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Der regelmäßige Stich ist bei Typ 1 Patientenalltag.

Vitamin D

Häufiger Mangel bei Diabetikern

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Langzeitstudien sollen zeigen, ob und wann eine Dauertherapie mit Vitamin D bei der Behandlung von Diabetes angezeigt ist.

Dass Diabetes mellitus Nerven und Gefäße schädigen kann, wissen viele Menschen. Weniger bekannt sind das erhöhte Risiko für Osteoporose und der verbreitete Vitamin-D-Mangel bei Diabetikern – wobei es zwischen beiden jeweils auch einen Zusammenhang gibt: Denn viele Mediziner sehen einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel als Risikofaktor für etliche chronische Erkrankungen an, als gesichert gelten umgekehrt die positiven Auswirkungen von Vitamin D auf den Knochenstoffwechsel.

In der Wissenschaft ist der Einfluss von Vitamin-D-Mangel sowohl auf Typ-1- und Typ-2-Diabetes derzeit ein großes Thema: „Es gibt eine starke Zunahme bei den Publikationen“, sagt Klaus Badenhoop, Leiter des Schwerpunkts Diabetologie/Endokrinologie der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Frankfurt, und spricht von rund 350 klinischen Studien weltweit, die sich damit befassen.

Das fettlösliche Vitamin D ähnelt chemisch Schilddrüsen-, Nebennieren- und Geschlechtshormonen und ist an vielen Vorgängen in den Zellen beteiligt. So greift es regulierend in Immunprozesse ein, steuert das Wachstum und die Differenzierung von Zellen und beeinflusst den Zuckerhaushalt. Unter den Vitaminen hat Vitamin D eine Sonderstellung inne: Der Körper kann es über die Haut selbst herstellen, wo durch den Einfluss von UV-B-Strahlung im Sonnenlicht Vorläufer des Vitamins entstehen, die dann in der Leber umgewandelt und schließlich in der Niere aktiviert werden. Nur etwa zehn bis 20 Prozent des Bedarfs an Vitamin D können allerdings über die Nahrung gedeckt werden, wo es zudem nur begrenzt vorkommt – am höchsten ist die Konzentration in fetthaltigem Fisch, Rinderleber, Eigelb und Pilzen. Um den – aktuell nach oben gesetzten – optimalen Serumspiegel von 30 bis 50 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) zu erreichen, müsse man insbesondere in den Wintermonaten „große Mengen“ dieser Lebensmittel verzehren, sagt Klaus Badenhoop.

In den Industrieländern ist ein Mangel an Vitamin D verbreitet, weil viele Menschen sich nicht mehr genug im Freien aufhalten – vor allem nicht in den Wintermonaten. Überdurchschnittlich häufig kommt der Mangel bei Diabetes vor, mehr als 90 Prozent der Patienten litten darunter, sagt Badenhoop. Das könne „gravierende Folgen“ haben, insbesondere für das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Die Knochendichte nimmt auch bei gesunden Menschen ab dem frühen Erwachsenenalter ab, „bei einem Diabetes mellitus läuft der Abbau der Knochenmasse deutlich schneller ab“.

Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel könne dem entgegenwirken und so die Gefahr von Osteoporose und Knochenbrüchen senken. Außerdem könne hoch dosiertes Vitamin D bei Typ-1-Diabetikern auch das Blutzuckerprofil stabilisieren. Bei Typ-2-Diabetes seien schützende Effekte für das Gefäßsystem gezeigt worden. Aktuell laufen Langzeitstudien, die zeigen sollen, ob und wann eine Dauertherapie mit Vitamin D bei der Behandlung von Diabetes angezeigt ist.

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