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In den nächsten Jahren werden deutlich mehr Heimplätze benötigt - auch der Personalbedarf wird enorm steigen.

"Pflegeheim Rating Report"

Pflegepersonal wird immer knapper

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Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung rechnet bis 2030 mit einem stark steigenden Bedarf an Heimplätzen. Damit einher geht ein enormer Personalbedarf.

In den nächsten Jahren sind durch den demographischen Wandel erhebliche Engpässe bei Pflegeplätzen und Pflegepersonal zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommt der „Pflegeheim Rating Report 2017“ des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, den die Wissenschaftler zusammen mit Beratungsunternehmen erstellt haben. Die erste Feststellung des Reports lautet: Den meisten deutschen Pflegeheimen geht es wirtschaftlich gut. Im Jahr 2015 waren lediglich zwei Prozent von Insolvenz bedroht. Die Wahrscheinlichkeit, zahlungsunfähig zu werden, lag bei durchschnittlich nur 0,54 Prozent, damit standen die Pflegeheime besser da als Krankenhäuser. Auch die Ertragslage habe sich verbessert, heißt es in einer Mitteilung des Leibniz-Instituts. Schrieben 2013 noch 20 Prozent der Pflegeheime einen Jahresverlust, so waren es 2015 nur noch zehn Prozent. Insgesamt schnitten Ketten etwas besser ab als Einzelheime.

Weiter zugenommen hat die Personalknappheit in Heimen: Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen war im Juli 2017 mehr als dreimal so hoch wie 2007. Bis 2030 rechnen Experten mit, dass 130.000 bis 307.000 zusätzliche Vollzeitstellen in der stationären und 83- bis 172.000 in der ambulanten Pflege benötigt werden. Um diesen Bedarf zu decken, müssten Pflegeberufe attraktiver werden, unter anderem, indem man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Karrieremöglichkeiten verbessere.

Besonders auffällig, heißt es weiter, sei die „kontinuierlich wachsende“ Zahl der Zugänge aus dem Krankenhaus: 2015 wurden 385.000 Frauen und Männer direkt aus einer Klinik in ein Heim überwiesen. Das machte 74 Prozent aller Neuzugänge aus. 2005 betrug dieser Anteil noch 31 Prozent. Über die Ursachen sind sich die Autoren noch nicht im Klaren. Möglicherweise, so die Vermutung, habe die Umstellung der Krankenhausvergütung auf Fallpauschalen diese Entwicklung in Gang gesetzt. Allerdings stelle sich auch die Frage, ob einige Pflegefälle nicht durch geeignete Maßnahmen im Krankenhaus hätten vermieden werden könnten.

Bis 2030 rechnen die Autoren mit einem zusätzlichen Bedarf von voraussichtlich 271.000 Pflegeplätzen. Dafür seien Investitionen zwischen 53 und 85 Milliarden Euro erforderlich. Die Politik, raten die Experten, sollte die Heimgesetze „so schlank wie möglich“ halten, um „geeignete Rahmenbedingungen“ für private Investitionen zu schaffen. So seien Vorgaben zur Heimgröße oder zum Anteil von Ein-Bett-Zimmern „überflüssig“.

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