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Alles im Griff: Nur mit realistischen Zielen gelingt es, gute Vorsätze erfolgreich umzusetzen.

Durchstarten im Job

Berufliche Vorsätze auch wirklich realisieren

Endlich mit dem Chef über mehr Gehalt verhandeln, für eine Beförderung kämpfen... Gute Vorsätze fassen Arbeitnehmer jedes Jahr, aber nur ein Bruchteil wird tatsächlich in die Tat umgesetzt. Karriere-Experten geben Tipps, damit Sie 2014 im Job durchstarten.

Neues Jahr, neues Glück - nach diesem Motto steuern viele auf das Jahresende zu und schmieden Pläne. Das gilt nicht nur für private Vorhaben, sondern auch mit Blick auf das Arbeitsleben. Das Tückische an Vorsätzen ist allerdings, dass sie selten den Januar überleben: Es hakt bei der Umsetzung. Wichtig ist es deshalb, bei der Zielsetzung realistisch zu bleiben - und bei den ersten Rückschlägen nicht gleich aufzugeben.

Das Personalberatungsunternehmen Manpower befragt jedes Jahr rund 1000 Arbeitnehmer in Deutschland, was sie sich für das nächste Jahr beruflich vornehmen. „Der Wunsch, mehr Geld zu verdienen, steht stets an erster Stelle“, sagt Bettina Loehr. Sie ist Personalerin bei Manpower und nebenbei als Karriereberaterin selbstständig. Hinzu komme in den vergangenen Jahren immer stärker der Wunsch nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit.

Egal wo der Schuh drückt: „Ich halte es für eine gute Idee, zwischen den Jahren innezuhalten, Bilanz zu ziehen und zu überlegen, wo man steht und wohin man möchte“, erklärt Prof. Gerhard Stemmler. Er ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Göttingen. Um das herauszufinden, müssen Beschäftigte sich die Zeit nehmen, sich näher mit sich selbst zu beschäftigen. Doch zu Hause im stillen Kämmerlein sind schnell die ehrgeizigsten Pläne geschmiedet. Mit ihnen ist das Scheitern oft schon vorprogrammiert.

Was stört Sie an Ihrem derzeitigen Job?

Um gute Vorsätze umzusetzen, ist deshalb der wichtigste Grundsatz, bei der Zielsetzung realistisch zu bleiben. Ein Beispiel: „Wenn mein Chef immer Geringschätzung zeigt, wird er sich nicht zu einem Menschen wandeln, der mir immerzu Anerkennung gibt“, erzählt Stemmler. Beschäftigte sollten sich deshalb nur Ziele suchen, die sie auch beeinflussen können. In dem Fall sollten sie sich besser überlegen, wie sie die Anerkennung an anderer Stelle bekommen - anstatt darüber nachzudenken, wie sie den Chef beeindrucken können.

Das Ziel sollte außerdem so konkret wie möglich formuliert werden. Statt einem nebulösen „Ich will einen neuen Job“ überlegen sich Berufstätige besser, was sie konkret an ihrer Stelle stört - und was sie ändern möchten. Und ganz wichtig: Mitarbeiter sollten sich ebenfalls überlegen, wie sich die guten Vorsätze auf ihr Leben auswirken und was sie bereit sind, dafür in Kauf zu nehmen. Mit solchen Fragen, die man sehr ehrlich beantworten muss, kreisen Beschäftigte die guten Vorsätze ein, erläutert Stemmler.

„Will man mehr verdienen, sollte man sich im Klaren sein, wie hoch das Gehalt sein soll“, rät Loehr. Können Beschäftigte das nicht durchsetzen, überlegen sie sich am besten Alternativen - wie ein Zuschuss zu den Fahrtkosten oder zu den Kita-Beiträgen. Am Ende filtern Mitarbeiter aus diesen Überlegungen dann ein Ziel heraus - griffig und kurz formuliert.

Wer gute Vorsätze wirklich in die Tat umsetzen will, ist hier aber noch nicht am Ende. Als nächstes definieren Mitarbeiter idealerweise Zwischenziele, erklärt Susanne Neeb, Coach in Groß-Umstadt bei Frankfurt am Main. Sie empfiehlt, im Kalender Termine einzutragen, bis zu denen Arbeitnehmer einen bestimmten Schritt getan haben wollen. Das kann zum Beispiel sein, bis zum 15. Januar den Termin mit dem Chef zu vereinbaren, um über mehr Gehalt zu sprechen. Ein anderer meldet sich bis dahin endlich für einen Spanischkurs an. Wieder andere sagen bis zu diesem Zeitpunkt das erste Mal „Nein“ zu einem Kollegen, der ständig seine Projekte abschiebt.

„Mein großes Ziel kann ich für jeden Ersten im Quartal auf Wiedervorlage legen und im Kalenderprogramm des Computers aufploppen lassen“, empfiehlt Neeb. „In dem Moment bilanziere ich, was ich bisher getan habe, um es zu erreichen.“

Auch können Beschäftigte mit einem guten Freund Termine im Jahr vereinbaren, an denen sie gemeinsam bilanzieren, was sie bisher in die Wege geleitet haben, um ihre Ziele zu erreichen. Soziale Kontrolle sorgt für Disziplin, sagt Neeb. Und das nicht nur, weil man dem anderen etwas beweisen will, sondern auch, weil man vor sich selbst bestehen möchte. Haben Mitarbeiter Zwischenziele erreicht, darf das auch gern gefeiert werden.

Die Ziele immer konkret vor Augen haben

Nun können Berufstätige eine Menge Pläne machen, doch oft genug kommt einem die Realität in die Quere. Viele Menschen lassen sich durch Rückschläge entmutigen, hadern mit sich und geben gleich ganz auf. „Misserfolge und Rückschläge sollte man von vornherein einkalkulieren“, rät Neeb. Wenn Berufstätige nicht so vorankommen, wie sie möchten, gilt es, dranzubleiben, Alternativen zu suchen, einen Umweg zu gehen - das große Ziel aber nach wie vor im Blick. Oft hilft es auch, sich das Ziel auszumalen und sich vorzustellen, wie es sein wird, wenn es erreicht ist.

Um anzukommen, ist ein langer Atem gefragt. Notfalls nehmen Beschäftigte eben Schwung für einen neuen Anlauf und justieren die Zwischenziele immer wieder neu. Auch das Jahr 2015 braucht schließlich wieder Vorsätze. (dpa/tmn)

Unsere Bildergalerie verrät, welche Fehler Sie beim Gehaltspoker vermeiden sollten:

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