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Ein Wisent auf einer Weide im Nationalpark Unteres Odertal in der Uckermark.

Rückkehr wäre möglich

Laut einer Studie bietet Deutschland ausreichend Platz für Wisente.

Kommt nach dem Wolf auch der Wisent zurück? In Deutschland gibt es laut einer Untersuchung im Auftrag der Umweltstiftung WWF ausreichend Platz für die großen Wildrinder. Sehr geeignet für eine Wiederansiedlung seien das Müritz-Gebiet, die Region Cottbus-Spreewald-Guben, der Harz und der Pfälzer Wald, wie die Umweltschutzorganisation am Freitag unter Berufung auf eine Studie der Humboldt-Universität Berlin mitteilte.

Der Europäische Wisent ist nahe verwandt mit Amerikanischen Bisons. Auch wenn es etwas kleiner ist als seine Vettern in den USA, so sind sie doch die größten Landsäugetiere in Europa. Männliche Wisente können bis zu einer Tonne schwer werden.

Früher lebten Wisente in ganz Mittel-, West- und Südosteuropa. ihr Lebensraum erstreckte sich auf Wälder, aber auch offene Flächen wie Weiden und Waldwiesen.Doch bereits im 19. Jahrhundert verloren sie immer mehr Lebensraum durch verstärkte Landwirtschaft und das Abholzen von Wäldern. Auch uneingeschränkte Jagd und Wilderei machten vielen Tieren den Garaus und führten zu einer starken Abnahme des Bestands.

So existierten Ende des 19. Jahrhunderts in der Wildnis nur noch zwei Wisentpopulationen in Polen und im Westkaukasus. Um 1920 galten wildlebende Wisente als ausgerottet, nur noch in Gefangenschaft überlebten einige Individuen. Bereits 1952 wurden die ersten Tiere aber wieder erfolgreich im polnischen Bialowieza ausgewildert. 1996 dann startete der WWF gemeinsam mit mehreren europäischen Zoos und Tierparks ein weiteres Projekt, um in Gefangenschaft gezüchtete Wisente wieder auszuwildern. Heute indes gibt es nach Angaben der Organisation in acht Ländern in Europa wieder 3200 wilde Wisente. In Deutschland lebt seit dem Jahr 2013 eine Herde im Rothaargebirge.

Bauern klagten gegen die Wiederansiedelung

Gegen den Ansiedlungsversuch haben jedoch mehrere Waldbauern aus dem Sauerland geklagt, weil die Tiere die Rinden ihrer Buchen abschälten. Eine Ende des Rechtsstreits war zuletzt nicht in Sicht. In Brandenburg gab es kürzlich Ärger um einen Wisent aus Polen: Ein Jäger schoss das Tier bei Lebus ab, weil eine Gefahr für Menschen durch das Tier befürchtet worden war.  Aus Sicht des WWF müsste es jedoch mehr und größere Herden geben, um die Zukunft der als gefährdet eingestuften Art zu sichern. Das sei nur möglich, indem man Tiere in neuen Lebensräumen ansiedelt. Dass dies gelingen könne, zeigten andere Projekte in Mittel- und Osteuropa, erklärte Diana Pretzell, Leiterin des WWF-Naturschutzes.

Insgesamt hätten Experten der Humboldt-Uni zehn potenzielle Gebiete für Wisente ausgemacht, hieß es. Dazu zählten unter anderem der Schwarzwald, der Bayerische und der Thüringer Wald. Kriterien seien etwa ausreichend natürliche Rückzugsorte und die Entfernung zu Straßen und Siedlungen. „Jetzt kommt es darauf an, ob die Bevölkerung in den potenziellen Wisent-Regionen sowie die Politik eine Rückkehr der einst ausgerotteten Wildrinder wollen“, betont Pretzell. (dpa/pam)

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