Ein Arzt bei der Anwendung des Ultraschalls bei einem Patienten.
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Ein Arzt bei der Anwendung des Ultraschalls bei einem Patienten.

Medizin

Ultraschall statt Röntgen

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Es müssen nicht immer die nach wie vor gefährlichen Röntgen-Strahlen sein. Das schonendere Verfahren reicht oftmals aus.

Wenn bei jemandem Verdacht auf einen Knochenbruch besteht, so ist es oft ein Automatismus, diesen Patienten zum Röntgen zu schicken. Doch in vielen Fällen würde die schonende – weil strahlungsfreie – Diagnostik per Ultraschall völlig ausreichen und „gleichwertige Ergebnisse“ liefern. Das hat eine Meta-Analyse ergeben, für die Daten aus den vergangenen zehn Jahren ausgewertet wurden. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin raten nun, Brüche – „wann immer es möglich und erfolgversprechend ist“ – per Ultraschall zu diagnostizieren. Gerade bei kindlichen Brüchen sei die Sonografie (der Fachausdruck für Ultraschall) als Alternative empfehlenswert, da der Körper in diesem Alter zehnmal empfindlicher auf Röntgenstrahlen reagiere als bei Erwachsenen.

Bei kindlichen Handgelenksbrüchen sei es sogar sinnvoll, den Ultraschall „routinemäßig“ anzuwenden, sagt Ole Ackermann, Oberarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie am Evangelischen Krankenhaus Mettmann. Auch wenn bei kleinen Patienten ein Verdacht auf einen Ellenbogen- oder einen Oberarmbruch bestehe, solle die Sonografie das „Mittel der ersten Wahl“ sein. Rippen- und Brustbeinbrüche sowie Brüche des Oberschenkelknochens, des Schien- und des Wadenbeins sollten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen „ebenfalls großzügig sonografisch diagnostiziert werden“. Die aktuelle Meta-Analyse zeige, dass diese Brüche per Ultraschall ebenso sicher erkannt werden können wie per Röntgenverfahren.

Die Ultraschalldiagnostik habe gegenüber Röntgen viele Vorteile, erklärt Ackermann. Sie sei nicht nur strahlenfrei, sondern auch kostensparender. Ein weitere Vorteil bestehe darin, dass Ultraschallgeräte häufig besser verfügbar seien, nicht allein in Notaufnahmen, sondern auch in vielen Praxen. Das setze jedoch entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten sowohl beim Schallen als auch bei der Deutung der Befunde voraus. Die notwendige Qualifikation könnten Ärzte bei der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin in Intensivkursen erlernen. Bislang würden Patienten bei Verdacht auf Knochenbruch immer noch „viel zu häufig“ Röntgenstrahlen ausgesetzt. Allerdings gibt es noch einen anderen Aspekt, der einer Änderung dieser Situation im Weg steht: „Die Krankenkassen vergüten Ultraschalluntersuchungen bei Knochenbrüchen bisher nicht kostendeckend“, sagt Ackermann. Das müsse sich „im Interesse der Patienten dringend ändern“.

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