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Umstrittene Wirkung als Medikament

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Auf einer Farm in Kolumbien wird Cannabis als Arzneiwirkstoff angebaut. Als Medikament kommt die Droge in immer mehr Ländern zum Einsatz.
Auf einer Farm in Kolumbien wird Cannabis als Arzneiwirkstoff angebaut. Als Medikament kommt die Droge in immer mehr Ländern zum Einsatz. © dpa

Im US-Bundesstaat Colorado darf seit Anfang des Jahres legal Marihuana geraucht werden. Als Medizin gibt es die Droge bereits in vielen US-Staaten. In Europa hat zuletzt Frankreich ein Cannabis-Medikament zugelassen. In Deutschland bekommt kaum jemand Cannabis auf Rezept.

Der US-Bundesstaat New York will seine strikten Marihuana-Gesetze lockern, um schwer Kranken eine medizinische Behandlung mit der Droge zu erlauben. Frankreich wiederum hat jetzt nach anderen europäischen Ländern dem Cannabis-haltigen Medikament Sativex, das gegen spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt wird, die Marktzulassung erteilt. Auch in Deutschland können sich schwer kranke Patienten Cannabis-haltige Medikamente verschreiben lassen - die Hürden sind allerdings recht hoch.

Welche rechtlichen Regelungen gelten in Deutschland?

Seit Mai 2011 dürfen zugelassene Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis auch in Deutschland hergestellt und von Ärzten auf Betäubungsmittel-Rezept verschrieben werden. Bisher ist lediglich ein Extrakt aus Cannabis sativa - so der lateinische Name für die Hanfpflanze - unter dem Namen „Sativex“ zugelassen, und zwar für Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind und an schweren spastischen Lähmungen und Krämpfen leiden. Bereits seit längerem können Patienten die im Ausland zugelassenen Wirkstoffe Dronabinol und Nabilon verschrieben werden. Für die Kosten müssen sie in der Regel aber selbst aufkommen.

Alternativ können Patienten bei der Bundesopiumstelle eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabisblüten oder -extrakten „im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie“ beantragen. Seit 2005 wurden laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 394 solcher Ausnahmeanträge gestellt - 221 davon wurden bewilligt. Aktuell verfügen 196 Patienten über eine Erlaubnis.

Welche medizinische Wirkung hat Cannabis?

Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Ihnen wird unter anderem eine schmerzlindernde, entzündungshemmende, appetitanregende und krampflösende Wirkung zugeschrieben. Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, bei grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendruck, gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten und eben bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt.

Ist der Nutzen von Cannabis belegt?

Es gibt viele positive Beobachtungen, allerdings oft noch zu wenige aussagekräftige Studien. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) sah beispielsweise 2012 lediglich einen „geringen Zusatznutzen“ für das seit Mai 2011 in Deutschland zugelassene Medikament Sativex. Eine Auswertung von Studien in einer britischen Fachzeitschrift bezweifelte Ende 2012 sogar die Wirksamkeit der Cannabis-Arznei bei Multipler Sklerose.

In den USA ist man vielerorts überzeugter vom medizinischen Nutzen der Pflanze. So plant der Bundesstaat New York eine Lockerung seiner strikten Marihuana-Gesetze. Die Droge soll von 20 Krankenhäusern für medizinische Zwecke verschrieben werden dürfen. Forschungen hätten ergeben, dass Marihuana bei der „Behandlung von Krebs und anderen schweren Krankheiten“ hilfreich sein könne, begründete der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo die Pläne.

Marihuana gegen Rückenschmerzen

New York wäre der 21. US-Bundesstaat, der seine Marihuana-Politik lockert. Der medizinische Einsatz von Cannabis ist bereits in zahlreichen Staaten erlaubt. In Kalifornien kann Marihuana etwa schon seit 1996 auch für weniger schwere Krankheiten wie Rückenschmerzen verschrieben werden. Zum 1. Januar wurde der Verkauf von Marihuana im Bundesstaat Colorado auch für den privaten Gebrauch legal. Es ist der erste Staat, in dem es erlaubt ist, das Rauschmittel in sogenannten Coffeeshops zu verkaufen. (afp)

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