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Kopfschmerzen und Migräne müssen genau diagnostiziert werden – dann kann das passende Medikament Linderung schaffen.

Kopfschmerz:

Volksleiden auf dem Vormarsch

Kopfschmerzen sind weitverbreitet. Jeder vierte Deutsche ist davon regelmäßig betroffen. Eine Fachstudie der Barmer Ersatzkasse zeigt: Immer mehr junge Menschen leiden an Kopfschmerzen. Und viele davon unter der schweren Variante – der Migräne.

Körperlich und seelisch belastend

Auch wenn wohl jeder damit schon eigene Erfahrungen gemacht hat: Kopfschmerzen werden oft nicht ernst genommen. Sie gelten als Ausrede, um der Arbeit fernzubleiben oder eine unangenehme Tätigkeit aufzuschieben. Aber das ist falsch: Kopfschmerzen sind ein reales Problem. Die schwere Form Migräne ist sogar eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Warum immer mehr junge Menschen an Kopfschmerzen leiden, ist laut einem relevanten Arztreport noch nicht ermittelt. Es ist aber wichtig, darüber zu sprechen und wegen der Beschwerden zum Arzt gehen: 1,3 Millionen junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren suchten 2016 laut der Studie fachlichen Rat, weil sie stechende oder pochende Kopfschmerzen verspüren.

Genau Diagnose nötig

Und damit haben sie – anders als viele sonstige Betroffene – genau richtig gehandelt: Es gibt viele verschiedene Formen von Kopfschmerzen, die sich nur dann wirksam therapieren lassen, wenn sie genau diagnostiziert werden. Sind Stress oder Verspannung Ursache des pochenden Stechens? Oder sogenannter Cluster-Kopfschmerz oder sekundärer Kopfschmerz? Nur der Facharzt kann nach entsprechender Untersuchung das passende Medikament verordnen und damit dauerhaft Hilfe bieten.

Allerdings greifen viele Menschen vorschnell selbst zu Schmerzmitteln – eine repräsentative Untersuchung zeigt, dass 58 Prozent der unter Kopfschmerzen Leidenden kurzerhand irgendein Schmerzmittel schlucken. Doch eine solche Selbstmedikation ist riskant: Einerseits kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen, andererseits können nicht zur Krankheitsursache passende Schmerzmittel ihrerseits Kopfschmerzen auslösen und weitere unerwünschte Auswirkungen haben.

Neue Perspektiven bei Migräne

Der Facharzt kann inzwischen auch Betroffenen helfen, die unter starken Migräneattacken leiden, mitunter an bis zu 15 Tagen im Monat und mehr. Treten die Schmerzschübe häufig auf, kann die neuartige Migränespritze verschrieben werden – der vorbeugend verabreichte Wirkstoff Erenumab bietet die Chance, die Anzahl der Attacken spürbar zu reduzieren. „Bei den meisten ist die Häufigkeit der Anfälle, also die Anzahl der Migränetage pro Monat, deutlich zurückgegangen, oft um fünf bis sieben Tage, also oft um die Hälfte oder mehr“, hat Dr. Andreas Böger beobachtet, Chefarzt an der DRK-Schmerzklinik in Kassel.

Allerdings wird das entsprechende Präparat erst dann verschrieben, wenn keine andere Therapie Abhilfe schaffen kann. Erenumab hat sich besonders im Zusammenspiel mit klassischen Migräne-Präparaten wie Triptane als wirksam erwiesen: „Die Intensität der Attacken nimmt ab, und die Ansprache auf Triptane, ein Akutmittel bei Migräne, das ja weiterhin im Anfall genommen werden muss, verbessert sich“, so der Migräne-Experte.

Prävention durch gesunden Lebensstil

Allerdings setzt Dr. Böger keineswegs allein auf Medikamente. Auch die Migräne-Patienten selbst können einiges tun, um Attacken vorzubeugen. „Hier hat sich eine Ernährung als vorteilhaft erwiesen, die auf geringe Blutzuckerschwankungen abzielt, hochwertige Fettsäuren enthält und bei der man Alkohol meidet“, erklärt Dr. Böger. „Auch regelmäßiger Ausdauersport hilft, ebenso ein geregelter Lebensrhythmus mit wenig negativem Stress.“ Auch andere mögliche Auslöser-Faktoren wie flackerndes oder blaues Licht sollten gemieden werden.

Wer häufiger oder gar regelmäßig unter Migräne leidet, wird solchem Rat gern nachkommen. Und die immerhin 800.000 Deutschen, die unter schwerer Migräne leiden, werden für die Perspektive dankbar sein, die die neue Migränespritze bietet. Dr. Böger betont: „Auch diese neue Therapie kann Migräne nicht heilen, aber als Prophylaxe ist sie sehr gut wirksam. 80 Prozent der von uns behandelten Patienten profitieren davon und erfahren insgesamt einen großen Gewinn an Lebensqualität.“ Eine Botschaft, auf die viele Betroffene jahrelang gewartet haben.

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