Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel als Herausforderung für die Zukunft

"Immer mehr Betriebe melden Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden. Und die Schwierigkeiten werden sich durch den demografischen Wandel in Zukunft noch verstärken", lautet die Prognose von Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main.

Von Sebastian Bach

"Immer mehr Betriebe melden Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden. Und die Schwierigkeiten werden sich durch den demografischen Wandel in Zukunft noch verstärken", lautet die Prognose von Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Um diesem Problem mit aller Entschlossenheit zu begegnen, hat die IHK-Organisation das Thema „Gemeinsam für Fachkräfte – bilden, beschäftigen, integrieren" zum Jahresthema 2011 gemacht. Der Fachkräftemangel sei die größte Herausforderung für die regionale Wirtschaft in den nächsten Jahren, so Müller weiter. Dabei gelte es gerade die ungenutzten Arbeitskräftepotenziale stärker zu integrieren. Der Frankfurter IHK-Präsident meint damit vor allem die zahlreichen hochqualifizierten Mütter, die nicht mehr erwerbstätig seien, weil ihnen durch die Betreuung ihrer Kinder die Möglichkeit fehle, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Dr. Müller appelliert, das Betreuungsangebot in Kitas und Horten für erwerbstätige Eltern bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig auszubauen. Zudem macht er sich für Anreize zur Frühverrentung, qualifizierte Zuwanderung und eine Förderung der Ausbildungsfähigkeit von Schulabgängern stark.

Das entspricht ganz der Linie der DIHK-Zentrale in Berlin. Bereits im November hatte deren Präsident Hans Dietrich Driftmann auf einer Pressekonferenz mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auf die Problematik des Fachkräftemangels aufmerksam gemacht. "Nach der Krise ist vor dem Fachkräftemangel", lautete sein Credo. Laut einer bundesweiten Umfrage unter rund 1.600 Unternehmen hätten bereits 70 Prozent der Firmen hierzulande zumindest teilweise Probleme, ihre offenen Stellen mit Fachkräften zu besetzen, berichtete Driftmann. Aus dem IHK-Fachkräfte-Monitor geht nun hervor, dass in den nächsten fünf Jahren allein in Hessen jährlich mehr als 220.000 Fachkräfte fehlen sollen. Davon 210.000 bei den nichtakademischen Fachkräften. "Besonders die Branche der unternehmensnahen Dienstleistungen wird vom Fachkräftemangel betroffen sein", heißt es in der Presseerklärung.

Zu einem anderen Schluss kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die nach einem Aufsehen erregenden Vorbericht im Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel entschärft wurde. In der ursprünglichen Version soll Studienautor Karl Brenke den Fachkräftemangel als "Fata Morgana" bezeichnet haben, was DIW-Chef Klaus F. Zimmermann dazu veranlasste, die Veröffentlichung um zwei Tage hinauszuzögern. Schließlich brauchte man Zeit, um Brenkes unbequeme Aussagen hinreichend zu überarbeiten, denn sie entsprachen keinesfalls dem, was Zimmermann zum Thema in die Öffentlichkeit kommunizierte. In der überarbeiteten Version spricht Karl Brenke lediglich davon, dass "ein Fachkräftemangel kurzfristig noch nicht in Sicht" sei - ebenso wenig wie eine empirische Grundlage für die fundierte Quantifizierung der vermeintlichen Arbeitsmarktlücke. Diese Erkenntnis auf der These, dass Knappheit sich über steigende Löhne definiert. Diese seien bei den Fachkräften in den letzten Jahren aber kaum gestiegen.

Wie die angeführten Beispiele demonstrieren, herrscht über das Phänomen "Fachkräftemangel" keinesfalls Einigkeit. Lediglich in einem Punkt ist man sich einig: Es muss etwas passieren. Nachwuchsförderung, Bündelung der vorhandenen Potenziale, qualifizierte Zuwanderung - alles Vorschläge, die derzeit allerorts zur Problembehebung feilgeboten werden. Jetzt muss nur noch die Politik mitziehen.

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