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Ein Alptraum für Erdnuss-Allergiker: ein Sack voller Erdnüsse. Doch ein neues Medikament gibt Allergikern Hoffnung.

Medikament „Palforzia“

Medikament gegen Erdnuss-Allergie macht Hoffnung

Isst ein Allergiker auch nur kleinste Mengen einer Erdnuss, kann es zu Hautausschlag, Bauchkrämpfe und Atemnot kommen. Ein Medikament macht Menschen, die eine Erdnuss-Allergie haben, Hoffnung.

Update vom 17.09.2019: Eine Erdnuss essen - für Allergiker kommt das nicht in Frage, denn schon kleinste Mengen von Erdnüssen können eine allergische Reaktion auslösen. Und die hat es in sich: rote Stellen, Erbrechen, Atemnot - das alles kann eine kleine Erdnuss verursachen. Für Erdnuss-Allergiker ändert sich das Leben dramatisch, sie müssen bei jedem Lebensmittel darauf achten, dass keine Erdnüsse verwendet wurden.

Doch ein neues Medikament gegen die Erdnuss-Allergie verspricht nun Hoffnung: In einer internationalen Studie konnte das experimentelle Medikament zwei von drei Allergikern gegenüber Erdnuss-Produkten desensibilisieren. Das bedeutet nicht, dass der Körper nicht mehr allergisch ist - er kann nur besser mit den Allergenen umgehen. Mit dem Medikament für Erdnuss-Allergiker wird also im besten Fall ein anaphylaktischer Schock verhindert.

Nur kurze Zeit nach Veröffentlichung der Studie wurde das Produkt an die US-Behörde Food and Drug Administration (FDA) geschickt, die für die Zulassung von Medikamenten zuständig ist. Der Allergie-Ausschuss der FDA hat sich bereits für die Zulassung des Medikaments ausgesprochen. Das Medikament, dessen Name voraussichtlich „Palforzia“ sein wird, könnte bereits in den kommenden Monaten in den USA die Zulassung erhalten. Für Europa müsste der Hersteller jedoch noch eine eigene Zulassung für das Medikament gegen die Erdnuss-Allergie beantragen.

Medikament gegen Erdnussallergie - Forscher machen Hoffnung

Erstmeldung vom 23.05.2018: „Die erste Reaktion kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagt Matthias Kopp. Das Kind isst etwas, und plötzlich geht es los: Rote Stellen auf der Haut, das Kind kratzt sich. Es erbricht vielleicht oder bekommt auf einmal keine Luft mehr.

All das können Anzeichen einer Lebensmittelallergie sein. Gegen Erdnüsse oder Nüsse kommen sie besonders häufig vor. Ist ein Kind betroffen, verändert sich sein Leben - und auch das der Eltern.

„Wann und wie sich der Körper gegen ein Allergen sensibilisiert und das als gefährlich einstuft, bekommt man nicht mit“, erklärt Kopp, der die Kinderpneumologie und -allergologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck leitet. Deswegen sind die meisten nicht auf die erste allergische Reaktion vorbereitet.

Erdnuss-Allergie: Es kann zum anaphylaktischen Schock kommen

Schlimmstenfalls kommt es zum anaphylaktischen Schock. Er beginnt in vielen Fällen mit einer Hautreaktion, erklärt Sabine Schnadt, Nahrungsmittelallergie-Expertin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). „Es kann zu Rötungen, Schwellungen und Juckreiz kommen. In der Regel sind mehrere Organsysteme gleichzeitig oder nacheinander betroffen.“

Im Magen-Darm-Bereich sind typische Symptome Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und heftige Bauchkrämpfe. Lebensbedrohlich wird es, wenn die Atemwege betroffen sind, dann kann es zu einem Asthmaanfall und im schlimmsten Fall zum Atemstillstand kommen.

Allergie gegen Erdnüsse beim Kind: Wie Eltern handeln sollten

Reagiert ein Kind erstmalig auf diese Weise, nachdem es Nüsse gegessen hat, sollten Eltern rasch handeln, sagt Allergologe Kopp. Er rät, zu schauen: Welche Symptome sind da? Ein Engegefühl im Hals? Verändert sich die Sprache, speicheln die Kinder oder klagen über Schwindelgefühl? In so einer Situation sollte man sofort den Notarzt rufen und auf Hilfe warten. Keinesfalls sollten sich die Eltern selbst ans Steuer setzen.

Ist dem Kind erstmal geholfen, steht die Diagnose an. „Goldstandard“ ist laut Kopp ein aufwendiger Test in der Klinik, wo das Kind kleinste Allergenmengen unter genauer Überwachung isst. Stellt sich dabei heraus, dass der Körper tatsächlich auf Erdnuss oder Nüsse reagiert, sind sie ab sofort tabu.

Bei vielen Eltern löst das erst einmal Sorge aus, weiß die Berliner Kinderärztin Ute Staden. Sie schult Eltern und Kinder beim „Förderkreis Schulung chronisch kranker Kinder“ im Umgang mit Nahrungsmittelallergien. „Ins Restaurant gehen oder das Kind zu einer Geburtstagsparty schicken, das kommt einem alles erstmal wie ein Risiko vor. Aber es ist ja alles handelbar.“

Blick auf die Zutatenliste: Erdnüsse müssen gekennzeichnet werden

Der Blick auf Zutatenlisten wird zur Gewohnheit: Erdnuss und Schalenfrüchte sind Allergene, die gekennzeichnet werden müssen. Viele Hersteller drucken außerdem Hinweise wie „Kann Spuren von Schalenfrüchten enthalten“ auf die Verpackung. Solch ein Spurenhinweis sei allerdings freiwillig. Im Zweifel sollten Eltern direkt beim Hersteller nachfragen. Denn schon kleine Krümel können gefährlich sein.

Nussallergiker sollten deshalb ihre Notfallmedikamente immer bei sich haben. Eine Adrenalinspritze erweitert die Atemwege und verengt die Blutgefäße. In Schulungen lernen Eltern und mit zunehmendem Alter auch die Kinder und Jugendlichen den Umgang damit.

Allergie gegen Erdnuss

Die Kinder sollten die Symptome kennen und wissen: „Ich muss Hilfe holen und zögere nicht lange“, sagt Schulungsleiterin Staden. Erzieher und Lehrer gehören mit ins Boot. Sie sollten über Essensregeln Bescheid wissen und im Ernstfall das Adrenalin verabreichen können. „Die Angst, dass man was falsch machen kann, ist nicht berechtigt. Und das Betreuungspersonal ist gesetzlich durch die Unfallversicherung abgesichert.“ Sie rät Eltern deshalb, das Thema offen und ruhig bei Erziehern und Lehrern anzusprechen. (dpa/tab)

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