Begrüßung im Vorbeigehen ist zu wenig

Neue Mitarbeiter benötigen eine sorgfältige Einarbeitung und regelmäßige Rückmeldungen

Von URSULA WIDMANN-RAPP

Frankfurt a. M. - Ein Mitarbeiter geht, ein neuer kommt. Für den Betrieb ist das oft Alltag, doch für den Neuen beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Aber auch für die Kollegen ist dies keine Alltagssituation. Sie fragen sich: "Passt der Neue zu uns oder bringt er Unruhe ins Team?"

Doch die Anspannung beim neuen Mitarbeiter ist am größten. Aus mehreren Gründen: Er kommt als Fremder in eine Gruppe mit festen Regeln, die er noch nicht kennt. Außerdem muss er sein Können den Kollegen und dem Chef erst noch beweisen. Zudem ist er mit den Arbeitsabläufen nicht vertraut. Entsprechend groß ist seine Unsicherheit, selbst wenn er diese oft überspielt. Deshalb ist eine angemessene Begrüßung wichtig. Sie ist Chefsache. Dieser sollte sich am ersten Tag ausreichend Zeit für ein Orientierungsgespräch nehmen. Nicht nur, um dem neuen Teammitglied das Gefühl zu vermitteln "Du bist für uns wichtig", sondern auch, um ihn über die Gepflogenheiten des Betriebs, die an ihn gestellten Erwartungen und seine zentralen Ansprechpartner zu informieren.

Solche Orientierungsgespräche finden in vielen Klein- und Mittelbetrieben nicht statt. Vielmehr beschränken sich die Verantwortlichen darauf, den Neuen sozusagen im Vorübergehen per Handschlag zu begrüßen. Dann soll er oder sie loslegen. Oft steckt dahinter kein böser Wille. Vielmehr wird das Gespräch aus Zeitgründen stets verschoben. Und am Ende findet es nie statt. Folglich kann der oder die frisch Eingestellte nur raten, was dem Betrieb beispielsweise im Kontakt mit Kunden wichtig ist. Entsprechend lange dauert die Einarbeitung und entsprechend schnell entstehen Irritationen. Deshalb sollte das Orientierungsgespräch möglichst früh, wenn nötig auch nach Feierabend, geführt werden.

Auf dieses Gespräch sollte sich der Vorgesetzte vorbereiten. Nicht nur, indem er sich stichwortartig notiert, worüber er mit dem Neuen reden möchte, sondern auch indem er Info-Material zusammenstellt, das derjenige braucht. Eine gezielte Vorbereitung ist auch wichtig, weil sich der Mitarbeiter in den ersten Stunden und Tagen sein Bild darüber formt, was dem Betrieb besonders wichtig ist. Dies beeinflusst sein künftiges Verhalten. Deshalb sollten gerade in der Anfangszeit an ihn die richtigen Signale gesandt werden.

Generell gilt: Neue Mitarbeiter brauchen viel Information. Schließlich kennen sie weder die innerbetrieblichen Abläufe und Zuständigkeiten, noch die Kunden und Lieferanten des Unternehmens. Also müssen sie ihnen genannt werden. Sonst sind sie orientierungslos und schnell formt sich bei Kollegen und Vorgesetzten das Bild: Auf den hätten wir verzichten können.

Doch auch ein zuviel an Information kann das reibungslose Eingliedern erschweren. Manche Betriebe decken neue Mitarbeiter in den ersten Tagen mit so viel Detailinformationen ein, dass diese sie unmöglich speichern können. Die Folge: Der Neue muss immer wieder nachfragen, obwohl es ihm "schon hundert Mal" erklärt wurde. Dies erzeugt Frust und führt bei seinen Kollegen zum Gefühl: Der ist schwer von Begriff.

Noch nicht betriebsblind

Um dies zu vermeiden, sollte für neue Mitarbeiter ein Einarbeitungsplan erstellt werden, in dem definiert ist, in welche Arbeitsfelder sie wann eingeführt werden, welche Infos sie dafür benötigen und wer ihnen diese Infos gibt.

In den ersten Monaten sollten auch regelmäßige Treffen mit dem Chef stattfinden. Diese können für die Firma sehr fruchtbar sein, denn neue Beschäftigte sind noch nicht betriebsblind und können viele Anregungen für Verbesserungen geben. Bei diesen Gesprächen sollte der Neue auch eine Rückmeldung über seine Leistung erhalten. Dann kann er, sofern nötig, sein Verhalten korrigieren, so dass Mängel nicht automatisch zu einem Auflösen des Arbeitsverhältnisses am Ende der Probezeit führen. Denn dieser Schritt ist für das Unternehmen die teuerste Lösung. Schließlich kostet jede Fehlbesetzung mehrere Monatsgehälter. Deshalb sollten Betriebe viel Zeit in das Auswählen und Einarbeiten neuer Mitarbeiter investieren.

Ursula Widmann-Rapp ist Inhaberin des

Trainings- und Beratungsunternehmens uwr-Verkaufstraining in Olching.

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