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RSV-Infektionen: Studie aus Dänemark ermittelt „untypische Symptome“ bei Kindern

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Von: Jana Ballweber

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Ärztinnen und Ärzte in voller Schutzmontur stehen um einen beatmeten Patienten herum.
Die RSV-Welle sorgt in vielen Ländern zu einer Überlastung der Krankenhäuser. © IMAGO/Aaron Lavinsky

Die Komplikationen, die nach einer RSV-Infektion eine Beatmung nötig machen, unterscheiden sich bei Kindern je nach Altersgruppe. Das zeigt eine dänische Studie.

Kopenhagen – Erst die Corona-Pandemie, dann eine Welle von RSV-Infektionen. In vielen Familien jagte seit der Aufhebung vieler Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus eine Infektion die nächste. Auch Dänemark leidet schon seit über einem Jahr unter deutlich erhöhten Fallzahlen bei der Atemwegserkrankung, die vom RS-Virus ausgelöst wird. Die Gesundheitssysteme sind wegen der Infektionswelle vielerorts am Limit.

Eine Studie der Universität Kopenhagen untersucht nun, wie stark die Fallzahlen nach Aufhebung der Corona-Maßnahmen angestiegen sind und ob sich die Infektionen statistisch gesehen schlimmer ausgewirkt haben. In den Fokus nahmen die Fachleute dabei besonders kleine Kinder, für die eine RSV-Infektion besonders gefährlich ist.

RSV-Infektionen auch vor der Pandemie: Besonderes Risiko für Neugeborene

RSV-Infektionen gab es auch schon vor der Corona-Pandemie. Saison hatte das Virus traditionell in den Wintermonaten. Dem Robert Koch-Institut zufolge macht nahezu jedes Kind bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs eine RSV-Infektion durch. Die Symptome ähneln denen einer Covid-Erkrankung:

Eine ernste Gefahr für die Gesundheit ist das RS-Virus vor allem für Neugeborene und Menschen mit Vorerkrankung. Für diese Gruppen führt eine Infektion häufiger zu einer Einweisung ins Krankenhaus oder sogar zur Beatmung.

Mehr Kinder im Krankenhaus wegen RSV-Infektion - Risiko für Beatmung stagniert

Für die aktuelle Studie haben die Wissenschaftler:innen die Fallzahlen aus dem dänischen Gesundheitssystem unter die Lupe genommen. Sie sammelten Daten zu Krankenhauseinweisungen und Beatmungen für die RSV-Saison 2021/22, nachdem viele Corona-Maßnahmen aufgehoben worden waren, sowie für die vier vorhergehenden Jahre. Der Beobachtungszeitraum umfasst also sowohl die Vor-Pandemie-Jahre als auch zwei Jahre, in denen wegen der Corona-Gefahr strenge Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht galten.

Das Ergebnis: Wurden in den vier vorhergehenden Jahren durchschnittlich 1477 Kinder unter fünf Jahren wegen einer RSV-Infektion ins Krankenhaus eingewiesen, waren es 2021/22 3000 Kinder. 54 davon mussten beatmet werden. Diese Zahl variierte in den Vorjahren zwischen 15 und 28 Kindern. Die Verdopplung bei den Beatmungszahlen ist mit der Verdopplung von Krankenhauseinweisungen zu erklären. Das Risiko, dass eine Beatmung notwendig war, stieg also nicht an.

Besonders hoch war der Anstieg an Krankenhauseinweisungen in der Altersgruppe zwischen 24 und 59 Monaten. Das führen die Forscher:innen darauf zurück, dass diese Kinder aufgrund der Corona-Maßnahmen noch keine Infektion mit dem RS-Virus durchgemacht hatten. Da das Risiko für eine schwere Erkrankung bei Erstinfektionen besonders hoch sei, erkläre sich der Anstieg der Zahlen mit der Verzögerung.

Veränderte Symptome und Komplikationen bei älteren Kindern nach RSV-Infektion

Bei Säuglingen, die jünger als 3 Monate sind, und bei Kindern mit Begleiterkrankungen waren die Komplikationen, die zur Intubation führten, hauptsächlich Atemversagen aufgrund von Bronchiolitis, berichteten die Forschenden. Dagegen trat bei Kindern ohne Risikofaktoren für eine schwere RSV-Erkrankung, die die Erstinfektion erst später erlebten, ein breites Spektrum „atypischer Symptome“ auf. Dazu zählten:

Die Häufung der Infektionen mit dem RS-Virus und die damit einhergehende Überlastung vieler Krankenhäuser haben ihre Ursache also in der Verzögerung der Erstinfektion durch die Schutzmaßnahmen. Die Komplikationen, die dazu führen können, dass eine Beatmung notwendig sein könnte, verändern sich bei älteren Kindern, die ihre Erstinfektion nicht wie üblich im Säuglingsalter durchgemacht haben. Das führte der Studie zufolge aber in Dänemark insgesamt nicht zu einem höheren Risiko, eine Beatmung zu benötigen, unabhängig vom Alter. (Jana Ballweber)

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