Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vitamin D: Ob der Nährstoff eine Corona-Infektion beeinflusst, ist unklar. (Symbolbild)
+
Vitamin D: Ob der Nährstoff eine Corona-Infektion beeinflusst, ist unklar. (Symbolbild)

Studien

Verwirrung um Vitamin D – Hilft es gegen Corona?

  • Sebastian Richter
    VonSebastian Richter
    schließen

Widersprüchliche Studienlage und gegensätzliche Meldungen – ob Vitamin D gegen Corona hilft oder vor einem schweren Verlauf schützt, ist umstritten.

Frankfurt – Um Vitamin D ranken sich ohnehin viele Mythen. Es verbreitet sich die Aussage, Vitamin D schütze vor einer Corona-Infektion oder verhindere zumindest einen schweren Verlauf einer Erkrankung. Bewiesen ist diese Theorie nicht, auch wenn es einige Studien dazu gibt.

Grundsätzlich sind gesunde Menschen weniger von schweren Corona-Verläufen betroffen. Auch die Todesraten sinken, je gesünder man ist. Zu einem gesunden Leben gehört natürlich auch ein ausgeglichener Vitamin-Spiegel. Gerade Vitamin D ist wichtig für ein gesundes und funktionales Immunsystem. Aber gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Corona?

Bundesinsitiut für Risikobewertung nennt Hinweise auf positiven Verlauf nach Corona-Erkrankung

Nachdem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zunächst keinen Zusammenhang zwischen Corona-Infektionen, Covid-19-Verläufen und Vitamin-D-Mangel feststellte, ruderten sie vor einer Woche zurück. „Einige Beobachtungsstudien und Interventionsstudien weisen darauf hin, dass sich die Einnahme von Vitamin D-Präparaten positiv auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung auswirken kann“, so das BfR.

Gleichzeitig verweist das Institut auf die „unsichere Datenlage“. Die Empfehlung des BfR ist allgemein gefasst: „Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln kann vor allem für Menschen sinnvoll sein, die einer Risikogruppe für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung angehören.“ Eine Empfehlung für Vitamin-D-Präparate zur Vorbeugung einer Corona-Infektion wird nicht gegeben, da die derzeitige Studienlage keine Begründung dafür liefere. Und die Studienlage ist (noch) unübersichtlich.

Die Studienlage zu Vitamin D und Corona – ein unvollständiger Überblick

So stellte eine Studie von der Universität Cantabria in Santander Ende Oktober fest, dass 80 Prozent der Corona-Patienten eines Krankenhauses einen Vitamin-D-Mangel hatten. Allerdings wurden nur 216 Patienten untersucht. Eine ähnliche Analyse von der Universität Chicago Anfang September untersuchte 489 Patienten – kam aber nur auf einen Anteil der Corona-Patienten mit Vitamin-D-Mangel von 21 Prozent.

Zu beachten ist dabei, dass nach Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland mit Vitamin D unterversorgt ist. Die Zahlen geben also – auch im Zusammenhang der relativ kleinen untersuchten Personengruppen – keinen ausschlaggebenden Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Corona und dem Vitamin-D-Haushalt.

Corona bei Vitamin D-Mangel: Begleiterscheinungen der Unterversorgung erhöhen Gefährlichkeit

Zudem hat ein Vitamin-D-Mangel viele verschiedene Auswirkungen auf den Körper. Die Universität Hohenheim in Stuttgart begründete in einer Studie von August 2020 eine mögliche erhöhte Sterblichkeit nicht durch den Vitamin-D-Mangel selbst, sondern die damit einhergehenden Erkrankungen. „Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass verschiedene nicht übertragbare Krankheiten (Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolisches Syndrom) mit niedrigen Vitamin-D-Plasmaspiegeln assoziiert sind. Diese Komorbiditäten, zusammen mit dem oft begleitenden Vitamin-D-Mangel, erhöhen das Risiko schwerer COVID-19-Ereignisse“, heißt es in der Studie.

Unterstrichen wird das durch eine riesige Datensammlung der Universität Wien aus dem September 2020. Das Forschungsteam zeigt dabei einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mangel an Vitamin D und einer erhöhten generellen Sterblichkeit – vor allem bei jüngeren Menschen und Menschen mittleren Alters. 80.000 Patienten wurden über insgesamt 20 Jahre nachverfolgt. Die Forschenden kommen zu dem Schluss: Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut kann zu einem zwei- bis dreifachen Anstieg des Todesrisikos führen.

Studie aus Bristol weist Wirkung von Vitaminen gegen Corona nach – jedenfalls theoretisch

Klinische Studien sehen trotzdem einen möglichen Zusammenhang, jedenfalls bei Laborversuchen. So veröffentlichte ein Team von der Universität Bristol im Januar 2021 eine Studie, die positive Effekte durch Vitamin D und andere Nährstoffe verspricht. Teile der untersuchten Nährstoffe hefteten sich an das Spike-Protein des Coronavirus, wodurch es nicht mehr so gut an die Rezeptoren der Oberfläche docken könne.

Daraus ergebe sich ein erschwertes Eindringen des Virus und eine herabgesetzte Infektiosität, so die Studie. Die daraus gezogenen Schlüsse der Universität Bristol, dass Vitamin D gegen Corona hilft, müssen allerdings noch in klinischen Studien überprüft werden. Bisher handelt es sich dabei nur um Theorien.

Studie der Universität Edinburgh: Sonne hat Einfluss auf Corona-Verlauf – aber nicht wegen VItamin D

Ein Forscherteam von der Universität Edinburgh beschäftigte sich mit Statistiken, laut denen es in Regionen mit vielen Sonnenstunden zu weniger Corona-Todesfälle kommt. In der im April 2021 veröffentlichten Studie verglichen die Forschenden Regionen in den USA, England und Italien. Sie kamen zwar zu dem Ergebnis, dass eine hohe Sonneneinstrahlung zu einer geringeren Corona-Sterblichkeit führe, allerdings schlossen sie den Vitamin-D-Spiegel als Grund dafür aus.

Denn in der Studie wurden ausschließlich Gebiete betrachtet, in denen die nötige UV-Strahlung für eine signifikante Vitamin-D-Synthese kaum erreicht werde. Stattdessen erhöhe sich durch mehr Sonneneinstrahlung die Freisetzung von Stickstoffmonoxid im Körper, das Coronavirus breitet sich in diesem Stoff schlechter aus, wie Laborstudien gezeigt haben. Zudem steht eine vermehrte Sonnenlichtexposition mit einem niedrigeren Blutdruck und einem geringerem Herzinfarktsrisiko in Verbindung – beides Faktoren, die zu einem schweren Covid-19-Verlauf führen können.

Großangelegte Corona-Studie aus den USA zieht zahlreiche Faktoren hinzu

Laut einer neuen Studie aus den USA ist ein niedriger Vitamin-D-Spiegel kein größerer Risikofaktor für eine Infektion mit Corona. Zwar gebe es eine Korrelation zwischen Vitamin-D-Mangel und einer Corona-Infektion, allerdings gibt es keinen Zusammenhang, wenn man Faktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnizität, Body-Mass-Index, Blutdruck, Raucherstatus und Wohnort hinzuzieht. Für Menschen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel besteht also kein höheres Risiko einer Ansteckung mit Corona, als bei optimal versorgten.

Daten von über 18.000 Menschen zwischen 37 und 56 Jahren wurden in die Studie einbezogen. Das Besondere neben der verhältnismäßig breiten Datenlage: Die Grundlage stammt von einem Mitarbeiter-Gesundheitsprogramm mit jährlichen Screenings aus den Jahren 2019 und 2020, also noch vor Beginn der Corona-Pandemie. Zwischen August und November 2020 wurde bei diesen Personen ein Antikörper-Test durchgeführt; bei etwa fünf Prozent der Probanden wurden Antikörper gegen Corona nachgewiesen.

Neue Studie aus den USA: Kein Zusammenhang zwischen Corona-Infektion und Vitamin D

Im Schnitt hatten hierbei die Betroffenen, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde, ein niedrigeres Vitamin-D-Level als die negativ getesteten. Unter Berücksichtigung anderer Faktoren mit merklichem Einfluss auf Corona-Risiken ergab sich dennoch kein signifikanter Zusammenhang. Zum Beispiel hatten deutlich übergewichtige Menschen, Männer und Frauen, die von Bluthochdruck betroffen sind, Raucher:innen und Proband:innen ohne Hochschulabschluss ohnehin durchschnittlich häufiger einen Vitamin-D-Mangel – und sind ohnehin Teil einer besonders von Corona gefährdeten Gruppe.

Die Studie von Quest Diagnostics ist eine der ersten, die die Risiken für eine Corona-Infektion durch Vitamin-D-Mangel mit anderen Risikofaktoren gemeinsam untersucht hat. Außerdem konnte das Vitaminlevel zu einem festen Zeitpunkt gemessen werden. Bei vielen anderen Studien lässt sich nach Aussage von Experten anhand des Messwertes nicht aussagen, ob ein möglicher Mangel nicht gar erst infolge einer Infektion entstand.

Eine Schwäche der Analyse sei nach Aussage der Autoren, dass sich nicht alle Corona-Infektionen über Antikörper nachweisen lassen, unter anderem, da diese nach einigen Monaten wieder verschwinden. Zudem bezieht die Studie keine Daten zur Schwere der Corona-Erkrankung mit ein.

Allgemeine Zufuhr von Vitamin D – Überversorgung kann schaden

Generell fördert Vitamin D ein funktionierendes Immunsystem. Experten empfehlen aber keine Nahrungsergänzungsmittel, regelmäßiges Sonnenbaden kann den Vitamin-D-Spiegel nachweislich genügend erhöhen, um das Immunsystem optimal zu schützen.

Die zusätzliche Zufuhr wird nur dann empfohlen, wenn ein Vitamin-D-Mangel nachgewiesen ist und gleichzeitig eine veränderte Ernährung und mehr Sonneneinstrahlung keine Verbesserung erzielen konnte. Denn eine Überversorgung mit Vitamin D kann unerwünschte Nebenwirkungen herbeiführen: Die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkungen sind dann möglich. Risikogruppen für einen solchen diagnostizierten Mangel sind ältere und sehr junge Menschen, zudem Personen, die aufgrund ihrer Lebensumstände nur wenig Sonne auf die Haut bekommen. (Sebastian Richter)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare