Medizin

Das stille Leiden

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Beschwerden im Intimbereich sind häufig und werden oft verschwiegen. Bei der Therapie gibt es verschiedene Optionen

Zu den großen Tabuthemen, die von Patientinnen nicht gern angesprochen werden, zählen Beschwerden im Intimbereich – zumal, wenn diese zwar quälend sind, aber doch nicht als so schwerwiegend empfunden werden, dass eine bedrohliche Krankheit dahinterstecken könnte. Juckreiz, Brennen, Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Blasenschwäche sind solche typischen Probleme. Der Hauptgrund für das Schweigen ist meist Scham, oft begleitet von der Vorstellung, ohnehin nicht viel dagegen zu können oder mögliche Therapien wie eine medikamentöse Hormonersatztherapie abzulehnen.

Grundsätzlich können solche Beschwerden Frauen jeden Alters plagen, jüngere zum Beispiel nach einer Geburt oder während der Stillzeit. Besonders häufig und ausgeprägt jedoch treten die Probleme während der Wechseljahre oder danach auf. Die Ursache besteht in diesem Fall fast immer im gesunkenen Östrogenspiegel, denn die versiegende Produktion des weiblichen Geschlechtshormons bringt Veränderungen in der Beschaffenheit der Scheidenwand, des äußeren Genitals sowie der Blase und ihrer Verschlusskraft mit sich. So wird die Haut im Intimbereich schlechter durchblutet, dünner, trockener, weniger elastisch und dadurch anfälliger für Verletzungen und Infektionen; Mediziner bezeichnen das als „Atrophie“. Häufig lässt auch die Stütz- und Haltefunktion des Beckenbodens nach und kann so das Entstehen einer Blasenschwäche befördern – insbesondere dann, wenn eine Frau ohnehin ein schwaches Bindegewebe hat, was in erster Linie eine Sache der Veranlagung ist. Aber auch mehrere Schwangerschaften und Übergewicht können den Beckenboden schwächen.

Oft leiden diese Patientinnen dann unter häufigen Harnwegsinfekten oder unter einer Drang- oder Stressinkontinenz. Das bedeutet: Sie müssen plötzlich zur Toilette „rennen“, übermäßig oft Wasser lassen oder verlieren unwillkürlich Urin, in leichteren Fällen nur beim Husten oder beim Heben, in schwereren bereits bei geringfügigeren Anlässen.

Neben natürlichen Hormonumstellungen können auch eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung Auslöser für die genannten Probleme sein. Experten gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Frauen im Laufe des Lebens unter Beschwerden im Intimbereich und/oder Blasenschwäche leiden, nicht alle gleich stark, aber manche durchaus in einem Maße, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Die meisten dieser Patientinnen sind zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Bei Juckreiz, Brennen, Scheidentrockenheit und manchen Formen von Inkontinenz können Cremes oder Zäpfchen Linderung verschaffen, vor allem östrogenhaltige, die dann freilich rezeptpflichtig sind. Allerdings reicht ihre Wirkung nicht immer aus. Blasenentzündungen kann man mit viel Trinken, speziellen Tees und pflanzlichen Mitteln zu Leibe rücken, bei hartnäckigen Infektionen wird indes meist ein Antibiotikum fällig. Bei leichter Inkontinenz ist regelmäßige Beckenbodengymnastik ratsam, um die Muskulatur in dieser Region zu stärken, auch verschiedene Medikamente stehen zur Verfügung, die unter anderem darauf zielen, über eine Entspannung der Blase oder eine Kräftigung ihres Muskeltonus’ die Beschwerden zu lindern. Je nach Ursache und Schwere können Blase und Harnröhre als „Ultima ratio“ auch operativ angehoben und in ihre ursprüngliche Lage gebracht werden.

Abhilfe kann in vielen Fällen auch eine Hormonersatztherapie schaffen, die den Körper wieder mit Östrogen versorgt. Doch viele Frauen lehnen es mittlerweile ab, in den Wechseljahren Hormone einzunehmen – vor allem weil sie fürchten, als Folge der Behandlung später an Brustkrebs zu erkranken. (Dass eine Hormonsubstitution tatsächlich und immer das Risiko für ein Mammakarzinom erhöht, lässt sich pauschal so allerdings nicht konstatieren).

Die Beschwerden also lieber aushalten? Seit etwa fünf Jahren bieten einige Gynäkologen eine weitere Methode an, die weder auf Medikamenten noch einem Eingriff basiert und in der Lage sein soll, alle aufgeführten Probleme der Vagina und Blase gleichzeitig zu beheben; im Hinblick auf letztere allerdings mit der Einschränkung, dass nur eine leichte Inkontinenz vorliegt. Es handelt sich um eine Therapie mit einem Laser, meist einem CO2-Laser, bei dem Kohlendioxid das den Strahl erzeugende Gas ist. Die Frankfurter Gynäkologin Kim Stefanie Dahl-Hoppe, die das Verfahren in ihrer Praxis anbietet, erklärt, welches Prinzip dahintersteckt: Die Laserimpulse sollen Regenerationsmechanismen in Gang setzen, den Körper zur Neubildung von Kollagen und elastischen Fasern anregen – und damit die Ursache von Juckreiz, Brennen, Trockenheit und leichter Blasenschwäche beheben.

Und so geht die Behandlung vor sich: Zunächst wird die Vagina mit einem Wattestäbchen trocken genutpt. Danach führt die Ärztin oder der Arzt eine schmale Lasersonde ein und dreht sie in alle Richtungen. Der Laser bringt in bestimmten Abständen Signale in die Scheidenhaut. „Durch die Impuluse kommt ein zu kleinen Mikroläsionen“, erläutert Dahl Hoppe. Das verstärke die Durchblutung und rege die Fibrozyten (unbewegliche Zellen des Bindegewebes) an, sich wieder zu Fibroblasten (beweglichen Zellen) umzuwandeln und wieder aktiv zu werden. „Kollagen und Elastin werden produziert, Hyaluronsäure wird eingelagert und gespeichert, das Gewebe wird wieder feuchter und fester“, erklärt die Frankfurter Gynäkologin. Das wirke wie eine „Verjüngung“ sagt sie, betont aber: „Um eine kosmetische Wirkung geht es nicht.“ Das Verfahren habe nichts mit operativen Eingriffen zu tun, die das Erscheinungsbild der äußeren Geschlechtsteile verändern sollen.

Anders als diese laufe die Lasertherapie auch weitgehend schmerzfrei ab, erklärt die Ärztin, eine Narkose sei deshalb nicht erforderlich, für die Behandlung des äußeren Genitalbereichs werde eine milde Betäubungscreme aufgetragen. Eine Sitzung dauert nach Angaben der Frankfurter Medizinerin etwa zehn Minuten. Allerdings ist es mit einem einmaligen Termin nicht getan, erforderlich sind etwa drei bis sechs Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen, sagt Dahl-Hoppe. Empfehlenswert sei zudem eine jährliche Nachbehandlung, um das erzielte Ergebnis zu halten. Nebenwirkungen, sagt die Gynäkologin, seien „ extrem selten“ es könne zu „Wundheitsgefühl“ und einer „leichten Schwellung“ in den ersten 48 Stunden nach der Behandlung kommen.

Die Frankfurter Ärztin ist von dem Verfahren überzeugt. „Früher haben sich viele mit diesen Beschwerden abgefunden. Aber es gibt keinen Grund, dass Frauen solche Unwohlgefühle ertragen.“ Die meisten Patientinnen müssen die Behandlung allerdings aus eigener Tasche bezahlen, bislang übernehmen nur die privaten Krankenkassen die Kosten.

Laut Werbung eines Laser-Anbieters sollen seit 2012 weltweit mehr als 150 000 Frauen erfolgreich auf diese Weise behandelt worden sein sowie mehr als 30 klinische Studien und Untersuchungen von Kliniken die Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens belegen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Mailand hat sich in einer Übersichtsarbeit Publikationen dazu vorgenommen. In einem Artikel im „International Journal of Women’s Health“ aus dem Jahr 2017 bestätgen die Forscher zwar viele positive Berichte, monieren aber das Fehlen robuster Daten. Im Fachmagazin „Ärzteblatt“ wird zudem auf mögliche Risiken einer Laserbehandlung hingewiesen. So könne eine Stimulation der Kollagensythese zu Narbenbildung führen.

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