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Viele Männer lassen sich erst untersuchen, wenn sie schon richtig krank sind.

Bloß keine Vorsorge

Warum gehen Männer so ungern zum Arzt?

Sie leben ungesünder, achten weniger auf ihre Ernährung – trotzdem gehen Männer viel seltener zum Arzt als Frauen. Doch woran liegt das bloß?

Vorsorge-Termine können sie nicht leiden und auf den eigenen Körper hören sie meist erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Aber warum sind Männer eigentlich solche Arzt-Muffel? Experten haben das Phänomen genauer beleuchtet.

Der Körper ist ja eigentlich auch nur ein Werkzeug

Sie rauchen mehr, trinken öfter Alkohol – nur zum Doktor zieht es das starke Geschlecht viel seltener als Frauen. Nein, das ist nicht nur die Vermutung so mancher besorgter Ehefrau. Das haben sogar Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)ergeben.

„Männer sehen ihren Körper als Werkzeug“, weiß Theodor Klotz, Chefarzt der Klinik für Urologie in Weiden in der Oberpfalz. „Erst wenn ihnen etwas auffällt oder wirklich wehtut, gehen sie zum Arzt.“
Dabei reichen regelmäßige Arztbesuche ohnehin längst nicht aus, um ein gesundes Leben zu führen. Mindestens genau so wichtig: Die richtige Frau an der Seite des Mannes.

Spätestens ab dem 40. Lebensjahr konzentrieren sich Männer stark auf ihr soziales Umfeld und auf eine funktionierende Partnerschaft. „Frauen kommen ganz gut alleine zurecht“, sagt Klotz.

Doch genau davon ist so mancher Mann weit entfernt. Klotz: „Männer achten dann ganz anders auf ihre Ernährung und auf ausreichend Bewegung. Deswegen ist eine stabile und glückliche Beziehung vor allem im Alter sehr wichtig.“

Die richtige Frau verlängert sogar die Lebenserwartung

Eine Studie des Robert Koch-Instituts deckte auf, dass gebundene Männer durchschnittlich zwei Jahre länger leben als Single-Männer. „Es ist nun mal so, dass Frauen häufig die Rolle des Gesundheitsmanagers übernehmen“, erklärt Diplom-Psychologe Thomas Altgeld. Sie kümmern sich oft darum, wann die nächsten Arzttermine anstehen oder welche Impfung als nächstes fällig ist.

Aber was können die Herren der Schöpfung aus eigener Kraft für ihr körperliches Wohlbefinden tun? Einiges! So sollte sich jeder Mann die Fragen stellen: Wie ist eine gesunde Ernährung trotz Fulltime-Job möglich? Was kann man zum Stressabbau tun, und wie kann ich mehr Bewegung in den Alltag bringen? „So werden die Themen Gesundheit und Prävention gleich viel alltäglicher und greifbarer“, sagt Monika Köster von der BZgA.

Auch hier sind gebundene Männer im Vorteil: Ist die Ernährung während der Arbeitszeit eher eintönig, kann man sich für das Wochenende vornehmen, mit der Liebsten gesund zu kochen. Spaziergänge, Radtouren oder eine Runde Federball – macht alleine ja auch viel weniger Spaß.

Ohne Bewegung geht's nicht

Bewegung ist wichtig, um Krankheiten vorzubeugen - aber auch bei schon bestehenden Problemen, lässt sich mit Bewegung etwas erreichen. „Bei Diabetes mellitus Typ 2 beispielsweise können die Blutzuckerwerte sinken“, erzählt die Expertin. Männer leiden übrigens häufiger an Diabetes als Frauen. „Das liegt aber nicht nur an den Männern, sondern auch an bestimmten Stereotypen, die ein Mann erfüllen muss“, glaubt Thomas Altgeld. „Wenn beim Essen mit der Familie etwas übrig bleibt, bekommt es der Mann hingeschoben, um es aufzuessen. Außerdem bekommen die meisten Männer sowieso schon größere Portionen als die anderen.“
Kann der Mann von alleine also gar nicht raus aus seiner Haut? „Männer brauchen ein Ziel, um Veränderungen einzugehen“, sagt Chefarzt Theodor Klotz. Für Männer sei es sehr wichtig, dass die Herzensdame durchblicken lässt, dass sie noch lange glücklich und gesund mit ihm zusammenleben will. „Das könnte schon genug Motivation für einen Mann sein, mehr auf sich zu achten und auch öfters zur medizinischen Vorsorge zu gehen.“

(jto)

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