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Hunderttausende haben potenziell tödliche Krankheit - ohne Symptome

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Von: Isabel Wetzel

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Es verursacht keine Beschwerden, aber wenn es reißt, kann es tödlich sein: Ein Bauchaortenaneurysma ist wie eine tickende Zeitbombe im eigenen Körper.

Frankfurt – Gerade noch kerngesund und im nächsten Moment im erbitterten Kampf um das Leben: So kann es Menschen gehen, die an einem Bauchaortenaneurysma leiden. In Deutschland sind das deutlich mehr, als man denkt – und die meisten wissen gar nicht um die Gefahr, in der sie schweben.

Denn die Tücke der potenziell tödlichen Erkrankung: Sie verläuft in den meisten Fällen ohne Symptome. Sobald Beschwerden auftreten, ist es oft schon ein lebensbedrohlicher Notfall. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Krankheit, die in Großbritannien auch als „the silent killer“, also „der stille Mörder“, bezeichnet wird? Das Wichtigste im Überblick.

Gefährliche, stille Krankheit: Was ist ein Bauchaortenaneurysma?

Ein Aneurysma an der Bauchschlagader ist eine Schwellung oder Ausbeulung. Normalerweise hat die Bauchschlagader einen Durchmesser von zwei Zentimetern. Bildet sich an einer Stelle eine Ausbuchtung von mehr als drei Zentimetern, spricht man von einem Bauchaortenaneurysma. In der Regel ist ein Aneurysma harmlos. Dehnt es sich allerdings weiter aus, droht die Aorta zu platzen. Und dann wird es lebensbedrohlich, eine Notoperation ist unumgänglich.

Weil ein Bauchaortenaneurysma häufig ohne Symptome bleibt, wird es oft nur durch Zufall oder bei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. (Symbolfoto)
Weil ein Bauchaortenaneurysma häufig ohne Symptome bleibt, wird es oft nur durch Zufall oder bei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. (Symbolfoto) © Image Source/Imago

Wie entsteht ein Bauchaortenaneurysma? Und wer ist betroffen?

Ein Aneurysma entsteht dann, wenn die Elastizität der Aorta abnimmt oder die Gefäßwand durch eine Verhärtung oder Verengung geschwächt wird, erklärt das Bundesgesundheitsministerium in einer Bürgerinformation. Das passiert zum Beispiel durch den natürlichen Alterungsprozess, aber auch durch starke Beanspruchung wie beispielsweise durch Bluthochdruck. Etwa zwei Prozent aller Männer zwischen 65 und 75 Jahren haben laut Gesundheitsministerium ein Aneurysma in der Bauchschlagader. Bei Frauen kommt es deutlich seltener vor.

Wie bei zahlreichen anderen Krankheiten fördert auch Rauchen das Risiko, an einem Bauchaortenaneurysma zu erkranken. Trotz der zahlreichen gesundheitlichen Risiken fehlt offenbar vielen Deutschen weiterhin das Bewusstsein für die Schädlichkeit des Rauchens, warnt der Frankfurter Mediziner Gernot Rohde. Aber auch Faktoren, die nicht beeinflussbar sind, wie genetische Veranlagung oder Verletzungen der Aorta, zum Beispiel nach einem schweren Autounfall, können ein Bauchaortenaneurysma auslösen.

Tödliches Bauchaortenaneurysma: Die Risikofaktoren im Überblick

Aneurysmas an der Bauchschlagader: Was sind die häufigsten Symptome?

Zahlreiche Betroffene haben bei einem Bauchaortenaneurysma überhaupt keine Symptome. Genau das macht die Krankheit auch so schwer erkennbar. In seltenen Fällen, wenn das Aneurysma bereits stark geschwollen ist, merken die Patient:innen ein Pulsieren im Bauch oder haben Schmerzen im Bauch oder Rücken.

Erst wenn das Aneurysma „rupturiert“, wie Fachleute es beschreiben, kommt es urplötzlich zu massiven Beschwerden. Die Bauchschlagader reißt dann auf oder platzt. Es kommt innerhalb kurzer Zeit zu einem starken Blutverlust und die Patient:innen haben starke Schmerzen, der Blutdruck sackt stark ab bis hin zu Schwindel und Bewusstlosigkeit. Dann ist schnelles Handeln das A und O. Das Risiko ist umso höher, desto größer das Aneurysma ist oder desto schneller es wächst.

Geplatztes Aneurysma wird zur tödlichen Gefahr: Das sind die Symptome

Aneurysmen erkennen: Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen können helfen

Weil sie oft symptomlos sind, bleiben zahlreiche Aneurysmen an der Bauchschlagader unentdeckt. Viele werden nur durch Zufall erkannt, weil Patient:innen beispielsweise wegen Gallensteinen behandelt werden. Bei einer Ultraschalluntersuchung zur Vorsorge bestimmt der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin den Durchmesser der Bauchaorta. Liegt eine Ausbeulung von mindestens drei Zentimetern vor, spricht man von einem Aneurysma.

Seit 2018 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei der größten Risikogruppe – Männern über 65 – die Kosten für ein Ultraschallscreening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Wurde eine Ausbuchtung entdeckt, können die Ärzt:innen dann zusätzlich ein CT oder MRT anordnen, um die Größe des Aneurysmas zu prüfen.

Bauchaortenaneurysma: Wie sieht die Behandlung aus?

Es gibt keine pauschale Antwort darauf, wie ein Bauchaortenaneurysma behandelt wird, sobald es entdeckt wurde. Kleinere Aneurysmen sollten zunächst vor allem beobachtet werden, da sie in vielen Fällen keine Probleme bereiten, erklärt Prof. Dr. Arend Billing von der Gefäßchirurgie im Sana Klinikum Offenbach. Ist das Bauchaortenaneurysma allerdings schon größer als fünf Zentimeter, empfehlen die Fachleute möglicherweise eine Operation.

Die Risiken einer Operation müssen in Absprache mit Expert:innen gegen das Risiko abgewogen werden, dass das Aneurysma plötzlich reißt. Hierbei kann es auch zu sogenannten „Überdiagnosen“ kommen, bei denen Aneurysmen operiert werden, die möglicherweise nie gesundheitliche Probleme bereitet hätten. (iwe)

Hinweis der Redaktion

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

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