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Hilfe bei Wetterfühligkeit

Wenn der Wetterumschwung zum Problem wird

Temperaturstürze um 15 Grad sind gerade im Spätsommer keine Seltenheit. Diese Wetterkapriolen verursachen bei vielen Menschen Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme oder Depressionen – bei chronisch Kranken können sie sogar zu Schlaganfällen führen. Auch Immobilienbesitzer sollten gewarnt sein, denn solche Wetterumschwünge führen oft zu Stürmen, Starkregen und Hagel. Was Betroffene wissen müssen!

Eben lag man noch am Badesee, genoss eine Brotzeit im Biergarten oder suchte Abkühlung im heimischen Garten. Plötzlich kommt der herbstliche Wetterumschwung und die Temperatur sackt schneller ab, als die eingemottete Winterjacke gefunden ist. Wetterkapriolen machen vielen Menschen zu schaffen, die Folgen sind Müdigkeit, Reizbarkeit, Unkonzentriertheit und Depressionen, aber auch Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Gelenkschmerzen oder ziehende Narben. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen macht uns der Luftdruck zu schaffen, der sich je nach Wetter stark ändert. Darunter leiden besonders chronisch Kranke Menschen. Deutsche Forscher fanden heraus, dass das Risiko für einen Schlaganfall für gefährdete Menschen mit krankhaft engen Blutgefäßen oder Diabetiker oder nach einem Temperatursturz um das Fünffache steigt. Ein weiterer Grund für die Beschwerden: Unser Organismus versucht, unsere Körpertemperatur immer konstant auf 37 Grad zu halten. Wir nehmen das allerdings meistens nur wahr, wenn wir schwitzen oder frieren. Je stärker also das Wetter schwankt, desto mehr ist unser Organismus gefordert – das kostet Energie. Manche Forscher glauben auch, dass das Gehirn je nach Wetter Schmerzsignale unterschiedlich stark bewertet.

Laut einer Studie der Münchner Universitätsklinik und des Instituts für Demoskopie Allensbach bezeichnen sich 54 Prozent aller Deutschen als wetterfühlig. Wie der Deutschen Wetterdienst (DWD) herausfand, sind 57 der Frauen und 42 der Prozent Männer betroffen – vor allem im höheren Alter. Forscher der Medizin-Meteorologie glauben, die Wetterfühligkeit diene als lebenserhaltender Schutzreflex, um Menschen und übrigens auch Tiere bei Wetterwechseln rechtzeitig zu warnen. Doch manche Wissenschaftler haben auch Zweifel an den Ergebnissen. Sie glauben, weniger das Wetter, sondern die persönliche Verfassung beeinflusse das Wohlbefinden. Tatsächlich gibt es zwar viele Studien zum Thema Wetterfühligkeit, viele sind aber methodisch mangelhaft, widersprüchlich oder zufällig. Der Atmosphärenphysiker Hans Richner von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat 40 Jahre lang die Wetterfühligkeit erforscht – ohne einen Beleg für Wetterfühligkeit zu finden. Keine Frage, für die Betroffenen sind die Beschwerden real. Er glaubt, die Ursache dafür sei der sogenannte Nocebo-Effekt: Allein der Glaube, dass eine bestimmte Wetterlage Beschwerden auslöst, führt am Ende auch zu einem tatsächlichen Auftreten dieser Beschwerden.

Betroffene sollten in jedem Fall Präventivmaßnahmen ergreifen, also noch bevor die Beschwerden beginnen. Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen fördern das allgemeine Wohlbefinden. Das ist wichtig, da sich seelisches und körperliches Gleichgewicht auf das Wetterempfinden auswirkt. Regelmäßige Wechselduschen, Saunagänge oder Kneippanwendungen härten den Körper gegen Temperaturschwankungen ab. Ratsam sind außerdem regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft – möglichst bei jedem Wetter. So kann der Körper besser auf Wetterreize reagieren. Auch viel trinken hilft, den Blutkreislauf zu unterstützen und so niedrigem Blutdruck oder Schwindel entgegenzuwirken. Wer sich durch die Wetterfühligkeit stark belastet fühlt, sollte das Gespräch mit dem Hausarzt oder der Hausärztin suchen. Hilfreich ist es, bereits vor dem Besuch ein Gesundheitstagebuch zu führen, um herauszufinden, welches Wetter besonders belastend ist. Eine ausgeglichene und abwechslungsreiche Ernährung ist natürlich auch von Vorteil: Übergewicht fördert die Wetterbeschwerden. Schädlich sind Alkohol, Nikotin und Medikamente, da diese einen Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben. Dieses ist bei Wetterfühligen besonders leicht reizbar.

Wichtig für Wetterfühlige ist auch, im Herbst nicht die Heizung und im Sommer nicht die Klimaanlage immer auf die Höchststufe zu drehen. „Die Annehmlichkeiten der Zivilisation nehmen unserem Körper die Übungsmöglichkeiten für die Reaktion auf Wärme und Kälte, bei der die Blutgefäße weit und eng gestellt werden müssen“, erklärt Ursula Marschall, Leiterin der Abteilung Medizin und Versorgungsforschung der Barmer Krankenversicherung, in der Wirtschaftswoche. Um den Körper auch in der Wohnung verschiedenen Reizen auszusetzen, sollten Wetterfühlige regelmäßig lüften. Wohnungs- oder Hausbesitzer können auch darüber nachdenken, sogenannte wetterfühlige Fassaden zu installieren. Sie enthalten Salzhydrat, das abhängig von der Temperatur schmilzt beziehungsweise gefriert und die gespeicherte Wärme zeitverzögert an den Innenraum abgibt. Da es bei Wetterumschwüngen oft zu Sturm, Hagel und Starkregen kommt, sollten Immobilienbesitzer – ob wetterfühlig oder nicht – in dieser Zeit generell immer sehr wachsam sein. Sonst kann es zu Schäden an der Sonnenmarkisen, Fenstern oder sogar dem Dach kommen. Mehrere Klimastudien prognostizieren, dass sich durch den Klimawandel die Zahl der starken Stürme und extremen Überschwemmungen in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln wird. Wenn durch herabfallende Ziegel parkende Autos oder gar Passanten zu Schaden kommen, können Hausbesitzer dafür haftbar gemacht werden.

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