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Schwerhörigkeit und Demenz: Was die Ohren über das Risiko aussagen

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Einen Satz mal nicht zu verstehen, stellt kein Problem dar. Doch wenn dies häufiger vorkommt, kann das an Demenz liegen. Das sind die Zusammenhänge.

Frankfurt – Die weltweite Demenz-Forschung ist sich mittlerweile einig: Psychiater:innen, HNO-Ärzt:innen und Neurolog:innen zeichnen eine direkte Verbindung zwischen dem Verlust des Hörens und einer Demenzerkrankung. Mehrere Studien aus den USA und Deutschland kommen zum gleichen Ergebnis.

Laut einer Studie der Leipziger Universität stellen „Hörbeeinträchtigungen ein weitaus höheres Risiko für eine Demenzerkrankung dar, als Sehstörungen“. Insgesamt 30 Prozent der 3.500 teilnehmenden Rentner:innen klagten am Anfang der Studie über vermindertes Hören – rund ein Viertel der Teilnehmenden erkrankten im Laufe der Studienzeit an Demenz. „Das Erkrankungsrisiko an Demenz ist mit einer Hörminderung um 16 Prozent erhöht“, sagte Studienautor Dr. Alexander Pabst.

Altersschwerhörigkeit: Warum hören wir schlechter, wenn wir älter werden?

Laut dem Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte nehme die Leistungsfähigkeit beider Ohren ab dem 50. Lebensjahr ab. „Dies ist vor allem auf Verschleißerscheinungen an den Haarzellen des Innenohres zurückzuführen, aber auch der Hörnerv und das Hörzentrum werden durch den Alterungsprozess beeinträchtigt“, schreibt der Berufsverband auf seiner Website.

Die Symptome seien dabei anfangs sehr schleichend und reichen vom Verlust der Wahrnehmung hoher Töne bis zum erschwerten Folgen eines Gesprächs in einem lauten Umfeld. Die Auswirkung auf die Gesundheit verschlimmert sich rasch. Viele Geräusche werden als schmerzhaft wahrgenommen. Oftmals ist auch ein Tinnitus eine Folge der Altersschwerhörigkeit.

Alter Mann im Pflegeheim Heidelberg Deutschland
Studien zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Demenz. (Symbolbild) © Ute Grabowsky/imago-images

Demenz durch schwache Ohren: Wie beeinflusst ein schlechtes Gehör unser Gehirn?

Ein Forschungsteam der Columbia Universität schreibt in einem Papier, das es im vergangenen September veröffentlichte, „Gehörverlust hat die Rückbildung des vorderen Hirnbereichs und eine Deregulierung der kognitiven Netzwerke zur Folge.“ Das Gehirn müsse sich, aufgrund der Schwerhörigkeit, viel mehr darauf konzentrieren, das Gehörte überhaupt wahrzunehmen und könne die übermittelten Informationen nicht mehr aufnehmen. Darüber hinaus gibt es weitere Symptome, die eine Demenzerkrankung signalisieren.

Zudem beeinflusst eine Schwerhörigkeit die soziale Interaktion und kann zu Vereinsamung führen. Die dadurch mögliche resultierende Depression kann zu einer weiteren Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten führen.

Hörgeräten gegen Schwerhörigkeit: Prävention gegen Demenz?

Doch was ist zu tun, wenn eine Schwerhörigkeit festgestellt wird? Die Studie der Johns Hopkins Universität empfiehlt, dass „Hörverlust, mit einem Hörgerät adressiert werden sollte“, um die bereits beschriebenen Folgen zu vermeiden. Außerdem wirke sich eine „Lebensweise mit vielen sozialen Kontakten“ positiv aus.

„Eine gesunde Ernährung, gute Einstellung des Blutdrucks und des Blutzuckers bei entsprechenden Erkrankungen können einen nachhaltigen positiven Effekt auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben“, fügen die Expert:innen aus Leipzig hinzu. Zudem lässt sich durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung das Demenzrisiko verringern. Alle Studien kommen aber zum Ergebnis, es seien weitere Untersuchungen nötig, um nachzuweisen, dass eine Behandlung der Schwerhörigkeit die Rückbildung des vorderen Hirnbereichs verhindert und somit eine neurologische Erholung bedeute. (Patryk Kubocz)

Nicht nur die Schwerhörigkeit, sondern auch das Geschlecht beeinflusst das Demenzrisiko. Forscher:innen haben festgestellt, Frauen erkranken häufiger an Demenz als Männer.

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