Chef ausspionieren kann zu fristloser Kündigung führen

Herford/Berlin (dpa/tmn) - Nicht nur Arbeitgeber können sich wie im Fall von Lidl Ärger einhandeln, wenn sie Beschäftigte ausspionieren - dasselbe gilt auch

Herford/Berlin (dpa/tmn) - Nicht nur Arbeitgeber können sich wie im Fall von Lidl Ärger einhandeln, wenn sie Beschäftigte ausspionieren - dasselbe gilt auch für Angestellte, die ihrem Chef hinterherschnüffeln.

"Wer sich unerlaubt Einblick in Unterlagen seines Vorgesetzten verschafft, handelt sich in jedem Fall eine Abmahnung ein", sagte Rechtsanwalt Paul-Werner Beckmann aus Herford. In schweren Fällen drohe Arbeitnehmern sogar eine fristlose Kündigung, sagte das Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltvereins (DAV) in Berlin.

So verbietet es sich laut Beckmann für Angestellte, geöffnete E-Mails und Dokumente am PC des Chefs in seiner Abwesenheit zu lesen, um etwa herauszufinden, wie es um die eigene Beförderung steht. "Wenn das mutwillig geschieht, indem jemand zum Beispiel das PC-Passwort des Vorgesetzten knackt oder mit dessen Schlüssel den Schrank mit den Personalakten öffnet, ist das ein Grund für eine sofortige Entlassung."

Anders sehe es dagegen aus, wenn der Chef eine Akte offen auf seinem Schreibtisch liegen lässt und Angestellte eher zufällig einen Blick darauf erhaschen. "Da kann man demjenigen natürlich nicht so einen schweren Vorwurf machen und wird es wohl bei einer Ermahnung belassen", sagte Beckmann.

Auch die persönlichen Unterlagen der Kollegen sind für andere Angestellte tabu. "Wenn jemand also erwischt wird, wie er heimlich die Gehaltsbriefe anderer öffnet, ist das genauso ein Kündigungsgrund." Dasselbe gelte, wenn Angestellte unerlaubt Firmenakten auf dem Schreibtisch von anderen Mitarbeitern lesen und dann Betriebsinterna ausplaudern.

Angestellte dürfen sich Beckmann zufolge auch nicht von ihrer Neugierde verleiten lassen, weil sie glauben, dass sich das Ausspähen des Chefs oder der Kollegen nicht nachweisen lasse. "In solchen Fällen kann schon der dringende Tatverdacht für eine Kündigung ausreichen, wenn dadurch das Vertrauensverhältnis zu dem Angestellten zerstört ist." Ein solcher Verdacht bestehe etwa dann, wenn Mitarbeiter mit vertraulichen Informationen vor den Kollegen prahlen oder dabei beobachtet werden, wie sie sich an fremden PCs im Büro zu schaffen machen.

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