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An Weiberfastnacht wird traditionell viel „gebützt“. Am Arbeitsplatz sollten Narren damit jedoch vorsichtig sein.

Karneval am Arbeitsplatz

Diese Benimm-Regeln gelten für Jecken

Schlipse abschneiden, Kollegen bützen oder schunkeln im Büro - Karneval steht vor der Tür, und in vielen Unternehmen wird ausgelassen gefeiert. Doch völlige Narrenfreiheit genießen Jecken am Arbeitsplatz nicht - das betrifft insbesondere Alkohol und Kostüme.

Narrenfreiheit gilt nicht im Büro. Kleine Scherze dürfen sich an den tollen Tagen noch am ehesten Berufstätige in den deutschen Karnevalshochburgen wie Köln und Mainz erlauben. Strenger sehen das die Chefs, Kollegen und Kunden im Rest des Landes. Wo liegen die Grenzen?

Alaaf: Sich am Telefon mit „Helau“ oder „Alaaf“ statt mit „Guten Tag“ zu melden, kann witzig sein - oder richtig danebengehen. Faustregel: Ist unklar, wer anruft, führt am konventionellen „Guten Tag“ kein Weg vorbei. Erkennt der Angerufene im Display die Nummer eines Bekannten und kann einschätzen, dass auch der für den Karneval etwas übrig hat, ist der jecke Hochruf erlaubt. Mehr noch: „'Helau' kann dann auch ein Mittel sein, das verbindet und die Geschäftsbeziehung fördert“, sagt Etikette-Trainerin Agnes Jarosch aus Stuttgart.

Alkohol: „Generell gilt: Die Firma geht vor“, sagt Jarosch. Wer sich zur Feier der fünften Jahreszeit am Schreibtisch oder in der Werkstatt ein paar Gläschen Sekt genehmigt, riskiert, dass er Fehler macht. Und die können im schlimmsten Fall sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. „Zu späterer Stunde ein Glas Sekt mit den Kollegen, das ist in einigen Firmen okay.“ Es gibt aber auch Unternehmen, in denen Alkohol ganz verboten ist. Da kommt auch ein kleines Gläschen kurz vor Feierabend überhaupt nicht gut an. Am besten fragt man vorher den Chef.

Arbeitszeit: Der Betriebsrat muss es hinnehmen, wenn der Vorgesetzte den Rosenmontag als Arbeitstag festlegt. Er hat in dieser Frage kein Mitbestimmungsrecht, urteilte das Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 7 TaBV 77/12). Im verhandelten Fall hatte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass Rosenmontag ein normaler Arbeitstag ist. Bislang hatte er ihnen freigegeben - das wollte er nun ändern. Wollen die Arbeitnehmer trotzdem freihaben, müssen sie künftig einen Urlaubstag opfern.

Bützen: Im Karneval ist es in den Hochburgen wie Köln und Mainz normal, dass überall Küsschen verteilt werden. Im Büro sind Narren damit aber lieber etwas zurückhaltender. Denn nicht jeder Kollege findet es lustig, wenn er ungefragt „gebützt“ wird. „Ein Bützchen gibt man besser nur befreundeten Kollegen“, rät die Etikette-Trainerin Gabriele Krischel aus Niederkassel bei Bonn. Denn es komme nie gut an, wenn anderen solche Bräuche aufgezwungen werden. Und es gebe immer Einzelne, die auf so etwas allergisch reagieren. Karnevalsjecken im Exil müssen erst recht damit rechnen, dass ein Bützchen im Büro auf wenig Gegenliebe stößt.

Feiern im Büro: Mit den Kollegen sollten Narren es frühzeitig absprechen, wenn sie eine Karnevalsfeier im Büro planen. Wollen einige nicht mitfeiern, lässt man sie am besten in Ruhe, rät Krischel. Sonst bekommen die Feiernden bloß zu hören, Karneval sei lediglich verordneter Spaß. Die Narren sollten zudem Rücksicht auf die Kollegen nehmen, die während einer Feier weiterarbeiten müssen.

Statt einer Polonaise durch den ganzen Betrieb sei es ratsamer, das Schunkeln in ein abgelegenes Büro zu verlegen, wo es andere nicht stört. Dabei gelten dann dieselben Regeln wie bei jeder Betriebsfeier: Mitarbeiter sollten es nicht übertreiben und trotz lockerer Stimmung die Form wahren. Den Chef plötzlich einfach zu duzen, ist tabu.

Kostüm: Gerade im Rheinland sei es durchaus legitim, am Rosenmontag oder am Karnevalsdienstag als Captain Spock oder im Sträflingsanzug zur Arbeit zu gehen. „Da kann das witzig und charmant sein“, sagt Jarosch. „Sobald wir uns aber von den Hochburgen entfernen, gilt das nicht mehr.“

Und grundsätzlich sollte sich ein Mitarbeiter, der einen ernsthaften Kundentermine hat - auch im Rheinland - niemals verkleiden. Rosenmontag hin oder her. „Je weiter oben ich in der Firmenhierarchie stehe, je mehr Kundenkontakte ich habe, je mehr ich repräsentiere, umso weniger Extravaganzen darf ich mir erlauben.“

Ein Recht auf Maskerade gibt ohnehin nicht. „Der Arbeitgeber kann grundsätzlich eine Dienstkleidung oder einen bestimmten Kleidungsstil vorgeben“, sagt Rechtsanwältin Dr. Barbara Reinhard von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Schlips abschneiden: Narren verzichten Krischel zufolge besser auch darauf, an Weiberfastnacht den Männern den Schlips abzuschneiden, wie es im Karneval zur Tradition gehört. In Regionen wie dem Rheinland werde das akzeptiert, erklärt Krischel. „Wer hier lebt, kennt das.“ Narren in den Karnevalszentren müssten aber aufpassen, wenn Gäste von außerhalb zu Besuch sind - etwa ein Münchner oder gar ein Geschäftspartner aus Japan. „Da wäre ich vorsichtig. Dem kann ich nicht einfach den Schlips abschneiden.“

Vor der Attacke auf das Anhängsel des Vorgesetzen sollten man sich absolut sicher sein, dass dieser damit einverstanden ist. Andernfalls gilt das Abschneiden der Krawatte als ganz gewöhnliche Sachbeschädigung – selbst wenn es ein lokaler Brauch ist. Theoretisch kann der Chef Schadenersatz geltend machen. „Arbeitsrechtliche Folgen kann die Attacke auf die Krawatten von Kollegen haben, wenn der Chef diesen Brauch ausdrücklich untersagt hat“, sagt Rechtsanwältin Reinhard. (gs/dpa)

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