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Sie haben sich mit der Verwirklichung eines Projekts übernommen? Dann leiden Sie vielleicht an dem Phänomen der "interessierten Selbstgefährdung".

Burn-out

Dieser gut gemeinte Führungsstil treibt Sie in die Selbstausbeutung

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Seinen Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übergeben, damit sie sich selbst verwirklichen können, ist an sich etwas Gutes. Doch der Grad zur Überforderung ist schmal.

Ihre Nase ist zu, der Kopf dröhnt - aber heute können Sie unmöglich zuhause bleiben, sagen Sie sich. Gerade heute können Sie mit Ihrem Projekt ein ganzes Stückchen weiterkommen. Und Sie wollen auf keinen Fall scheitern, jetzt, wo doch dieses Projekt ganz allein in Ihren Händen liegt.

Das Phänomen der "interessierten Selbstgefährdung"

Mitarbeitern Eigenverantwortung zu überlassen, damit sie ihre Ziele erreichen, ist an sich eine gute Sache. Falsch umgesetzt wird es jedoch schwierig. Denn schnell werden Überstunden und dauerhafte Erreichbarkeit feste Bestandteile des Berufslebens. "Interessierte Selbstgefährdung" nennt der Philosoph Klaus Peters dieses Phänomen. Betroffene sehen sich quasi selbst dabei zu, wie sie ihr Wohlbefinden gefährden, weil sie beruflich erfolgreich sein wollen. Und obwohl diese Selbstgefährdung zwar vom Betroffenen selbst angestrebt wird, ist er nicht allein dafür verantwortlich. Sondern eine folge schlechter Umsetzung einer spezifischen Art der Mitarbeiterführung: der indirekten Steuerung, erklären die Psychologen Andreas Krause und Maida Mustafić.

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Dieser Führungsstil bringt Sie dazu, sich selbst zu überlasten

"Bei der indirekten Steuerung geht es darum, mit Zielen wie etwa Key Performance Indikatoren zu arbeiten", sagt Krause. Früher wurden den Mitarbeitern die Arbeitsschritte genau vorgegeben. Heutzutage bekommen die Arbeitenden Ziele und Rahmenbedingungen und sollen sich selbst überlegen, wie sie diese Ziele erreichen können. Grundsätzlich ist das nichts Schlechtes - solange man diesen Führungsstil richtig umsetzt.

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Arbeiter in Softwareunternehmen, Banken und Versicherungen besonders gefährdet

Wenn die Ziele zum Beispiel sehr hoch sind und es für die Mitarbeiter negative Konsequenzen mit sich bringt, die Ziele zu verfehlen, dann kommen die Symptome deutlich stärker zum Vorschein und es geht den Leuten dort auch schlechter", erklärt Krause. In manchen Branchen, zum Beispiel bei Softwareunternehmen, bei Banken und bei Versicherungen, ist das Phänomen der interessierten Selbstgefährdung stark verbreitet, schreibt das Karriere-Portal Business Insider.

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Unternehmen erkennen Problem mit Führungsstil und lenken langsam ein

"Eine Musterlösung sähe so aus: Die Teams definieren, was sie in einem bestimmten Zeitfenster schaffen können", sagt Krause. "Natürlich haben sie weiter Druck, aber sie haben auch einen Austausch darüber, ob es geklappt hat oder nicht, und woran es lag. Dadurch hat man einen viel besseren Lernprozess in der Organisation." Krause und Mustafić sehen hoffnungsvoll in die Zukunft: "Wir sind in einer Situation, in der Betriebe erkannt haben: Da haben wir es wirklich ein bisschen übertrieben. Es wird stärker thematisiert und gesehen, als es vor zehn Jahren der Fall war."

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