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„Krebs ist die beste Art zu sterben“

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Darmkrebszellen unter einem Mikroskop. Nach Herz-Kreislauferkrankungen ist Krebs die häufigste Todesursache in Deutschland.
Darmkrebszellen unter einem Mikroskop. Nach Herz-Kreislauferkrankungen ist Krebs die häufigste Todesursache in Deutschland. © dpa

Wir sollten darüber nachdenken, wie wir sterben wollen, meint ein britischer Mediziner. Mit seiner provokanten These, Krebs sei die beste Art zu sterben, hat er eine Debatte ausgelöst. Mit einer Krebsdiagnose habe man Zeit, sich von seinen Liebsten zu verabschieden.

Er frage seine Zuhörer oft, wie sie sterben wollen, schreibt Richard Smith in einem Blogeintrag für das renommierte British Medical Journal (BMJ). Die meisten Menschen bevorzugten einen plötzlichen Tod. Das sei für einen selbst zwar ganz in Ordnung, doch für die Angehörigen sei ein solcher Tod sehr hart. Insbesondere, wenn man in einer engen Beziehung nicht miteinander im Reinen gewesen sei.

Smith ist nicht irgendein Arzt, deshalb findet seine provokante These Gehör. Bis 2004 war er Herausgeber des BMJ, heute ist er Honorarprofessor an der britischen University of Warwick. Er ist Direktor der Ovations Initiative, einer Organisation, die chronische Krankheiten in Entwicklungsländern bekämpft und Vorstandsvorsitzender von Patients Know Best, einem sicherem Netzwerk, in dem Patienten ihre Krankenakten selbst verwalten und Experten zugänglich machen können.

Was ist die beste Art zu sterben?

Was also ist die beste Art zu sterben? Der Mediziner unterscheidet vier wesentliche Todesarten:

Erstens: Der plötzliche Tod, zum Beispiel durch einen Unfall.

Zweitens: Der schleichende Tod durch Demenz. An Demenz zu sterben sei möglicherweise am Schrecklichsten, resümiert Smith, weil man durch die Krankheit langsam ausgelöscht werde.

Drittens: Der Tod durch Organversagen, verbunden mit vielen Aufs und Abs. Versagen die Atemwege, das Herz oder die Nieren, erfordere das lange Krankenhausaufenthalte, in denen man in den Händen von Ärzten sei.

Krebs, die vierte Art zu sterben, sei nach dieser Abwägung die beste, so Smiths Fazit. Man könne sich verabschieden, Nachrichten hinterlassen, vielleicht besondere Orte zum letzten Mal besuchen, seine Lieblingsmusik hören und sich entsprechend seinem Glauben vorbereiten.

„Mit Liebe, Morphium und Whiskey“

Das sei zwar ein romantischer Blick auf das Sterben, gibt Smith zu. Doch ein solcher Tod sei machbar „mit Liebe, Morphium und Whiskey“.

„Aber halten Sie sich von überehrgeizigen Onkologen fern, und lassen Sie uns aufhören Milliarden zu verschwenden, um den Krebs zu heilen und uns womöglich einem viel schlimmeren Tod auszuliefern“, schließt er seinen Beitrag.

Es ist nicht erstaunlich, dass Smiths Thesen im Netz starken Widerspruch hervorrufen. Bereits unter seinem Blogeintrag hagelt es harsche Kritik. Menschen, die den Krebstod eines engen Angehörigen miterlebt haben, empfinden die Aussage, Krebs sei die beste Art zu sterben, grotesk.

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