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Süßstoff als Gesundheitsgefahr? Neue Studie alarmiert

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Von: Alina Schröder

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Süßstoff gehört für viele Menschen in ihren Kaffee. Allerdings kann er der Gesundheit enorm schaden.
Süßstoff gehört für viele Menschen in ihren Kaffee. Allerdings kann er der Gesundheit enorm schaden. © Imago

Viele Lebensmittel enthalten Süßstoffe. Als Alternative für Zucker sind diese besonders beliebt, laut Studien aber auch schädlich. Doch das Thema ist umstritten.

Frankfurt/Tel Aviv – Zucker ist schädlich für die Gesundheit, das bekommen schon Kinder von ihren Eltern beigebracht. Um die Auswirkungen wie Karies, Diabetes oder Fettleibigkeit zu umgehen, greifen daher viele Menschen zu Produkten mit Süßstoffen. Doch sind solche Süßungsmittel auch unbedenklich?

Saccharin, Sucralose, Aspartam und Stevia sind die wohl bekanntesten Süßstoffe, die sich in zahlreichen Lebensmitteln wiederfinden – besonders in „Light“-Produkten. Diese haben im Gegensatz zu Zucker kaum Kalorien und verleihen dem Nahrungsmittel trotz allem eine starke Süße. Zudem heißt es, dass diese Süßstoffe keinerlei Folgen auf den Blutzuckerspiegel (Glukose) hätten. Laut Ergebnissen einer Studie scheint das ein Irrtum zu sein.

SüßstoffSüßkraft im Vergleich mit Zucker
Saccharin550-mal höher
Sucralose500- bis 600-mal höher
Stevia200- bis 300-mal höher
Aspartam200-mal höher
Quelle: Bundeszentrum für Ernährung

Süßstoff in Lebensmitteln: Die Folgen für Blutzuckerspiegel und Darm

Forschende untersuchten im Rahmen der Studie, welche Auswirkungen der Konsum von Süßstoffen auf wichtige Prozesse im Darm und auf den Stoffwechsel hat. 120 Erwachsene konsumierten dafür zwei Wochen lang dreimal täglich die Stoffe Saccharin, Sucralose, Aspartam und Stevia. Dabei lag die Gesamtmenge nach Angaben der Fachleute noch unter der empfohlenen Tagesdosis. In zwei Kontrollgruppen erhielten die Teilnehmenden den Zucker Glukose, der in Lebensmitteln natürlich vorkommt.

Laut der Studie sind bereits in den zwei Wochen erhebliche Veränderungen bei den Probanden aufgefallen. Beispielsweise manipulierte jedes der genannten Süßstoffe die Zusammensetzung und Funktion des sogenannten Mikrobioms im Darm. Dabei handelt es sich um eine Zusammensetzung von verschiedensten Mikroorganismen, die im Darm dabei helfen, Nahrung zu zersetzen und die die Verdauung somit fördern.

Darüber habe sich die Glukosetoleranz der Teilnehmenden verschlechtert, was wiederum zur Folge gehabt habe, dass sich die Blutzuckerwerte erhöhten. Dafür verantwortlich seien hauptsächlich die Süßstoffe Saccharin und Sucralose gewesen. Langfristig kann dies zu Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes mellitus, führen. Bei Diabetes mellitus liegt eine Störung des Blutzuckerstoffwechsels vor, weshalb dieser ungewöhnlich hoch ist. Darüber informiert das Gesundheitsportal MSD Manual. In der Kontrollgruppe, in der die Probanden ausschließlich Glukose zu sich nahmen, seien hingegen keine Veränderungen festgestellt worden, weder in wichtigen Darmprozessen, noch bei der Glukoseverträglichkeit.

Studien entlarven Süßstoff-Mythos: Ist die Zucker-Alternative schädlich für die Gesundheit?

„Unsere Studie hat gezeigt, dass nicht nahrhafte Süßstoffe die Glukosereaktionen beeinträchtigen können, indem sie unser Mikrobiom verändern, und zwar auf höchst personalisierte Weise“, sagte Eran Elinav, einer der leitenden Forschenden der Studie in einer Pressemitteilung.

Eine Studie aus England an der Anglia Ruskin University fand zudem heraus, dass gewisse Süßstoffe im schlimmsten Fall sogar die Darmwände zerstören können. Besonders Saccharin, Sucralose und Aspartam, die vorrangig in „Light“-Produkten von Softdrinks vorkommen, seien dafür verantwortlich, dass schlechte Bakterien im Darm gebildet werden. Diese scheiden laut der Studie Giftstoffe aus, können in Zellen der Darmwand eindringen und sie abtöten. Jedoch handelt es sich hierbei um eine In-Vitro-Studie – das bedeutet, dass die Versuche mit Bakterien in Reagenzgläsern und somit außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt wurden.

Eine Studie der Purdue University in Indiana (USA) zeigt unter anderem, wie Süßstoffe zu Fettleibigkeit führen können. Fachleute erkannten demnach, dass die Bauchspeicheldrüse Insulin ausschüttet, sobald die Geschmacksnerven mit Süße in Berührung kommen. Der Körper wird durch die kalorienarmen Süßstoffe daher getäuscht und bekommt das Signal „Hunger“. Gleich mehrere Studien, darunter eine aus den USA, widersprechen dieser These. Ergebnissen zufolge haben Süßstoffe keinen Einfluss auf Blutzucker- und Insulinspiegel und könnten daher auch nicht den Appetit anregen.

Studien zu Süßstoffen widersprechen sich – Fehlende Beweislage

Die Studienlage über die Auswirkungen von Süßstoffen auf Darmaktivitäten und das Mikrobiom ist jedoch nicht eindeutig. Eine Studie aus dem Jahr 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass der Konsum der genannten Süßstoffe keine Veränderungen in der Darmmikrobiota zur Folge hatten. Untersucht wurde dies laut dem Studienbericht sowohl an Menschen als auch an Mäusen. „In einigen wenigen Studien mit Saccharin an Nagetieren wurden Veränderungen des Darmmikrobioms festgestellt, allerdings hauptsächlich bei hohen Dosen, die für den menschlichen Verzehr nicht relevant sind“, heißt es in einem Abstrakt der Studie. Eindeutige Beweise, dass Süßstoffe einen Einfluss auf das Darmmikrobiom haben, gebe es demnach nicht.

Der Süßstoff-Verband äußert ebenfalls Kritik an den Ergebnissen der israelischen Studie: „Was die Aussagekraft der Studienergebnisse einschränkt, ist, dass an der Studie ausschließlich gesunde Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren teilnahmen, die zuvor ein halbes Jahr lang keinerlei süßstoffgesüßte Produkte verzehrt hatten“, schreibt der Verband in einer offiziellen Stellungnahme.

Darüber hinaus hätten zwar 120 Personen teilgenommen, allerdings nur 20 Probanden pro Gruppe. „Die Autoren der Studie räumen zudem ein, dass das Plasma-Insulin nicht unter Nüchternbedingungen gemessen wurde und damit die Interpretation der Ergebnisse eingeschränkt sei“, heißt es weiter. Tatsächlich gibt es auch Studien, die den Ergebnissen der israelischen Arbeit widersprechen.(asc)

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