingearbeitet und so auch zufriedener im Unternehmen sind. Letztendlich blieben die Angestellten dann auch länger im Betrieb.

Die Ferchau-Führung sieht das genauso und will das Projekt nun ausweiten. Ein zweiter Coach soll zur Unterstützung eingestellt werden. Weitere Freiberufler sollen auch andere Ferchau-Mitarbeiter wie Sekretärinnen coachen.

Bislang folgen nur wenige Firmen diesem Beispiel. Doch Harrock glaubt, dass sich das Konzept durchsetzen wird. "Es wird immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und an ein Unternehmen zu binden."

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