Arbeitsrecht

Alkoholiker bleibt nach Rückfall im Betrieb

Wenn ein alkoholkranker Mitarbeiter einmal rückfällig wird, rechtfertigt das nicht ohne weiteres seine Kündigung. So muss der Arbeitgeber zunächst die Gesundheitsprognose prüfen. Das gilt auch, wenn der Beschäftigte gefährliche Jobs erledigt.

Alkoholkrank - Rückfall - Kündigung? Nicht in jedem Fall ist das zulässig. Der Arbeitgeber müsse zunächst prüfen, ob in Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschäftigten eine negative Prognose besteht, entschied das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (Az.: 15 Sa 911/12). Aus einer einmaligen Entgleisung dürfe nicht geschlussfolgert werden, dass der Mitarbeiter auch in der Zukunft wieder rückfällig werde, teilt die Rechtsanwaltskammer Oldenburg mit.

In dem Fall hatte ein alkoholkranker Betriebselektriker nach einer ambulanten Therapie einen Rückfall. Der Arbeitgeber kündigte ihm daraufhin. Die Begründung: Der Mitarbeiter habe wiederholt gezeigt, dass er vom Alkohol nicht loskomme. Außerdem sprächen betriebliche Belange gegen eine Weiterbeschäftigung, da der Elektriker unter anderem an 220-Volt-Anlagen arbeite. Selbst bei einer einmaligen Verfehlung könne es zu erheblichen Verletzungen des Mitarbeiters und anderer Beschäftigter kommen.

Das alles überzeugte die Richter nicht: Ein einziger erneuter Alkoholkonsum bei einem an Alkoholsucht leidenden Arbeitnehmer rechtfertige keine negative Prognose. Auch unter dem Gesichtspunkt der Eigen- und Fremdgefährdung war die Kündigung nach Ansicht des Gerichts ungerechtfertigt. Denn der Mitarbeiter habe am Arbeitsplatz keine alkoholbedingten Ausfallerscheinungen gezeigt (Az.: 15 Sa 911/12). (dpa)

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