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Einige Nüsse wie beispielsweise die Walnuss enthalten von Natur aus Omega-3-Fettsäuren.
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Einige Nüsse wie beispielsweise die Walnuss enthalten von Natur aus Omega-3-Fettsäuren.

Gesundheit

Omega-3-Fettsäuren in Nahrungsergänzungsmitteln: Sind sie wirklich gesund?

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
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Ist die Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren gesund und werden die Nahrungsergänzungsmittel ihrem guten Ruf gerecht? Experten warnen.

Frankfurt - Omega-3-Fettsäuren werden diverse positive Wirkungen nachgesagt. So heißt es, sie könnten Herzinfarkte verhindern und einen normalen Blutdruck erhalten. Sie sollen auch zum Erhalt von Sehkraft und der generellen Gehirnfunktion beitragen, bei Arthritis helfen und sogar Krebs vorbeugen. Bei so vielen positiven Wirkungen sollte das Mittel doch in keinem Haushalt fehlen, oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Bei den häufig thematisierten Omega-3-Fettsäuren handelt es sich um Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Sie sind in fettreichen Fischen oder Krustentieren und Algen sowie in manchen pflanzlichen Ölen enthalten. Auch Krillöl wird bei einigen Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln verwendet, was unter anderem von Greenpeace kritisiert wird. Wie die „Verbraucherzentrale“ klarstellt, sind nur einige wenige Wirkungen des vermeintlichen „Wundermittels“ auch belegt, vor allem die, die Nahrungsergänzungsmitteln nachgesagt werden. Expert:innen stellten sogar fest, einige Mittel können bei zu hoher Aufnahme der Gesundheit schaden.

Omega-3-Fettsäuren: Nahrungsergänzungsmittel: Welche positive Wirkung ist belegt?

Wissenschaftlich fundiert sei nach Ansicht der Verbraucherzentrale, dass die durch Nahrungsergänzungsmittel künstlich hinzugegebenen Fettsäuren den „normalen Cholesterin- und Triglyceridspiegel im Blut und einen normalen Blutdruck“ erhalten. Gesunde Menschen seien auf eine Zufuhr allerdings nicht angewiesen. Auch zu einer normalen „Gehirnfunktion, Sehkraft und Herzfunktion“ können sie beitragen. Allerdings muss dafür eine festgelegte Menge aufgenommen werden.

WirkungsweiseHierfür benötigte Menge an Omega-3-Fettsäuren bei Erwachsenen
Normalen Cholesterin- und Triglyceridspiegel im Blut erhalten2 bis 3 Gramm müssen im Produkt enthalten sein
Erhalt eines normalen Blutdrucks2 bis 3 Gramm müssen im Produkt enthalten sein
Zur normalen Sehkraft, Hirn- und Herzfunktion beitragen250 Milligramm täglich benötigt
Quelle: Verbraucherzentrale

Omega-3-Fettsäuren: Nahrungsergänzungsmittel: Fachleute decken falsche Behauptungen auf

Gerade im Internet haben die Verbraucherschützer:innen beobachtet, dass Produkte mit Omega-3 als „Schutz vor Brustkrebs oder Herzinfarkt und Schlaganfall“ sowie als „Hilfe bei Arthritis“ beworben werden. Hier stellen die Fachleute jedoch klar: „Omega-3-Fettsäure-haltige Nahrungs­ergänzungs­mittel sind jedoch Lebensmittel und nicht für die Behandlung von Krankheiten geeignet.“

Diese Argumentation entspricht auch der Sichtweise des Arztes Martin Smollich. In einer Übersichtsarbeit beschäftigte er sich mit Supplementen mit Omega-3-Fettsäuren. Im Fachblatt „Arzneiverordnung in der Praxis“ kommt der zu dem Schluss: „Die aktuelle Studienlage liefert keine Rationale dafür, die derzeit verfügbaren ω3FS-Supplemente [Omega-3-Fettsäuren; Anmerkung der Autorin] bei irgendeiner Patientengruppe zur Senkung des kardiovaskulären Risikos einzusetzen.

Lachs ist ein guter Lieferant für Omega-3-Fettsäuren - genauso wie Nüsse und Avocados.

Omega-3-Fettsäuren: „Kein Effekt“ von Nahrungsergänzungsmitteln auf Krebsprävention

Gleiches gilt für die Anwendung zur Prophylaxe oder Therapie von Demenzen, neurodegenerativen Erkrankungen, Depressionen, Tumorkachexie und für die unspezifische Anwendung bei kritisch Kranken.“ Auch Jürgen Schölmerich, Facharzt für Gastroenterologie und ehemaliger ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt, betont: „Es fand sich kein Effekt“ von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren auf die Prävention von Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen.

Es gibt sogar beworbene Wirkungen, die verboten wurden. Beispielsweise darf nicht behauptet werden, die Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren würden „beruhigend“ auf Kinder wirken oder die Konzentration fördern und die Lernfähigkeit unterstützen. Das geht aus einer Verordnung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften von 2009 hervor.

Omega-3-Fettsäuren können in überhöhten Mengen der Gesundheit schaden

Zu viel sollte von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3 nicht eingenommen werden, sonst drohen negative Folgen für die Gesundheit. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) erklärt eindringlich, dass „im Mittel nicht mehr als 1,5 g ungesättigte Omega-3 Fettsäuren (LC-n3) aus allen Quellen verzehrt werden“ sollen. Darüber hinaus sollen Lebensmittel, die üblicherweise keine Fette enthalten, nicht mit ungesättigten Omega-3 Fettsäuren angereichert werden. Denn durch diese Anreicherung sei das Risiko zur Überschreitung der üblichen Aufnahmemenge gegeben, heißt es vonseiten des BfR in seinem Statement von 2009.

Etwas weniger kritisch sieht es die Empfehlung der EFSA (European Food Safety Authority). In einem Statement von 2012 erklärt sie, „dass die tägliche zusätzliche Aufnahme von bis zu 5 g an EPA und DHA (kombiniert) für die Sicherheit der Allgemeinbevölkerung unbedenklich ist“. Dieser Wert gilt für gesunde Erwachsene. Auch sei ein Risiko von Blutungen bei einer täglichen Aufnahme von fünf Gramm täglich nicht erhöht.

Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren: Worauf Sie achten sollten

Gemäß der EFSA nehmen Erwachsene und Kinder im Durchschnitt bereits eine gewisse Menge an Omega-3-Fettsäuren pro Tag auf. Bei Erwachsenen liegt sie im Normalfall bei 400-500 Milligramm, wenn Nahrungsergänzungsmittel oder viel Fisch konsumiert werden bei 2.700 Milligramm pro Tag. Bei Kindern beträgt die Menge 320 Milligramm, beziehungsweise bei der Zugabe von ergänzenden Mitteln oder dem Verzehr von einer großen Menge Fisch bei 600 Milligramm täglich. Der eingenommene Wert liege folglich im Allgemeinen deutlich unter der empfohlenen von der EFSA Höchstmenge von fünf Gramm.

Eine Überdosierung mit Nahrungsergänzungsmitteln sollte dennoch unbedingt vermieden werden. Denn dadurch kann es auch nach Ansicht der „Verbraucherzentrale“ zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Eine Überdosierung von Omega-3-Fettsäuren kann folgende Nebenwirkungen hervorrufen:

  • Das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Übelkeit oder Erbrechen hervorrufen.
  • Bei Diabetikern kann die Blutzuckereinstellung erschwert und das Immunsystem negativ beeinflusst werden.
  • Gerade bei gesteigerter Aufnahme von EPA kann ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel hervorrufen werden.

Gerade bei älteren Menschen mit Diabetes kann eine Omega-3-Zugabe dann zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit führen. Daher wird geraten, bei einer vorliegenden Infektionskrankheit erst nach ärztlicher Rücksprache derlei Mittel einzunehmen. Grundsätzlich gilt, wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln: Unbedingt vorher mit dem eigenen Arzt oder Ärztin sprechen. Denn wie die Verbraucherzentrale betont: „Bei der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren sind Neben- und Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen – auch wenn sie nicht genannt werden müssen.“

Das könnte beispielsweise bei der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) in Verbindung mit künstlich zugeführten Omega-3-Fettsäuren der Fall sein. Auch bei der künstlichen Aufnahme von Vitamin D können schädliche Wirkungen für die Gesundheit hervorgerufen werden. Zu einer Rücksprache mit Mediziner:innen wird auch hier dringend geraten. (Sophia Lother)

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