Buntstifte, Finger- und Wasserfarben mit Spuren von Blei dürfen in der Europäischen Union künftig nicht mehr verkauft werden.
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Buntstifte, Finger- und Wasserfarben mit Spuren von Blei dürfen in der Europäischen Union künftig nicht mehr verkauft werden.

Auch Ökotest warnt

EU verbietet bleihaltige Buntstifte und Wasserfarben

Buntstifte, Finger- und Wasserfarben mit Spuren von Blei dürfen in der Europäischen Union künftig nicht mehr verkauft werden. EU-Kreise bestätigten am Freitag die Senkung der Grenzwerte für das giftige Schwermetall.

Ziel der EU-Kommission ist, vor allem kleine Kinder unter drei Jahren vor Blei zu schützen, da sie oft an Spielzeug und Stiften lutschen. Die Kommission verweist auf Grenzwerte der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, wonach ein Kind nicht mehr als 0,5 Mikrogramm Blei pro Kilogramm Körpergewicht und Tag aufnehmen sollte.

Blei stammt aus natürlichen Mineralien

Der CSU-Abgeordnete Markus Ferber, der im Europaparlament mit dem Verfahren zu tun hatte, hält die neuen Grenzwerte für überzogen. Wie er bestätigte, dürfen Buntstifte nur noch zwei Milligramm Blei pro Kilogramm Spielmaterial enthalten statt bisher 13,5 Milligramm und Wasserfarben nur noch 0,5 statt 3,4 Milligramm. Das bisher in vielen Kinderfarben enthaltene Blei stamme aus natürlichen Mineralien und lasse sich chemisch nicht entfernen. Betroffen von dem Verbot seien vor allem helle Farbtöne, weil das Problem bei Weißpigmet auftrete. Später stellte die Kommission in einer Mitteilung klar: „Tatsächlich erfüllt der größte Teil der betroffenen Produkte bereits die notwendigen Grenzwerte für Blei, wie umfangreiche Tests in Deutschland und Schweden zeigen.“ Die jüngste Verschärfung der Grenzwerte für Blei in Spielzeug basiere auf aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die bestätigten, dass Blei gerade für Kinder giftiger sei, als man viele Jahre geglaubt habe, so die Mitteilung. 

Öko-Test: „Die strengeren Bleigrenzwerte der EU sind überfällig“

Kai Thomas von Öko-Test sieht das anders: „Die strengeren Bleigrenzwerte der EU sind überfällig. Die bisherigen Regelungen bieten keinen ausreichenden Schutz.“ Blei habe in Spielzeug grundsätzlich nichts zu suchen, so Thomas. „Das Schwermetall ist hochtoxisch und kann bei Kindern neurologische Entwicklungsstörungen verursachen.“

Die Experten von Ökotest untersuchen in ihrer Februar-Ausgabe 20 verschiedene Stift-Sets. Zwar wurden dabei keine Schwermetalle wie Blei nachgewiesen, jedoch fallen drei Viertel der getesteten Sets wegen krebserregenden und krebsverdächtigen Farbbestandteilen durch. „Auch hier sind die gesetzlichen Anforderungen bislang zu lasch“, meint Thomas.

Tester finden Stoffe, die Krebs erregen und genetische Defekte verursachen können

Bei zwei Produkten, den „Faber-Castell 12 Colour Grip wasservermalbaren Buntstiften“ und „Stabilo Greencolors“ stieß das Labor etwa auf o-Anisidin, das von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA als krebserregend eingestuft wird. Gleiches gelte für o-Toluidin, das in den Stiftminen von drei Produkten der Marken Lyra, Ökonorm und Stabilo nachgewiesen wurde.

Elf der getesteten Stifte sind zudem mit Anilin belastet, was nicht nur unter Krebsverdacht steht, sondern vermutlich auch genetische Defekte verursachen kann. In Lacken von zwei Marken fanden die Tester Phthalaten, die im Verdacht stehen, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und wie ein Hormon zu wirken. Besonders negativ fielen den Testern hohe Mengen in den Produkten von Müller, Iden, KiK, Real sowie den Kids 15 Buntstifte von Tedi auf.
Damit nicht genug: Das beauftragte Labor wies in den Lacken von zehn Buntstiftsets zudem eine ganze Palette umstrittener Ersatzweichmacher nach. Ihre Langzeiteffekte auf Mensch und Umwelt sind noch nicht ausreichend erforscht.

Hersteller müssen garantieren, dass Karzinogene sich nicht aus Buntstiften lösen können

„Zwar hielten Anbieter meist die gesetzlichen Vorschriften für Spielzeug ein. Doch unseren bewusst höher gesetzten Standards genügten sie nicht“, so Öko-Test zu dem Ergebnis.
Trotzdem schätzt der Toxikologe Jan Hengstler, der den Forschungsbereich Toxikologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund leitet, die krebserregenden Farbbestandteile der getesteten Stifte als nicht so gravierend ein. Öko-Test sagte er, die Situation sei nicht mit Katastrophen vergleichbar, die durch andere, krebserzeugende Substanzen verursacht werden, wie etwa Asbest im Häuserbau.

Jedoch mahnt er an: „Hersteller müssten garantieren können, dass sich die Karzinogene auch unter härteren Bedingungen, etwa durch Speichel, Schweiß und Magensaft, nicht aus den Buntstiften lösen und in den Körper gelangen können.“ (sar/mit Material der dpa)

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