Anderen Menschen die Angst nehmen

Verhaltenstherapeuten haben vielfältige Einsatzgebiete / Einstieg in den Beruf dauert lange und ist kostspielig

Von IRIS MARTIN

Frankfurt a.M. - Man müsse Menschen mögen, geduldig und verständnisvoll sein und gerne helfen, um in diesem Beruf glücklich zu werden, beschreibt der Hamburger Verhaltenstherapeut Torsten Lamb. Sein Einsatzgebiet sind Angststörungen und Depressionen, aber auch psychosomatische Beschwerden. Die gesamte Therapie dauert im Schnitt zwischen drei und sechs Monaten bei wöchentlichen Sitzungen von 50 Minuten. Anders als die wesentlich länger dauernde Psychoanalyse, die Probleme im Unbewussten zu ergründen sucht und ihre Nachforschungen dabei bis tief in die Kindheit richtet, befasst sich die Verhaltenstherapie ausschließlich mit der gegenwärtigen Situation.

Gemeinsam mit dem Klienten untersucht der Verhaltenstherapeut zunächst gründlich, worin das Problem besteht, um dann das Ziel der Behandlung festzulegen. "Die Patienten kennen ihre Probleme meist sehr gut", meint Lamb. Sie hätten aber Schwierigkeiten, sich selbst aus ihrem Dilemma zu befreien. Deshalb entwickelt der Verhaltenstherapeut zusammen mit dem Betroffenen Lösungsstrategien und übt diese dann Schritt für Schritt ein.

Im Unterschied zur allgemeinen arbeitet die kognitive Verhaltenstherapie nicht nur an Verhaltensmustern im engeren Sinn, sondern durchbricht auch eingefahrene Denkgewohnheiten, die bei Angststörungen oder Depressionen, aber auch anderen psychischen Problemen oft einen unheilvollen Mechanismus negativer Gedanken auslösen, und ersetzt sie durch hilfreiche Denkstrukturen. "Leicht ist es nicht, solchen Mechanismen gegenzusteuern", erläutert Lamb. "Schon eine harmlose Angewohnheit abzustellen wie die unbewusste Spielerei mit einem Kugelschreiber, dauert im Schnitt drei Wochen."

Doch dafür kann der Klient auf das einmal Erlernte später jederzeit zurückgreifen. Das gibt ihm für die Zukunft Sicherheit. Entspannungsübungen oder auch Selbsthypnose sind ebenso Bestandteile der Therapie. "Ist der Klient erst einmal beim Therapeuten, so hat er den ersten Schritt zur Heilung schon getan", ist Lamb überzeugt. Der Rest sei ein beschwerlicher, aber auch interessanter und lehrreicher Weg.

Lange und teure Lehrjahre

In den Beruf des Verhaltenstherapeuten einzusteigen, ist nicht so einfach: Nach einem rund fünfjährigen Psychologie-Studium mit Diplomabschluss muss eine dreijährige Qualifikation mit dem Ziel der Approbation (staatliche Genehmigung zur Berufsausübung) absolviert werden. Eine besondere Hürde bedeutet für viele Psychologen, dass ihnen das obligatorische praktische Jahr in den meisten Fällen nicht bezahlt wird. Auch Pädagogen und Sozialpädagogen können nach bestandener Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten eine Approbation erhalten. Diese ist Voraussetzung für die Kassenzulassung, also dafür, dass ein Psychotherapeut sich an einem Ort niederlassen und seine Behandlungen über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen kann. Die Kassenzulassung kann er einem älteren Kollegen zu Preisen zwischen 15 000 und 50 000 Euro abkaufen. Steht dem Berufseinsteiger nicht gleich eine Praxis zur Übernahme zur Verfügung, muss er sich oft auf eine lange Wartezeite einrichten.

Eine "Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung" erhalten auch Diplom-Psychologen ohne Kassenzulassung sowie Heilpraktiker, Pädagogen und Sozialpädagogen nach bestandener Überprüfung bei einem Gesundheitsamt. Doch damit sind sie allein auf Privatpatienten angewiesen, denn sie können in der Regel nicht über die Krankenkassen abrechnen.

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