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Krebs: Nahrungsergänzungsmittel können Therapie beeinflussen

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Von: Nadja Austel

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Krebspatient:innen sollten nichts einnehmen, was nicht mit den Ärzt:innen abgesprochen ist, warnt das Deutsche Krebsforschungszentrum. (Symbolbild) © IMAGO/Xavier Lorenzo

Krebszellen können durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gegen die Krebstherapie resistent werden. Das zeigt eine neue Studie der Hochschule Fulda.

Fulda – Wer Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt, will der Gesundheit normalerweise etwas Gutes tun. Vitamine und Mineralstoffe spielen in der gesunden Ernährung eine bedeutende Rolle: Vitamin C für die Immunabwehr, Magnesium für die Muskeln, Eisen für die Blutbildung. Der Gedanke, dem Körper während einer Krebsbehandlung mit Supplementen unter die Arme greifen zu wollen, erscheint daher zunächst einleuchtend.

Doch tatsächlich gibt es laut Forschenden der Hochschule Fulda aktuell keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass sich die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln während einer Krebsbehandlung positiv auf den Therapieverlauf auswirkt. Das Gegenteil scheine der Fall zu sein: In der Literatur finden sich demnach Hinweise auf negative Wechselwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln mit einer Krebstherapie. 

Nahrungsergänzungsmittel gegen Nebenwirkungen der Krebstherapie

Zu diesem Ergebnis kommen sie in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie im Wissenschaftsjournal Antioxidants. Mehr als 19 Millionen Menschen weltweit erkrankten im Jahr 2020 an Krebs, so die Autoren. Durch Früherkennung und effektivere Behandlungsmethoden würden sich viele Krebsarten inzwischen gut behandeln lassen.

Doch mit den Krebstherapien gingen oftmals Nebenwirkungen einher. In der Hoffnung auf deren Linderung würden viele Krebspatient:innen eigenverantwortlich auf alternative Medizin und Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen – oft ohne diese mit ihren behandelnden Ärzt:innen abzusprechen. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Mineralien und Antioxidantien sind demnach weit verbreitet.

Nahrungsergänzungsmittel: Einnahme unter Krebspatient:innen weit verbreitet

Professor Marc Birringer und Paula Krejbich aus dem Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda analysierten 37 Studien mit jeweils mehr als 1000 Krebspatient:innen. Sie fokussierten sich dabei auf die Fragen: Wie häufig nehmen Krebspatient:innen welche Nahrungsergänzungsmittel ein? Und: Gibt es Hinweise darauf, dass Nahrungsergänzungsmittel die Krebstherapien beeinflussen? 

Sie fanden heraus, dass bis zu 77 Prozent der Krebspatient:innen aus den analysierten Studien nach ihrer Diagnose Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen. Besonders weit verbreitet sei die Einnahme von Multivitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Vor allem die Gruppe der Antioxidantien zeigt mit einer Verwendung von bis zu 80 Prozent der Studienteilnehmer:innen eine enorme Verbreitung.

Krebstherapie durch Nahrungsergänzungsmittel beeinträchtigt?

Gerade die bergen laut den Forschenden jedoch ungeahnte Risiken: Viele der etablierten Krebstherapien bekämpfen Krebszellen mit der Erzeugung von oxidativem Stress. Nahrungsergänzungsmittel – insbesondere Antioxidantien, die gesunde Zellen vor oxidativem Stress schützen – können einen zellulären Abwehrmechanismus gegen oxidativen Stress bewirken. Auf diese Weise können die Nahrungsergänzungsmittel zur Resistenz von Krebszellen beitragen.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln der Krebspatient:innen findet laut Studie häufig während der Krebstherapie und nur selten nach Rücksprache mit dem medizinischen Fachpersonal statt. Viele Patient:innen bringen ihre Behandlung daher möglicherweise in Gefahr – und das auch noch ganz ohne Erfolgsaussichten.

Nahrungsmittelergänzung bei Krebstherapie: Das Wichtigste in Kürze

Quellen: Studie Birringer und Krejbich im Wissenschaftsjournal Antioxidants, Deutsches Krebsforschungszentrum

Nahrungsergänzungsmittel: „Keine Hinweise auf einen positiven Nutzen“ bei Krebstherapie

„Wir haben keine Hinweise auf einen positiven Nutzen durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Supplementen während einer Krebsbehandlung finden können, aber Anzeichen für Wechselwirkungen bis hin zu reduzierten Lebenserwartungen“, betonen die beiden Forschenden. Mit Blick auf den hohen Prozentsatz an Krebspatient:innen, die Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, empfehlen sie, das Bewusstsein für mögliche Wechselwirkungen auch beim medizinischen Fachpersonal zu stärken.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt daher vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in Eigenregie. Für Krebspatient:innen gelte: Nichts einnehmen, was nicht mit den Ärzt:innen abgesprochen ist. Selbst scheinbar harmlose rezeptfreie Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel könnten Substanzen enthalten, die im Zusammenspiel mit den verordneten Medikamenten unerwünschte Folgen und Wechselwirkungen haben. (Nadja Austel)

Hinweis der Redaktion: Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

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