Beratungsgeschäft

Die Erfahrung zählt

Ich stelle selbst am liebsten erst ab 40 ein“, sagt Hartmut Hagemann. Bei den letzten Neuzugängen im Team habe man sich für einen 53-jährigen und einen 46-jährigen Berater entschieden.

Hagemann leitet die Frankfurter Niederlassung vom Bankhaus Lampe. Sein Institut zählt zu den letzten unabhängigen und inhabergeführten Privatbanken in Deutschland. „Natürlich gibt es bei uns keine Alterseinschränkung“, sagt er. Auch jüngere Bewerber werden gesucht und eingestellt, allerdings hätten sich zuletzt die Kandidaten mit mehr Berufserfahrung durchgesetzt.

„In unserem Geschäft ist es wichtig, dass unsere Berater über Erfahrung und gute Kontakte verfügen“, sagt Hagemann. Auch eine gewisse persönliche Reife und Lebenserfahrung sei speziell bei einer Privatbank sehr wichtig. „Unsere Kunden sind oft gestandene Unternehmerpersönlichkeiten, die selbst schon älter sind“, erklärt der Bankier. „Häufig möchten sie auf einer Augenhöhe mit unseren Beratern diskutieren.“ Außerdem profitiere man von den Erfahrungen der älteren Generation.

„Sie haben möglicherweise die Ölkrise, die Dotcom-Blase und auch die jüngste Finanzkrise erfolgreich durchstanden“, sagt Hagemann. „Sie wissen, wie sich Marktteilnehmer in schwierigen Zeiten verhalten und kennen auch die Reaktionen und die Bedürfnisse der Kunden.“

Dass die Generation ab 50 auf dem Arbeitsmarkt eine immer wichtigere Rolle spiele, bestätigt auch Jürgen Deller von der Leuphana Universität Lüneburg. Der Professor befasst sich mit den Folgen des demografischen Wandels und rät zur verstärkten Förderung älterer Angestellter. „Mitarbeiter über 40 werden heute in vielen Unternehmen so gut wie gar nicht mehr durch Weiterbildung gefördert“, kritisiert Deller. Dabei sei das Potenzial der Generation enorm: „Ältere Mitarbeiter sind oft überdurchschnittlich gut ausgebildet, selbstbewusst, engagiert und haben Spaß an der Arbeit“, sagt der Wissenschaftler.

Für die Generation ab 50 habe Arbeit im Leben immer eine große Rolle gespielt. Außerdem profitieren Unternehmen von ihrem Erfahrungsschatz: „Ältere Mitarbeiter wollen ihr Wissen gerne an jüngere Generationen weitergeben“, betont Deller. Mit dem Einsatz und der verstärkten Förderung älterer Mitarbeiter könnte man möglicherweise auch einen Beitrag leisten, um dem Fachkräftemangel zu entgegnen. „Spätestens in einigen Jahren stehen viele Unternehmen vor dem Problem, dass es nicht mehr genug qualifizierte Kräfte auf dem Arbeitsmarkt gibt“, sagt der Professor. Bei den meisten Unternehmen sei diese Erkenntnis allerdings noch gar nicht angekommen. „Vor allem die großen Konzerne haben den Handlungsbedarf noch nicht erkannt, weil sie momentan auch noch keine Nachwuchsschwierigkeiten verzeichnen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion