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Mit großen roten Feuerwehrautos fahren – das ist für viele ein Kindheitstraum. Für Martin Meyer-Pyritz ging er in Erfüllung.

Knochenhart, aber erfüllend

„Als Feuerwehrmann hat man nicht einen, sondern tausend Berufe“

Mit Feuerwehrautos bei Rot über die Ampel brettern, schöne Frauen aus brennenden Häusern retten – so abenteuerlich bis romantisch stellen sich manche Nicht-Feuerwehrmänner den Job vor. Die Realität sieht anders aus, weiß Martin Meyer-Pyritz.

24 Stunden im Einsatz, kaum Privatleben, dafür die Bereitschaft, im Notfall alles zu geben und sogar das eigene Leben zu riskieren: Feuerwehrmann sein, das ist ein knochenharter Beruf. Aber: Man bekommt auch viel zurück, weiß Martin Meyer-Pyritz. Er hat 35 Jahre lang für die Feuerwehr Düsseldorf gearbeitet und prägende Erlebnisse in seinem Buch „112 Gründe, Feuerwehrmann zu sein“ (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) festgehalten. 

Dabei räumt der Autor (Jahrgang 1950)  auch mit einigen Klischees auf. Stimmt es zum Beispiel, dass Feuerwehrmänner ständig ungebremst über rote Ampeln brettern und „geile Bräute“ aus brennenden Häusern retten dürfen? Nicht ganz, muss Meyer-Pyritz enttäuschen: Zwar überqueren die Einsatzwagen durchaus rote Ampeln, allerdings immer „mit der notwendigen gebotenen Geschwindigkeit“. Es gilt also Vorsicht vor gefährlicher Raserei.

„Immer wieder großen Gefahren ausgesetzt“

Und was die „heißen Bräute“ betrifft, die man erst aus dem Feuer retten und dann filmreif abschleppen kann, muss der Feuerwehrmann passen: Das komme leider auch nur selten vor und sei eher eine Fantasie pubertierender Jugendlicher. „Wahr hingegen ist, dass Feuerwehrmänner sich immer wieder großen Gefahren aussetzen, um Menschen in akuten Bedrohungslagen das Leben zu retten.“ 

Eine Schaumparty mit der Feuerwehr

Manche der im Buch geschilderten Situationen sind weniger gefährlich, dafür aber skurril. So wurde das Einsatzteam von Meyer-Pyritz eines späten Abends zu einem Lagerhallenbrand gerufen. Leider war die brennende Halle voll mit Spraydosen, die dem Angriffstrupp beim Öffnen des Tores wie Geschosse um die Ohren flogen. Deshalb musste der Brand durch eine kleine Öffnung mit Schaum gelöscht werden.

Allerdings hatten die Feuerwehrmänner eine kleine Metalltür in der Rückwand der Halle übersehen, durch die der Schaum entwischte: „Als wir einige Minuten später mit unserem Löschfahrzeug in die rückwärtige Straße einbogen, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. In etwa 100 Metern Entfernung bedeckte Schaum meterhoch die ganze Straßenbreite. Das war unser Löschschaum, in dem eine große Menge junger Menschen ausgelassen tanzte.“ Schaumparty mal anders.

Hebamme, Baggerfahrer und Reptilienfänger

Feuerwehrmänner sorgen aber nicht nur für „Disco-Stimmung“. Sie haben nämlich nicht einen, sondern tausend Berufe: So musste Meyer-Pyritz im Einsatz unter anderem schon als Hebamme, Holzfäller, Elektriker, Baggerfahrer und Reptilienfänger ran. Über zu wenig Abwechslung im Joballtag konnte er sich jedenfalls nicht beklagen.

Heute arbeitet Meyer-Pyritz übrigens als Buchautor in Ratingen. So ganz lässt ihn das Erlebte aber nie los: „Egal ob es um das Retten von Menschen und Tieren aus Gefahrensituationen ging, um das Löschen von Bränden, um das Bergen von Unfallopfern oder um das Schützen von Sachwerten vor Feuer und jeglicher Art von Katastrophen – ich habe praktisch alles erlebt, was es an Einsätzen zu erleben gibt. Gefährliches wie auch Skurriles, und oft bin ich dabei bis weit über meine eigenen Grenzen hinausgegangen“, sagt er. 

Trotz aller Anstrengungen und privaten Entbehrungen habe er den Job geliebt: „Feuerwehrmann zu sein ist mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung!“ Darin stimmt er mit Ex-Feuerwehrmann Wolfgang Ising überein, der ebenfalls ein berührendes Buch über sein Berufsleben geschrieben hat. (gs)

Martin Meyer-Pyritz: „112 Gründe, Feuerwehrmann zu sein“, Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,99 Euro.

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