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Auch wenn nicht immer ein Verfallsdatum angegeben ist, Kosmetikprodukte wie Make-up sind nicht unbegrenzt haltbar.

Haltbarkeit

Wann man Kosmetik entsorgen sollte

Vermutlich stecken in jedem Schminktäschchen Kosmetikartikel, die eigentlich entsorgt werden sollten. Auch wenn oft kein Verfallsdatum draufsteht, unbegrenzt haltbar sind Make-up-Produkte nicht. Und alte Cremes und Make-ups können regelrechte Bakterienschleudern sein.

Von Maria Müller

Manche Schminkprodukte finden einfach nicht den Weg in den Mülleimer: Die Ersatz-Wimperntusche in der Handtasche, der knallige Lippenstift vom vorletzten Silvester oder die teure, anderthalb Jahre alte Gesichtscreme, die man nur sparsam verwenden will. Tatsächlich haben nahezu alle Kosmetika ein Ablaufdatum – auch wenn auf der Verpackung oft keines angegeben ist. Verwendet man ein Produkt über dessen Haltbarkeit hinaus, kann das auf der Haut unangenehme Irritationen auslösen und sogar Krebs begünstigen.

Vorsicht bei wasserhaltigen Produkten

Ungeöffnet müssen Kosmetika laut Gesetz mindestens 30 Monate haltbar sein. Einmal geöffnet, verkürzt sich diese Haltbarkeit jedoch enorm: „In der Regel halten Kosmetika nach dem ersten Öffnen nur noch etwa sechs Monate“, sagt Dr. Wolfgang Klee, Dermatologe aus Mainz. Grundsätzlich solle man vor allem bei wasserhaltigen Produkten – also etwa Gesichtscreme, Wimperntusche oder flüssigem Eyeliner – aufpassen, da diese besonders schnell verderben.

Q-Tip und Spatel statt Finger benutzen

Ein Grund für das schnelle Verderben von wasserhaltigen Kosmetika sind Keime, die sich an den Händen und in der Luft befinden. Deshalb sollte man die Creme-Tiegel und Make-up-Fläschchen immer geschlossen halten und vor allem nicht die Finger hinein stecken. „Die Hauptursache für verdorbenes Make-up sind Bakterien, die sich in den Erzeugnissen ablegen und dort vermehren“, sagt Klee.

Diese Produkte dann weiter zu benutzen, ist natürlich alles andere als gesund: Einmal auf die Haut aufgetragen, können sie Rötungen, Pickel und Entzündungen bis hin zu eitrigen Pusteln verursachen. Um das zu vermeiden empfiehlt Klee, einen Spatel oder Q-Tip zu benutzen, oder zumindest vor dem Gebrauch gründlich die Hände zu waschen.

Schimmelpilzbefall besonders gefährlich

Doch Make-up verdirbt nicht nur aufgrund von Keimen. Kosmetika, vor allem solche ohne Wassergehalt, können von Schimmelpilzen befallen werden. „Steht beispielsweise ein Puder offen im Bad, kann es unter Umständen durch Wasserdampf aus der Dusche feucht werden und dann zu schimmeln beginnen. Wer dieses Puder dann noch benutzt, riskiert nicht nur Reizungen, sondern im schlimmsten Fall sogar Hautkrebs“, warnt Klee. Es ist also außerdem wichtig, trockene Kosmetikprodukte wie Puder oder Lidschatten gut zu verschließen und im besten Fall in einem Schminkbeutel mit Reißverschluss aufzubewahren.

Datums-Aufkleber helfen, den Überblick zu behalten

Um sich selbst einen Überblick über alle angebrochenen Utensilien zu verschaffen, empfiehlt Dermatologe Klee, alle Schminksachen und Cremes mit kleinen Datums-Aufklebern zu versehen. So kann man leicht nachvollziehen, wie lange das Produkt schon offen ist – und ob es gegebenenfalls bereits in den Müll gehört.

Grundsätzlich gilt: Das Make-up muss möglichst vor Luft, Licht und Wärme geschützt werden, weil diese Faktoren die Bildung von Bakterien und Schimmel begünstigen und so die Haltbarkeit verkürzen.

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Wimperntusche

Laut Stiftung Warentest sollte bei Mascara nach einem halben Jahr Schluss sein mit dem Tuschen. Schlechter Geruch oder eine krümelige Konsistenz sind ein deutlicher Warnhinweis – außerdem trocknet Mascara aus und lässt sich mit zunehmendem Alter auch oft schwieriger aufzutragen.

Lidschatten

Pudriger Lidschatten ohne Wassergehalt hält bei richtiger Anwendung recht lange – vorausgesetzt, er wird nicht feucht und schimmelt. Das ist bei Lidschatten besonders gefährlich, da er nah am Auge aufgetragen wird und so nicht nur die Haut, sondern auch die Augen stark gereizt werden können. Die Empfehlung lautet, sich nach zwei Jahren von übriggebliebenem Lidschatten zu trennen.

Lippenstift

Egal ob rosa, rot, lila oder blau: Lippenstifte sind nicht ewig haltbar. Laut Stiftung Warentest sogar nur etwa zwei Jahre. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass man seine Lippen nicht mehr mit dem farbigen Fettstift anmalen sollte, ist ranziger Geruch oder eine Veränderung in der Textur: etwa, wenn es beim Auftragen krümelt. Spätestens dann ist es Zeit, den Stift aus seinem Schminksortiment zu werfen.

Die Lippenfarbe bleibt tendenziell länger frisch, wenn man sie weder zu viel Licht noch extremer Hitze aussetzt. In der prallen Sonne liegen ist für den Stift also tabu.

Feuchtigkeitscreme und Körperlotion

Von Gesichtscremes und Körperlotionen sollte man sich nach etwa einem Jahr trennen. Spätestens sollten die feuchtigkeitsspendenden Produkte jedoch in den Müll wandern, wenn eine Phasentrennung stattgefunden hat: Das erkennt man daran, dass oben auf der Creme Wasser schwimmt. „Damit die Phasentrennung nicht zu schnell nach dem Öffnen geschieht, sollte man lieber Tuben statt Tiegel kaufen – so gelangen Fingerkeime weniger wahrscheinlich in die Creme hinein. Wenn es aber unbedingt ein Döschen sein soll: Spaten oder Q-Tip benutzen!“, meint Dermatologe Wolfgang Klee.

Flüssiges Make-up

Die Regel der Phasentrennung gilt ebenso für flüssiges Make-up. Schwimmt Wasser auf der getönten Creme, muss sie entsorgt werden. Besonders lange hält Make-up in einem Pumpspender – der verhindert eine zu schnelle Verunreinigung der Make-up-Flüssigkeit. Damit die Haut nicht angegriffen wird, sollte man sich vor dem Auftragen allerdings gründlich die Hände waschen oder ein Schwämmchen benutzen. Dieses muss jedoch regelmäßig ausgetauscht werden, weil sich auf der Haut befindliche Bakterien im Schwämmchen vermehren und beim nächsten Auftragen in die Poren gelangen können.

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