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Sonnenbrand kann zu Hautkrebs führen - die Zahl der Erkrankten steigt an.

Hautkrebs

Ist der Klimawandel der Grund für mehr Hautkrebs-Erkrankungen?

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Die Zahl der Behandlungen wegen Hautkrebs steigt stark an. Die Krankenkasse KKH vermutet, dass auch der Klimawandel etwas damit zu tun hat.

Sommer, Strand und Sonnenbaden gehören für viele Menschen zusammen wie der Weihnachtsbaum zu Heiligabend. Die Freiluftsaison bietet aber nicht nur Erholung und Vergnügen, sie birgt auch gesundheitliche Risiken. Vor allem die Spätfolgen heftiger Sonnenbrände werden unterschätzt, wie die seit Jahren stark steigenden Hautkrebserkrankungen belegen. 

Eines nämlich ist den ansonsten sehr unterschiedlichen Formen des Hautkrebses gemein: Wesentlicher Risikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne: Je intensiver und anhaltender die Haut den ultravioletten Strahlen ausgesetzt ist, desto höher ist das Risiko einer Hautkrebserkrankung.

Nach einer Erhebung der KKH ist die Zahl der Hautkrebserkrankungen in den vergangenen zehn Jahren rapide gestiegen. Die Krankenkasse nennt den Klimawandel als einen möglichen Grund für den erschreckenden Trend. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) sieht dagegen keinen direkten Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Krebshäufigkeit. 

„Die Intensität des UV-Lichts hängt nicht von der Temperatur ab, sondern zum Beispiel von der Höhe in der man ihm ausgesetzt ist und von der Wolkenbildung“, sagt Jochen Sven Utikal, Leiter der Hautkrebseinheit beim DKFZ und bei der Universitätsmedizin Mannheim. Wanderer und Skifahrer hätten deshalb ein besonders hohes Risiko, einen Sonnenbrand und im Verlauf des Lebens Hautkrebs zu bekommen.

Hautkrebs: Starker Anstieg der Fälle

In der Bundesrepublik ist die Haut mit rund 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr das menschliche Organ, das am häufigsten von Krebs betroffen ist. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl der Hautkrebsbehandlungen im Krankenhaus zwischen 2011 und 2015 um 17 Prozent auf 100.400 Fälle an. 74.200 Operationen dienten dem Entfernen befallen Gewebes, 56 300 Mal wurden Hautpartien transplantiert. 57 Prozent der stationären Behandlungen entfielen auf Männer. Dabei bilden die Klinikaufenthalte nur einen Teil des Geschehens ab. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe verdoppelt sich die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland je nach Krebs-Typ alle zehn bis 15 Jahre.

Der helle Hautkrebs

Unter diese Kategorie fallen das so genannte Basalzellkarzinom sowie das Plattenepithelkarzinom (auch Stachelzellkarzinom). Beide Krebsarten werden durch starke Sonneneinstrahlung über viele Jahre hinweg begünstigt. Risikofaktor Nummer eins ist – neben einer langjährigen beruflichen Tätigkeit im Freien – das veränderte Freizeitverhalten, vor allem intensives Sonnenbaden und regelmäßige Besuche im Solarium. Dabei ist die gesamte, im Verlauf eines Lebens aufgenommene UV-Strahlung maßgeblich für das Erkrankungsrisiko: „Die Haut vergisst nicht“ lautet ein Merksatz der Dermatologie.

Nach aktuellen Zahlen der Krankenkasse KKH erhielten 2017 145 Prozent mehr Menschen die Diagnose weißer Hautkrebs als 2007.

Die häufigste Hautkrebs-Form: Das Basalzellkarzinom

Mit jährlich mehr als 150 000 Neuerkrankungen in Deutschland ist das Basalzellkarzinom die häufigste Form des Hautkrebses. Wegen der zentralen Rolle der UV-Gesamtbelastung tritt die Erkrankung meist erst in fortgeschrittenem Alter auf. Im Schnitt sind Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose 60 Jahre alt. Betroffen sind meist Hautpartien, die besonders der Sonne ausgesetzt sind: Dazu zählen das Gesicht, die Ohren, der Nacken und die Hände. Neben der UV-Belastung spielt der Hauttyp eine wesentliche Rolle: Menschen mit heller Haut, blonden oder roten Haaren tragen ein vielfach höheres Risiko als dunkle Hauttypen.

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Das Plattenepithelkarzinom

Risikofaktoren, betroffene Hautpartien und Durchschnittsalter der Patienten sind im Wesentlichen die gleichen wie beim Basalzellkarzinom. Zentraler Unterschied: Das Plattenepithelkarzinom kann unbehandelt Metastasen auf der Haut bilden. Meist sind zunächst benachbarte Hautpartien betroffen. Lebenswichtige Organe bleiben vom Plattenepithelkarzinom aber verschont. Die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland liegt laut Krebshilfe bei jährlich fast 85 000 Personen.

Der schwarze Hautkrebs

Das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) ist die mit Abstand bösartigste Tumorerkrankung der Haut. Unbehandelt durchdringt sie die Lederhaut, kann Lymphknoten und lebenswichtige Organe befallen und führt in diesem Stadium meist zum Tode. In Deutschland erliegen jährlich 3000 Menschen dem malignen Melanom, die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt bei rund 31 000. Nach Angaben der KKH erhielten 2017 87 Prozent mehr Menschen die Diagnose schwarzer Hautkrebs als 2007.

Anders als beim hellen Hautkrebs spielt nicht eine anhaltende UV-Belastung, sondern kurze extreme Sonneneinstrahlung eine wichtige Rolle für den Ausbruch der Krankheit. So lassen starke Sonnenbrände in der Kindheit das Risiko um das Zwei- bis Dreifache ansteigen. Menschen mit hellem Hauttyp, blonden oder roten Haaren, einer Neigung zu Sommersprossen und Erkrankungsfällen in der Verwandtschaft tragen laut Krebshilfe ein bis zum hundertfachen erhöhtes Risiko, ein malignes Melanom zu entwickeln.

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Heilungschancen bei Hautkrebs

Die gute Nachricht lautet: Wird der Krebs früh erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Bei den hellen Hautkrebstypen liegt die Rate zwischen 95 und 100 Prozent. Selbst das maligne Melanom ist in frühen Stadien sehr gut behandelbar und kann ohne nennenswertes Rückfallrisiko operativ entfernt werden. Hat sich das Melanom aber bereits über die Lederhaut hinaus ausgebreitet, sinken die Heilungschancen rapide, da sich der Krebs dann über die Blut- und Lymphgefäße im ganzen Körper ausbreiten kann.

Sind Lunge, Leber oder Gehirn betroffen, ist die Prognose äußerst schlecht: Fast alle Patienten erliegen dann der Erkrankung. Das zeigt sich auch in den Überlebensraten: Zehn Jahre nach der Diagnose „schwarzer Hautkrebs“ leben noch 75 bis 80 Prozent der Patienten. Hat sich der Krebs bereits im Körper mit Metastasen ausgebreitet, sind nach zehn Jahren nur noch 20 bis 50 Prozent der Betroffenen am Leben. Bei Tochtergeschwulsten in anderen Organen beträgt die Lebenserwartung ohne Behandlung im Schnitt nur mehr sechs bis neun Monate.

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Hautkrebs-Prävention

Die beste Vorbeugemaßnahme ist das Vermeiden von Sonnenbränden und dauerhafter intensiver Sonneneinstrahlung. Cremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor, Sonnenhüte und Textilien helfen. Zudem werden für Erwachsene regelmäßige hautärztliche Untersuchungen empfohlen. (mit tab/dpa)

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