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Studie: Heterosexuelle sind schlechter über Geschlechtskrankheiten aufgeklärt als Personen der LGBTQI+ Community

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Von: Janine Napirca

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Einer repräsentativen Studie zufolge, ist die LGBTQI+ Community wesentlich besser über Geschlechtskrankheiten aufgeklärt ist als Heterosexuelle.

Alljährlich feiert die LGBTQI+ Community im Juni den Pride Month, um auf die Diskriminierung, die ihr immer noch widerfährt, aufmerksam zu machen. Ein Thema, über das unabhängig der eigenen Sexualität viel häufiger gesprochen werden sollte, sind Geschlechtskrankheiten. Denn täglich infizieren sich über eine Million Menschen weltweit mit einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) – auch in Deutschland steigt die Zahl Infizierter stetig, wie Aerzteblatt.de berichtet.

Das Marktforschungsinstitut Appinio hat nun mit einer repräsentativen Studie herausgefunden, dass der Grund dafür mangelnde Aufklärung ist. Vor allem Heterosexuelle sind wesentlich schlechter über Geschlechtskrankheiten informiert sind als die LGBTQI+ Community. Befragt wurden 500 Heteros und 500 LGBTQI+. Schon gewusst: Die Krankenkasse bezahlt Apps für Ihre mentale Gesundheit.

Experte für Männergesundheit ordnet die Studienergebnisse zu Geschlechtskrankheiten ein

Der Experte für Männergesundheit und medizinischer Direktor der Wellster Healthtech Group, zu der unter anderem die Männergesundheits-Plattform GoSpring gehört, Dr. med. Johannes von Büren ordnet die Studienergebnisse ein.

Johannes von Büren, Experte für Männergesundheit und medizinischer Direktor der Wellster Healthtech Group
Johannes von Büren, Experte für Männergesundheit und medizinischer Direktor der Wellster Healthtech Group © Wellster Healthtech Group

Außerdem klärt der Experte wichtige Fragen zu Geschlechtskrankheiten:

  1. Welche Geschlechtskrankheiten gibt es?
  2. Wie kann man feststellen, ob man sich mit einer Geschlechtskrankheit wie beispielsweise HIV oder Chlamydien infiziert hat?
  3. Und warum ist die Awareness (zu Deutsch: Bewusstsein) für Geschlechtskrankheiten in der LGBTQI+ Community größer als bei Heterosexuellen?

Welche Geschlechtskrankheiten gibt es?

Bei einer Geschlechtskrankheit spricht man auch von STI. Die Abkürzung bedeutet sexually transmitted infections (zu Deutsch: sexuell übertragbare Infektionen). Dabei handelt es sich um eine Ansteckung mit Krankheitserregern, die man durch Geschlechtsverkehr bekommen kann. Auch STD, sexually transmitted diseases (zu Deutsch: sexuell übertragbare Krankheiten) ist als Bezeichnung geläufig.

Es gibt viele sexuell übertragbare Krankheitserreger. Die häufigsten sind Chlamydien und Gonokokken. Den Ergebnissen der Studie zufolge weiß das aber nur jede bzw. jeder Dritte. Ein Fünftel aller Heterosexuellen denkt immer noch, dass HIV die häufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland ist. HIV ist zwar nicht die häufigste, zählt aber neben Syphilis sowie einige der Humane Papilloma Viren zu den gefährlichsten sexuell übertragbaren Infektionen. Auch Hepatitis B und genitale Herpesviren können durch sexuellen Kontakt übertragen werden.

Wie kann man feststellen, ob man sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hat?

Mithilfe eines STI-Tests lässt sich feststellen, ob man sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hat. Laut Dr. von Büren unterscheidet man prinzipiell zwischen Screening-Tests (auch Suchtests) und Bestätigungstests. Screening-Tests schlagen an, wenn der Nutzer bzw. die Nutzerin positiv ist, sie sind allerdings sehr sensitiv. Nach einem positiven Suchtest sollte man einen ärztlichen Bestätigungstest durchführen lassen.

STI Tests können beim Hausarzt, im Krankenhaus, beim Gesundheitsamt, bei verschiedenen Institutionen, wie etwa der Deutschen Aidshilfe, oder aber auch von zu Hause aus gemacht werden. Hierfür sind im Regelfall Urin- und Blutproben nötig, in manchen Fällen ist auch ein Abstrich sinnvoll – beispielsweise in Harnröhre, Scheide, Gebärmutterhals oder After. 

Dr. med. Johannes von Büren, Experte für Männergesundheit und medizinischer Direktor der Wellster Healthtech Group

Da meist nur geringe Probenmengen benötigt werden, können dem Experten zufolge die Proben auch mithilfe eines Testkits von zu Hause aus genommen und an ein Labor gesendet werden. Bei Heimtests, auch Einsendetests genannt, sollte jedoch sichergestellt werden, dass die Probenentnahme gut erklärt wird und der Versand in ein Labor zügig erfolgt.

Patient beim Arzt
Haben Sie sich schon einmal auf sexuell übertragbare Infektionen bzw. Krankheiten hin untersuchen lassen? © DC_2/Imago

Nur wenige Menschen in Deutschland lassen sich auf Geschlechtskrankheiten hin testen. Ein Grund ist der Studie zufolge vor allem das Schamgefühl eines Arztbesuchs. 74% der LGBTQI+ und 64% der Heterosexuellen gaben an, dass sie sich mit einem Selbsttest für zu Hause häufiger testen würden. Leider ist diese Option den wenigsten bekannt.

Dabei ist es ist wichtig, dass gerade sexuell aktive Menschen sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen. Denn viele STIs verlaufen dem Experten zufolge zunächst symptomfrei, werden aber dennoch weiter übertragen. Chlamydien lassen sich durch die Zusendung des Medikaments sogar via Telefon behandeln. Bei anderen, gefährlicheren Geschlechtskrankheiten ist ein Verweis an einen ambulanten Facharzt laut Experte aber dringend erforderlich. Mehr Expertentipps gefällig? So finden Sie die perfekte und vor allem bezahlbare Pflegekraft für Ihre Eltern.

Warum ist das Bewusstsein für Geschlechtskrankheiten in der LGBTQI+ Community größer als bei Heterosexuellen?

Über 75% der Heterosexuellen Deutschen haben sich der Studie zufolge noch nie in ihrem Leben auf Geschlechtskrankheiten hin untersuchen lassen. Im Gegensatz zur LGBTQI+ Community: jede*r Vierte gibt an, sich sogar regelmäßig zu testen.

Warum ist das Bewusstsein für Geschlechtskrankheiten bei LGBTQI+ größer als bei Heteros?

In jedem Fall gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht, insbesondere dann, wenn es um Gesundheit geht. Denn je früher man eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert, desto einfacher und vielversprechender ist die Behandlung. Durch regelmäßiges Testen schützt man sich selbst und andere. (jn)

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