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Die Crux mit dem „Sie-Du“

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Nicht anstössig: Die Gläser klingen zu lassen, besiegelt so manche Vereinbarung - auch beim Wechsel der Anrede von Sie auf Du.
Nicht anstössig: Die Gläser klingen zu lassen, besiegelt so manche Vereinbarung - auch beim Wechsel der Anrede von Sie auf Du. © dpa

„Per 'Sie' kann man keine Revolution machen.“ Diese Erkenntnis gilt zwar als Auslöser für den Wechsel vom formellen „Sie“ zum revolutionären „Du“ in der französischen Geschichte – hat aber in der Praxis durchaus Tücken.

Zwar ist das saloppe „Duzen“ – besonders in der Kommunikationsbranche – unterdessen gängige Praxis. Wer sich dem angeblich so lockeren Ritus jedoch entziehen möchte, hat schlechte Karten. Musterprozesse zeigen sogar, dass niemand darauf pochen kann, in der Firma mit „Sie“ angeredet zu werden, wenn die Unternehmenskultur etwas anderes vorschreibt.

Siezen schafft Distanz

Dabei hat das Siezen durchaus seine Berechtigung. Mit dem vertraulichen „Du“ geht nämlich auch ein Teil der Autorität verloren. Das macht sich beispielsweise dann unangenehm bemerkbar,  wenn man befördert  und damit ehemals gleichrangigen Kolleginnen und Kollegen vorgesetzt wird. Diese sensible Situation erfordert ohnehin Fingerspitzengefühl. Zusätzlich fehlt die hilfreiche Distanz der formellen Anrede.

Duzen mit Zuprosten besiegeln

Deshalb sollte man sich sehr gut überlegen, was für berufliche Ziele man hat – und wem man daraufhin überhaupt das „Du“ anbietet.  Im Business darf das übrigens ausschließlich der Höhergestellte – privat sind es die wesentlich Älteren. Bei Gleichaltrigen oder jungen Leuten spielt die Rangfolge keine Rolle. Ein Handschlag oder einfaches Zuprosten besiegeln den neuen Status – Brüderschaft trinken ist antiquiert. Natürlich tut sich keiner einen Gefallen, wenn er eine entsprechende Einladung seines Chefs ablehnt.

Affront: Anrede nicht zurücknehmen

Die vertrauliche Anrede zurücknehmen. Speziell in Deutschland gilt das „Du“ als Auszeichnung. Es signalisiert Zusammengehörigkeit und Vertrautheit. Deshalb wird es auch schwierig, wenn uns das „Du“ von jemandem angetragen wird, den wir nicht duzen wollen. Gerade im Umgang mit Kunden ist dies ein heikles Thema. Ablehnen ist riskant, denn der Anbieter wird sich mit Sicherheit zurück­gewiesen fühlen – annehmen führt oft zu Interessenskonflikten im Geschäftsleben. Eine Möglichkeit ist es, den anderen erst einmal „aus Versehen“ weiter zu siezen, damit er sein Angebot ohne Gesichts­verlust rückgängig machen kann.  Ansonsten gilt auch hier: Der Kunde ist König – notfalls einer, den wir duzen... (ETI)

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