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Wenn Silvester in der Augenklinik endet

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Von: Pamela Dörhöfer

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Feuerwerkskörper führen häufig zu Augenverletzungen.
Feuerwerkskörper führen häufig zu Augenverletzungen. © imago

Eine Umfrage zu Verletzungen durch Feuerwerk zeigt, dass vor allem Kinder und junge Erwachsene gefährdet sind. Oft trifft es unbeteiligte Zuschauer.

Alle Jahreswechsel wieder verletzen sich in Deutschland Menschen durch Silvesterraketen und Böller. Wie eine aktuelle Erhebung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaften an deutschen Augenkliniken ergeben hat, sind davon vor allem Kinder und junge Erwachsene bis 25 betroffen – und das, obwohl sie die Knallkörper oft gar nicht selbst gezündet hatten. Die Mitglieder der Fachgesellschaft für Augenheilkunde mahnen deshalb mehr Schutzmaßnahmen und eine bessere Aufklärung über die von diesen Artikeln ausgehenden Gefahren an.

 Das International Council of Ophthalmology fordert wegen der Risiken fürs Auge sogar ein Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern an Privatpersonen. In Ländern mit restriktiven Feuerwerks-Gesetzen gebe 90 Prozent weniger Augenverletzungen.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft hat bei einer Umfrage zum Jahreswechsel 2016/2017 das Ausmaß von Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper untersucht. Die Experten erhielten von 41 Augenkliniken Meldung über 350 Menschen, die sich an Silvester am Auge verletzt hatten. Ein Drittel waren Kinder und Jugendliche, nur die Hälfte hatte die Feuerwerkskörper selbst gezündet, sagt Hansjürgen Agostini von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Ein Drittel der Unfalloper hatte sich zusätzlich im Gesicht und an den Händen verletzt.

Feuerwerkskörper können Augen auf verschiedene Weise schädigen. So können Schmauchpartikel zu Einsprengungsverletzungen führen, erklärt Petra Meier, stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig. Bei Einsprengungsverletzungen verteilt sich ein Gemisch aus Schwarzpulver, Rußpartikeln und Metallteilchen „Tattoo-artig“ in und um das Auge, die aufwendig einzeln ausgehebelt werden müssen. 

Auch sehr gefährlich seien Verbrennungen und Prellungen durch die hohe kinetische Energie, wenn eine Rakete das Auge trifft: „Und das in Kombination kann für den Betroffenen desaströse Auswirkungen haben“, sagt Petra Meier. Die Folgen könnten im schlimmsten Fall der Verlust der Sehkraft oder auch der Totalverlust des Auges sein.

Doch selbst wenn es nicht so schlimm komme, müsse man damit rechnen, dass das verletzte Auge nur noch eingeschränkt funktioniere, sagt die Ärztin. Auch die sozialen Folgen – etwa für den Beruf – könnten einschneidend sein.

Prellungen und Risse im Augapfel

Nach der Erhebung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft aus 2016/2017 konnten drei Viertel der Patienten ambulant behandelt werden, sie hatten Verletzungen am Augenlid sowie an Horn- und Bindehaut. Jeder vierte Betroffene jedoch erlitt eine schwere Verletzung, die stationär oder in einer Notoperation behandelt werden musste. Unter anderem waren das Prellungen oder Risse im Augapfel, oft kombiniert mit Lid- und Oberflächenverletzungen. Bei jedem zehnten Patienten erwarten die Ärzte als Folge einen Sehverlust. Als „dramatisch bezeichnet Ameli Gabel-Pfister vom Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam zudem das „hohe Risiko, als unbeteiligter Zuschauer oder Passant getroffen zu werden“.

Für Silvester 2017 plant die Fachgesellschaft eine weitere Umfrage, um ihre Ergebnisse vom vergangenen Jahr zu untermauern. „Mit dieser Experten wollen wir der Diskussion um ein Verkaufsverbot für Feuerwerks-und Knallkörper an Privatpersonen eine statistische Basis geben“, sagt Amelia Gabel-Pfister. Bis dahin sollte, wer nicht auf das Feuerwerksspektakel verzichten möchte, „zur eigenen Sicherheit eine Schutzbrille tragen“, sagt Hansjürgen Agostini. „Besser wäre es jedoch“, erklärt der Augenarzt, „die Feuerwerkskörper den Händen von ausgebildeten Profis zu überlassen.“

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