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Stiftung Warentest unterliegt Ritter Sport

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Von: Stefan Sauer

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In allen Variationen: Ritter Sport.
In allen Variationen: Ritter Sport. © AFP

Juristischer Erfolg für Ritter Sport im Streit mit der Stiftung Warentest: Die Prüfer dürfen dem Hersteller in ihrem Schokoladentest keine irreführende Kennzeichnung eines Vanillearomas vorwerfen. Die Stiftung will sich gegen die Entscheidung zur Wehr setzen.

An diesem Streit hängt viel. Die Glaubwürdigkeit einer der angesehensten Institutionen der Republik zum Beispiel und die Reputation eines traditionsreichen deutschen Familienunternehmens, überdies womöglich tausende Arbeitsplätze und Millionenumsätze. Zwar hat das Landgericht München die Auseinandersetzung zwischen der Stiftung Warentest und der Alfred Ritter GmbH und Co. KG, besser bekannt unter dem Markennamen Ritter Sport, am Montag zugunsten des Schokoladenherstellers entschieden. Beendet ist das Verfahren damit aber nicht. Denn die Stiftung hat Berufung gegen das Urteil beim Oberlandesgericht eingelegt.

Im Kern geht es um die Herkunft des Aromastoffs Piperonal, der in der Ritter-Sport Voll-Nuss-Schokolade enthalten ist. Nach Überzeugung der Stiftung Warentest wurde das Piperonal künstlich hergestellt, weshalb die Inhaltsangabe „natürliche Aromastoffe“ auf der Verpackung falsch sei. In einem Schokoladentest vom vergangenen November hatte die Stiftung dem Ritter-Sport-Produkt daher die Note mangelhaft verpasst. Gegen den Vorwurf der Verbrauchertäuschung hatte sich das Familienunternehmen mit Sitz bei Stuttgart mit einer einstweiligen Verfügung zur Wehr gesetzt. Nun wies das Landgericht München den Widerspruch der Stiftung gegen die Verfügung zurück. Ein Sieg der Schokofabrik auf der ganzen Linie?

Zumindest ein vorläufiger. Die Warentester geben sich dessen ungeachtet weiter kämpferisch. „Wir sind schon einige Male in ersten Instanzen unterlegen und haben am Ende doch Recht bekommen“, sagte Warentest-Lebensmittelexpertin Birgit Rehlender der Frankfurter Rundschau kurz nach Verkündung des Urteils. Ihren Optimismus stützt Rehlender allerdings weniger auf hieb- und stichfeste Beweise, denn auf Indizien und Annahmen. So komme Piperonal zwar natürlicherweise in Pflanzen wie Dill, Vanille und schwarzem Pfeffer vor. Allerdings seien die hieraus extrahierbaren Mengen viel zu gering, „um bei einem industriell hergestellten Massenprodukt eingesetzt zu werden.“ Viel billiger und in großem Stil problemlos machbar sei die chemische Piperonal-Herstellung.

Zudem sei der Piperonal-Lieferant Symrise im niedersächsischen Holzminden gar nicht Hersteller des Stoffes, sondern beziehe das Piperonal von einem weiteren Lieferanten. Auch dieser stelle den Aromastoff nicht selbst her, sondern werde seinerseits vom eigentlichen Produzenten beliefert. Eine lange Lieferkette, verquickt mit dem Kosten-Mengen-Argument, mag in der Tat geeignet sein, Zweifel am natürlichen Ursprung des verwendeten Aromas zu wecken.

Gleichwohl schwächelt die Argumentation der Stiftung in einem entscheidenden Punkt: Es gibt keinen Beweis. Auf eine genaue Analyse der Nuss-Schokolade habe die Stiftung verzichtet, räumt Lebensmittelchemikerin Rehlender ein. Allerdings lasse sich der natürliche oder künstliche Ursprung des Aromas im Labor ohnehin nicht zweifelsfrei feststellen. Damit gründet sich das „Mangelhaft“ im Test auf der bloßen Vermutung, das Piperonal sei chemisch erzeugt worden.

Zudem vermag Symrise, viertgrößter Produzent natürlicher Aromastoffe weltweit, die Herkunft des Piperonals plausibel zu erläutern. Zum einen würden nur winzige Mengen benötigt: In jeder Hundert-Gramm-Tafel seien 0,1 Prozent Aromastoffe enthalten, wovon das Piperonal wiederum nur ein Tausendstel ausmache, versichert Bernhard Kott, Leiter der Konzernkommunikation bei Symrise: „Ritter Sport bezieht von uns gerade einmal sechs Kilogramm Piperonal – pro Jahr.“ Eine solche Quantität sei problemlos aus Pflanzen zu gewinnen. Und genau dies geschehe auch: „In unserem Fall ist die Ursprungspflanze Lorbeergewächs, das in den USA massenhaft zur Piperonal-Gewinnung angebaut wird und zum Beispiel alkoholfreien Root-Bieren zugesetzt wird“, erläutert Kott.

Symrise könne den Stoff in der deutschen Zentrale in Holzminden auch selbst herstellen, was wegen der geringen Menge aber unwirtschaftlich wäre. Daher kämen Zulieferer zum Zuge, die das Piperonal nach von Symrise mitentwickelten Verfahren aus streng kontrolliertem Pflanzenanbau gewännen. Kott: „All das ist dokumentiert, bei Gericht hinterlegt und von zwei unabhängigen Gutachtern bestätigt worden.“ Pfusch und Schmuh könne sich die Firma, die 2012 an weltweit 35 Standorten mehr als 1,7 Milliarden Euro umsetzte, auch gar nicht leisten. „Wenn wir unseren tadellosen Ruf und das Vertrauen unserer internationalen Großkunden verlieren, sind wir tot“, sagt Kott.

Im Prinzip basiert auch das Modell der Stiftung Warentest auf Vertrauen. Rehlender hält das Urteil „Mangelhaft“ für Ritter-Sports Voll-Nuss nach wie vor für gerechtfertigt. „Die Stiftung Warentest kämpft weiter für korrekte Aromenkennzeichnung.“ Symrise habe den „tatsächlichen Herstellungsprozess für Piperonal nicht offen gelegt“. Vielleicht hängt zu viel ab von diesem Streit?

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