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Mit den Älteren fit für die Zukunft

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Wirtschaftsexperten mahnen Firmen, stärker in ihre Mitarbeiter und deren Wissen zu investieren

Von CHRISTA EDER

München - "Das Thema Demografie stößt bei deutschen Unternehmen auf großes Interesse, aber sie packen es nicht an", sagte Robert Rosenbach, Manager von Human Capital Solutions bei Adecco. "Noch ist der Leidensdruck nicht groß genug, und kurzfristiges Denken steht nach wie vor im Vordergrund." Investitionen in die Ressource Mensch kosten Geld, und dafür seien Top Manager in der Regel nicht zugänglich. Forderungen wie lebenslanges Lernen durch ständige Weiter- und Fortbildung hielten die meisten für ein Luxusproblem. "Es ist nichts attraktiv, was den Profit nach unten zieht," so Rosenbach.

Diese Kurzsichtigkeit könnte sich aber schon bald rächen, wenn man den Warnungen von Wirtschaftsexperten glaubt. Denn ein Qualifikationsbedarf bestehe schon jetzt und zwar global. "Wir haben das Paradox der Gleichzeitigkeit. Hoher Bedarf an Fachkräften und gleichzeitige Arbeitslosigkeit", erklärte Klaus Schömann, Professor der Soziologie an der Internationalen Universität Bremen und verwies auf den Fachkräftemangel bei den Ingenieuren. Da fehle es auch an einer nachhaltigen Mitarbeiterentwicklung, sagt Rosenbach. "Für Leute ab 45 gibt es kaum noch Fortbildungen oder Jahresgespräche. Und es herrscht immer noch die Denke: mit 55 in den Ruhestand. Das können wir uns nicht mehr leisten." Das gelte auch für den einfachen Tätigkeitsbereich, der oft unterschätzt werde, ergänzt Schömann. Auch ein Lagerarbeiter müsse sich beispielsweise mit Dingen wie Buchhaltung und Finanzierungssteuerung beschäftigen.

Auf eine Kultur der Nachhaltigkeit bei der Mitarbeiterbildung aber auch bei der Mitarbeiterführung wies auch Edmund Phelps, der diesjährige Nobelpreisträger für Wirtschaft, hin. Gut ausgebildete Arbeitskräfte seien die Voraussetzung für Wirtschaftswachstum, sagte Phelps. Somit würden kurz angelegte Strategien zur Gewinnmaximierung und Investitionen in Technik künftig nicht mehr ausreichen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Humankapital rücke wieder in den Vordergund. Mitarbeiter würden rar und müssten gepflegt werden. So wurden bei VW 2003 gesundheitliche Präventionsmaßnahmen sogar im Tarifvertrag festgeschrieben.

Neue Märkte

Schon 2010 wird jeder dritte Deutsche mehr als 50 Jahre alt sein. Die wachsende Gruppe der Älteren wird aber nicht nur als Arbeitnehmer eine wirtschaftliche Rolle spielen, sondern auch als kaufkräftige Kundenzielgruppe. Die Nachfrage wird sich zugunsten dieser Klientel verschieben. Supermärkte, Fertighaushersteller, Versicherungsunternehmen, Reiseveranstalter gehen schon jetzt auf die Bedürfnisse der Generation 50 plus ein. Autohersteller überlegen, wie seniorengerechte Autos aussehen könnten.

Auch neue Wachstumsmärkte werden sich auftun und Branchen wie Pflegedienste, Pharmaindustrie, Medizinindustrie, Banken und Versicherungen werden von Senioren als Kunden profitieren.

Für den Arbeitskräftemarkt gilt, die soziale Komponente und das Know-how zu nutzen. "Wer glaubt, man könne Fachkräfte künftig einfach in Nachbarländern rekrutieren, der irrt", so Schömann. "Die haben das gleiche Problem." Das Vorbereiten der alten Generation müsse jetzt beginnen, ergänzte Rosenbach. "Dazu gehört auch ,lernentwöhnte' Mitarbeiter, die seit Jahren immer dasselbe gemacht haben dazu zu bringen, lernbereit zu werden." Der nächste Schritt sei, für eine positive Mitarbeiterbindung zu sorgen. Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, arbeiteten effizienter und motivierter.

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