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Erfolglose Bewerbungen kosten Milliarden Euro

Berechnungen, die auf den ersten Blick verblüffend und kaum glaubhaft wirken - aber auf den zweiten Blick?Wer denkt schon daran, dass mit erfolglosen Bewerbungen Geld verdient werden kann? Die Berechnung der Kosten von erfolglosen Bewerbungen mag auf den ersten Blick makaber erscheinen und den Eindruck erwecken: Der Autor spinnt doch. So reagierte zunächst auch der für diese Seite zuständige FR-Redakteur. Aber beim zweiten Nachdenken ließ er sich dann doch auf meinen Gedankengang ein und akzeptierte das Thema.

Wer denkt schon daran, dass mit erfolglosen Bewerbungen Geld verdient werden kann? Die Berechnung der Kosten von erfolglosen Bewerbungen mag auf den ersten Blick makaber erscheinen und den Eindruck erwecken: Der Autor spinnt doch. So reagierte zunächst auch der für diese Seite zuständige FR-Redakteur.

Aber beim zweiten Nachdenken ließ er sich dann doch auf meinen Gedankengang ein und akzeptierte das Thema. Mögen Sie, liebe Leserin und Leser, selbst entscheiden, ob Sie meine Berechnungen für nachvollziehbar halten oder nicht. Dieser Beitrag beleuchtet also die Kosten und Auswirkungen, die durch erfolglose Bewerbungen erzeugt werden. Der Aufwand wurde nur für abgelehnte Bewerber berechnet: Die Bearbeitung von ausgewählten und eingeladenen Bewerbern wurde nicht berücksichtigt.

Das Szenario: Die Bewerbungsunterlagen werden hin- und hergeschickt. Eine Bewerbung kostet den Bewerber ungefähr 10 Euro. Darin enthalten sind der Kauf von Tagesszeitungen, Lichtbildern, die zweimal genutzt werden können, der Kauf von Papier, Umschlägen, Bewerbungsmappen und das Porto. Der Zeitaufwand (Arbeitszeit) wird nicht berechnet, da diese Kosten weder bei Arbeitslosen noch bei Jobwechslern erfassbar sind. Auf der Arbeitgeberseite entstehen bei der Bearbeitung von Bewerbungen ebenfalls Kosten, wie für die Personalkosten des Bewerbungsbearbeiters. Beim Arbeitgeber summiert sich das auf ca. 12 Euro pro Bewerbung. Insgesamt kostet eine erfolglose Bewerbung also 22 Euro.

Wenn von der Voraussetzung ausgegangen wird, dass 4 Millionen Bewerber (2 Millionen Arbeitslose plus 2 Millionen Jobwechsler) sich 1x die Woche, also 50 mal im Jahr bewerben, ergibt sich folgende Kostenstruktur: 22 Euro pro erfolglose Bewerbung x 50 Mappen im Jahr ergeben 1100 Euro pro Bewerber im Jahr. Wenn das mit 4.000. 000 Stellensuchenden multipliziert wird, ergibt das die Summe von 4.400.000.000 (4.4 Milliarden) Euro im Jahr. Darin sind 606.800.000 Euro (606 Millionen) Mehrwertsteuer enthalten.

Im Jahr werden in der Bundesrepublik ungefähr 1.000.000 Positionen besetzt, bei 20 Millionen verschickten Bewerbungen. Es ist also rein rechnerisch nicht möglich, dass alle Stellensuchenden eine Position finden können. Nur ca. 5 Prozent aller verschickten Bewerbungen haben Aussicht auf Erfolg, alle anderen sind erfolglose Bewerbungen und haben nicht die Möglichkeit, dass der Einsatz der produzierten Kosten zum (wirtschaftlichen) Erfolg (Arbeitsvertrag) führen kann.

Aus der Beispielrechnung ist ersichtlich, dass der höhere Kostenblock bei den Arbeitgebern liegt: nur für das Bearbeiten und Zurückschicken erfolgloser Bewerbungen entstehen ca. 1,6 Milliarden Euro Personalkosten.

Den zweiten Platz belegt das Finanzamt mit Mehrwertsteuereinnahmen in Höhe von 16 Prozent also ca. 606 Millionen Euro. Den dritten Platz teilen sich die Tageszeitungsanbieter und Post AG mit jeweils ca. 600 Millionen Euro Einnahmen. Für die Post AG hieße das: Gäbe es keine erfolglosen Bewerbungen mehr, hätte die Post AG einen Einnahmeverlust in Höhe von 600 Millionen Euro pro Jahr. Bei einem Einnahmeausfall dieser Größenordnung, müssten wahrscheinlich Teile des Personalbestandes reduziert werden.

Überspitzt könnte man sagen, dass die entlassenen Mitarbeiter dann wieder die Chance hätten, die Post mit ihren erfolglosen Bewerbungen zu stärken, um damit wieder zu einem Arbeitsplatz zu gelangen. Geht man davon aus, dass Bewerbungen nur noch als E-Mails verschickt werden, tritt eine Kostenreduzierung ein. Dann verringern sich die Ausgaben für den Bewerber pro Bewerbung auf etwa 2 Euro, vorausgesetzt, er besitzt einen eigenen PC und einen Internetanschluss. Hier hat der Bewerber einen enormen Kostenvorteil. Besitzt er aber keinen eigenen PC und auch keinen Internetanschluss, müsste er auf externe Internetanbieter zurückgreifen.

Dies würde seine Kosten auf ca. 5 Euro pro Bewerbung erhöhen. Der Arbeitgeber hat Vorteile im Bereich der Kosten für Büromaterial und Briefmarken, bleibt aber auf seinem größten Kostenblock, den Personalkosten in Höhe von 1.6 Milliarden Euro weiterhin sitzen. Denn die Mitarbeiter der Personalabteilung müssen nach wie vor die elektronischen Bewerbungen (Mails) lesen, eventuell ausdrucken, bearbeiten und beantworten. Den Hauptverlust dieser Vorgehensweise hätte die Post zu tragen. Diese müssten ihre verlorenen 600 Millionen Euro Umsatz auf verkaufte Internetdienstleistungen umlegen.

Wie man feststellen kann, sieht die Berechnung der Kosten von erfolglosen Bewerbungen auf den ersten Blick makaber aus. Dennoch ist dies ein realistischer Kostenblock, der produziert wird. Wenn man diesen Gedanken fortsetzt und übertreibt und annimmt, die Bundesrepublik wäre ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht, müsste die BRD AG die Arbeitslosigkeit als Unternehmensstrategie erhöhen. Denn dann wären erhöhte Mehrwertsteuereinnahmen plus die Kaufkraft aller mit erfolglosen Bewerbungen Beschäftigten (also Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, usw.) auf der sicheren Einnahmeseite. Wenn es dann nicht nur mehr Arbeitslose gäbe, sondern diese auch noch dazu motiviert werden könnten, mehr als 50 erfolglose Bewerbungen pro Jahr zu versenden, könnte hier relativ schnell ein hoher unternehmerischer Gewinn zu erzielen sein.

Allerdings hat diese Theorie ihre Grenzen, denn eine Umsatzerhöhung ist nur begrenzt möglich. Wenn alle Menschen in der BRD arbeitssuchend wären, gäbe es auch keine Unternehmen mehr. Dann gäbe es keine Empfänger mehr, denen eine erfolglose Bewerbung zugeschickt werden könnte.

Als Resümee kann man ziehen, dass sich der Bewerber genau überlegen sollte, welche Art der Bewerbung er an welchen Arbeitgeber verschickt, um seinerseits nicht einen solch großen Kostenblock zu produzieren. Denn mittlerweile haben auch viele Arbeitgeber schon begonnen, auf eingehende Bewerbungen nicht mehr angemessen zu reagieren, um Kosten zu reduzieren. Sie sparen zum Beispiel an Eingangsbestätigungen und Zwischenbescheiden oder schreiben in Stellenausschreibungen, dass die Unterlagen nicht zurück gesendet werden. Sie riskieren damit, dass die fähigen Kandidaten in besseren Zeiten nicht mehr an einer Arbeitstätigkeit im Unternehmen interessiert sind.

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