Bio-Äpfel erwiesen sich als frei von Schadstoffen.
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Bio-Äpfel erwiesen sich als frei von Schadstoffen.

Greenpeace testet Obst

Pestizid-Cocktails in deutschen Äpfeln

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace lässt Obst auf Schadstoffe untersuchen. Das Ergebnis ist alarmierend: Die Forscher finden regelrechte Pestizid-Cocktails in deutschen Äpfeln. Fast neun von zehn konventionell angebauten Früchten sind belastet. Bio-Äpfel schneiden gut ab.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Äpfel aus Supermärkten und Discountern in elf europäischen Ländern untersuchen lassen. Ergebnis: Rückstände von Pestiziden fanden sich in 83 Prozent der konventionell produzierten Ware, bei 60 Prozent waren sogar zwei bis acht Wirkstoffe nachweisbar. Alle gemessenen Werte lagen den Angaben zufolge zwar unter den gesetzlich zulässigen Höchstmengen.

Greenpeace hält das Ergebnis trotzdem für bedenklich. „Die Pestizid-Grenzwerte gelten nur für einzelne Substanzen, nicht für Belastungen durch mehrere Wirkstoffe. Deren Wechselwirkungen sind weitgehend unbekannt“, kommentiert die Organisation. Die ebenfalls untersuchten Äpfel aus Bio-Landwirtschaft waren frei von Rückständen.

Insgesamt wurden 126 Apfelproben aus 23 verschiedenen Ketten getestet, 17 stammten aus Bioanbau. Die deutschen Proben kamen von Aldi, Alnatura, Basic, Edeka, Kaufhof, Lidl, Netto, Penny, Real und Rewe. In den konventionellen Äpfeln fanden sich hier fast durchweg Rückstände. Laut dem Test waren insgesamt rund 88 Prozent betroffen.

„Spitzenreiter“ war ein Apfel von Kaufhof, in dem sich sieben Wirkstoffe fanden. Laut Greenpeace wurden 39 verschiedene Pestizidrückstände nachgewiesen. Einige der Wirkstoffe könnten lange in der Umwelt überdauern oder reicherten sich in Organismen an, warnt die Organisation. Die Hälfte der 39 Stoffe seien entweder für Wasserorganismen wie Fische und Wasserflöhe oder für Bienen und andere nützliche Insekten gefährlich. Greenpeace-Agrarexpertin Christiane Huxdorff sagte: „Chemische Pestizide sind präsent vom Anbau bis zum Teller. Es ist wichtig, mehr als nur gesetzliche Mindestanforderungen zu erfüllen. Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden.“

Pestizidsteuer empfohlen

Erzeuger, Handel und Politik müssten gemeinsam erreichen, dass die Anwendung der Gifte reduziert wird. Huxdorff forderte die Einführung einer Pestizid-Steuer, durch die der Einsatz von Agrargiften sinken werde. Staat und Verbraucher könnten so Geld sparen, etwa, weil die zusätzliche Reinigung und Aufbereitung von Trinkwasser entfiele. Eine Pestizidsteuer erheben in Europa Frankreich, Dänemark und Schweden; dort reagierten die Bauern und spritzten weniger. Greenpeace forderte Discounter und Supermärkte zudem auf, mehr Bioprodukte in ihr Sortiment aufzunehmen.

Kürzlich hatte eine Studie des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig ebenfalls ergeben, dass die Belastung durch Pflanzenschutzmittel zu hoch ist, wodurch Gewässer zu stark belastet würden. Anno 2014 wurden in Deutschland über 100 000 Tonnen davon verkauft, seit 2000 ist der Absatz wieder deutlich angestiegen. Auch die UFZ-Experten empfahlen eine Pestizidsteuer. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Zentralverband Gartenbau lehnten sie strikt ab. Eine Steuer werde die Pestizidverwendung nicht senken, sondern nur die Agrar-Erzeugung verteuern, so der DBV.

Eine Reduktion des Pestizideinsatzes steht allerdings auch auf der Agenda von Bundesregierung und EU. Der „Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ sieht vor, die Risiken durch die Pestizide für den Naturhaushalt bis 2023 um 30 Prozent zu reduzieren und die Gefahren für Verbraucher, Anwender und Anwohner zu minimieren.

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