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Emotionen befeuern die Freude an der Arbeit

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Nicht Bonusgehälter befeuern die Freude an der Arbeit, sondern Emotionen.
Nicht Bonusgehälter befeuern die Freude an der Arbeit, sondern Emotionen. © dpa

„Wenn ich nettere Kollegen hätte, wenn mein Chef nicht immer meckern würden, wenn die Kunden einfacher wären, wenn ich mehr Geld verdienen würde...“ Jeder hat Argumente, warum an seinem Arbeitsplatz nicht Spaß, sondern Frust regiert. Eine positive Einstellung kann sich jeder selbst erarbeiten.

Von Kirsten Niemann

Susanne B. arbeitet als Kellnerin in einem Restaurant. Manchmal ist ihr Job stressig: Alle Tische sind voll besetzt, der Kollege ist krank, die Küche braucht zu lange für die Gerichte und die Gäste werden mürrisch. Es gibt Menschen, die beginnen an solchen Abenden ihren Job zu hassen. „Wer hier übellaunig wird, der hat schon verloren“, sagt Susanne B., die von sich sagt, gerne zu arbeiten. „Anderen einen schönen Abend zu bereiten, ist doch eine tolle Aufgabe. Sind die Umstände mal nicht so günstig, nehme ich das als Herausforderung.“

Nicht alle Menschen sind ihrem Arbeitsalltag gegenüber so optimistisch eingestellt. Regelmäßig am Sonntagabend verdüstert sich ihre Laune beim Gedanken an den unvermeidbaren Montagmorgen. Wenn ich nettere Kollegen hätte, wenn mein Chef nicht immer meckern würden, wenn die Kunden einfacher wären, wenn ich mehr Geld verdienen würde – jeder kann tausend Argumente liefern, warum an seinem Arbeitsplatz nicht Spaß, sondern Frust regiert. Das Positive ist jedoch: Diese positive Einstellung kann sich jeder erarbeiten.

Nicht nur auf das Lob warten

„Wer es immer nett haben möchte, der wird irgendwann scheitern“, sagt der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger, Buchautor und Experte in Sachen Motivation und Arbeitsfreude. „Aber der Verlust der Lust ist das Schlimmste, das einem passieren kann.“

Arbeite ich mit den richtigen Menschen? Mache ich die richtigen Dinge? Das sind die Fragen, die jeder erst einmal für sich selbst klären sollte. Motivation ist komplex: Nicht Bonusgehälter, teure Dienstwagen, Medaillen für den Mitarbeiter des Monats und andere Belohnungen feuern die Arbeitslust an, meint Sprenger und nennt ein Beispiel aus der Sportwelt: „Solche Maßnahmen stimulieren für ein Spiel, aber nicht für die ganze Liga.“ Im Gegenteil: Sie können direkt demotivierend wirken: nämlich auf diejenigen, die diese Auszeichnungen nicht bekommen haben.

Wer permanent darauf wartet, angeschoben zu werden, der agiert fremdgesteuert und wird früher oder später antriebslos. „Man kann Motivation und Lust nicht von außen anstoßen“, sagt Sprenger. „Mit Belohnungen von oben wird der Mitarbeiter korrupt und der Vorgesetzte dementiert jede Idee der Zusammenarbeit, wenn Einzelne hervorgehoben werden und nicht das gesamte Team.“ Lebe ich mein Talent? Wird mein Talent in dem Unternehmen gewünscht? Wer diese Fragen für sich grundsätzlich positiv beantwortet, der wird auch wieder Spaß an der Arbeit haben können, wenn er sich nur positiv einstimmt.

Beziehung zum Gegenüber aufbauen

Der Bestsellerautor und Verkaufstrainer Ingo Vogel beschreibt in seinem aktuellen Buch „Das Lustprinzip – Emotionen als Karrierefaktor“, wie man auch in einem grauen Joballtag gute Gefühle auf Knopfdruck entwickeln und sie anderen vermitteln kann. Mehr als zehn Jahre lang hat Vogel als Ingenieur für Regelungstechnik gearbeitet. „Ein zunächst eher unemotionales, trockenes Thema“, sagt Vogel, der sich selbst lediglich für einen mittelmäßig begabten Ingenieur hält. Er wählte eine Arbeit im Vertrieb und hat sogleich erkannt: „Wenn du wirklich gut sein willst, dann darfst du dem Kunden nicht nur Zahlen, Daten und Fakten runterbeten.“

Das langweilt den anderen oder es überfordert ihn auch schlicht. „Am erfolgreichsten sind immer diejenigen Kollegen, die eine Beziehung zum Gegenüber aufbauen können“, sagt Vogel. Wer sich selbst in eine positive Stimmung versetzt, der überträgt sie auf sein Gegenüber. So nutzt es wenig, lediglich in seiner Sache gut zu sein, ohne Sympathie und gute Gefühle auszustrahlen. Emotions- oder Beziehungsmanagement ist der Schlüssel zum Erfolg: Emotionales Verkaufen – so nennt Vogel das, was hinter jedem Gelingen steckt. Ich will mehr verkaufen, will bessere Vorträge halten, mich besser präsentieren können, auf andere Menschen sympathischer wirken – mit diesen Vorstellungen besuchen Vogels Klienten seine Trainings. „Dabei fehlt es ihnen lediglich an Emotionen und Leidenschaft.“

Arbeiten Sie lieber im Team als alleine? Dann tauschen Sie sich stärker mit Kollegen aus. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie Sie sich fühlen, wenn Sie eine unliebsame Aufgabe erledigt haben. Sie werden erleichtert sein und stolz. Nutzen Sie dieses positive Gefühl schon im Vorfeld! Doch Vorsicht: Genauso demotivierend können negative Gefühle auf einen wirken: Wer sich selbst einredet, wie unkonzentriert, müde und lustlos er gerade ist, wird genau das aller Wahrscheinlichkeit nach auch empfinden. Verändern Sie den Fokus Ihrer Wahrnehmung. Versuchen Sie, Erfolgsverhinderer durch Lustfaktoren zu ersetzen: Neugier, Verbindlichkeit, eine positive Grundeinstellung.

Das ist etwas, was wir trainieren müssen, denn in die Wiege gelegt wurden uns eher Skepsis und Pessimismus. „Machen Sie sich kleine Erfolge bewusst und feiern Sie die!“, sagt der Experte, „das hat auch mit Wertschätzung zu tun.“

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