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Ernährung

Glutenfreie Ernährung für gesunde Menschen schädlich? Wie Verzicht auf den Körper wirkt

  • VonLucas Maier
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Glutenfreie Ernährung liegt im Trend. Immer mehr Menschen verzichten bewusst auf das Kleber-Eiweiß. Bei gesunden Menschen kann das allerdings viele Nachteile bringen.

Frankfurt – Ob im Supermarkt oder beim Bäcker: Immer häufiger finden sich als glutenfrei beworbene Lebensmittel in den Auslagen. Denn immer mehr Menschen achten auf eine glutenfreie Ernährung. An einer Gluten-Unverträglichkeit, einer sogenannten Zöliakie, leidet allerdings etwa ein Prozent der deutschen Bevölkerung. Bei der Autoimmunerkrankung löst Gluten eine schwere Entzündungsreaktion im Darm aus. Symptome können sich dabei in Magenproblemen, Blähungen und Unterleibsschmerzen zeigen. Für Erkrankte ist eine Gluten-Diät deshalb unausweichlich. Doch auch immer mehr „gesunde“ Menschen greifen bei glutenfreien Lebensmitteln zu. Sie gehen häufig davon aus, dass eine glutenfreie Ernährung per se gut für ihre Gesundheit ist. Doch stimmt das auch?

Forschende haben sich mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt. Eindeutige Beweise, dass Gluten bei gesunden Menschen schlecht für Körper und Gesundheit ist, gibt es bisher nicht. Im Gegenteil. Bei einem Verzicht kann es sogar zu Nährstoffmangel, einer Schwermetallbelastung, Enddarmerkrankung oder Fettstoffwechselstörung kommen, heißt es in einem Bericht von RP Online. Weitere mögliche gesundheitliche Nachteile betreffen demnach Herz und Kreislauf, auch das Risiko für Diabetes und Übergewicht kann steigen.

Verzicht auf Gluten: Eine Umstellung der Ernährung kann die Gesundheit beeinträchtigen

Einem wissenschaftlichen Bericht von 2017 zufolge, sollen Menschen, die sich glutenfrei ernähren, weniger Kalzium, Vitamin B und Ballaststoffe zu sich nehmen. Dafür mehr Fette und Zucker, die Lebensmittelhersteller oft für die richtige Textur hinzugeben, berichtet das Nachrichtenportal Businessinsider.

Bei einer großangelegten US-Studie von 2017 zeigte sich außerdem, dass Personen, die sich über einen längeren Zeitraum besonders glutenreich, also beispielsweise mit viel Weizen, ernährten, genauso gesund waren wie der Durchschnitt. Bei Personen mit einer besonders glutenarmen Ernährung wurden dagegen etwas häufiger als im Schnitt eine Herzerkrankung festgestellt, heißt es in einem Bericht des Universitätsklinikums Freiburg.

Glutenfreie Ernährung schlecht für Körper und Gesundheit? Studien geben Aufschluss

Gründe hierfür könnten in der stark veränderten Ernährung liegen. Dabei steht vor allem der Verzicht auf Vollkornprodukte im Fokus. Denn bei Vollkorn-Lebensmitteln wurde ein herzschonender Effekt nachgewiesen, so die Uniklinik Freiburg. Dieser fehlt bei einer Ernährung ohne Gluten zwangsläufig.

„Viele Menschen gehen davon aus, dass Gluten ungesund ist und hoffen auf allgemein gesundheitssteigernde Effekte der Diät wie Gewichtsverlust oder einen Schutz für die Herzkranzgefäße“, sagte dazu Dr. Peter Hasselblatt, Leiter der Darmambulanz am Universitätsklinikum Freiburg. Dabei kann es sogar schädlich für die Gesundheit werden, wenn man ohne ärztlichen Rat auf Gluten verzichtet.

In vielen Supermärkten füllen glutenfreie Lebensmittel die Regale.

Gluten und Gesundheit: Nicht jeder sollte das Klebereiweiß aus dem Ernährungsplan streichen

Doch was genau ist Gluten überhaupt? Und wer sollte darauf verzichten? Gluten ist ein natürlicher Bestandteil vieler Getreidesorten. Dabei handelt es um ein sogenanntes Klebereiweiß. Das Stoffgemisch aus Proteinen kommt im Samen einiger Getreidearten vor. In Weizen ist besonders viel Gluten enthalten, aber auch in Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste.

  • Hier kommt Gluten unter anderem vor:
  • Weizen
    Dinkel
    Roggen
    Handelsüblicher Hafer
    Gerste
    Grünkern
  • Quelle: Deutsche Zöliakie Gesellschaft

Gerade beim Backen wird Gluten einiges an positiven Eigenschaft nach gesagt. Demnach macht es den Teig gut formbar, elastisch und dehnbar. Außerdem ist Gluten ein Trägerstoff für Aromen und Gewürze, deshalb ist Gluten bei vielen Lebensmitteln für den Geschmack verantwortlich. Für die Gesundheit ist das Eiweiß nur dann ein Problem, wenn eine entsprechende Erkrankung besteht.

Gesunde Ernährung: Es sind drei verschiedene Auslöser in Verbindung mit Gluten möglich

Bei den möglichen Erkrankungen ist vor allem zwischen einer Weizen-Allergie, einer Glutensensitivität und der Zöliakie zu unterscheiden. Deshalb sollte eine Umstellung auf glutenfreie Lebensmittel immer in ärztlicher Absprache erfolgen.

Bei einer Zöliakie sind insgesamt über 200 mögliche Symptome bekannt, wie die Nachrichtenseite Businessinsider berichtet. Wer länger als zwei Wochen unter einem oder mehreren Symptomen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Dieser kann mit einem Bluttest und einer Endoskopie feststellen, ob eine Zöliakie vorliegt.

Auf eine Zöliakie können folgende zehn Symptome hin deuten:

  1. Juckender Ausschlag – tritt bei etwa 17 Prozent der Betroffenen an Knien, Ellenbogen, unterem Rücken oder Gesäß auf.
  2. Blähungen – können ein erstes Anzeichen sein.
  3. Durchfall – tritt bei etwa 77 Prozent der Betroffenen auf.
  4. Schmerzen im Unterleib – dumpfe, leichte Bauchschmerzen nach dem Essen.
  5. Eisenmangelanämie – Durch die Schädigung der Darmschleimhaut kann es zu Aufnahmeschwierigkeiten von Eisen kommen.
  6. Periphere Neuropathie – Bei rund zehn Prozent der Betroffenen kommt es auch zu neurologischen Erkrankungen.
  7. Gewichtsverlust – Zirka 23 Prozent der Betroffenen haben mit Gewichtsverlust zu kämpfen.
  8. Müdigkeit - Betroffene leiden häufig auch unter einem allgemien Gefühl der Müdigkeit.
  9. Verstopfung – Ist ein häufiges Symptom bei Betroffenen.
  10. Quelle: businessinsider.de

Allergie auf Weizen: Hier muss die Ernährung umgestellt werden sonst leidet die Gesundheit

Ein weiterer Grund für Gesundheitsbeschwerden kann eine Weizenallergie sein. Ähnlich wie bei der Zöliakie gibt es eine Vielzahl an Symptomen, die darauf hindeuten können, dass eine Allergie vorliegt. Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder eine Schwellung der Schleimhaut in Mund- und Rachenraum sind laut Angaben der Europäischen Stiftung für Allergieforschung häufige Symptome. Außerdem Juckreiz oder Nesselsucht auf der Haut, allergischer Schnupfen oder asthmatische Beschwerden.

Eine Weizenallergie kommt am häufigsten im Kindesalter vor. Neben der Ernährung mit Weizenprodukten kann es auch durch das Einatmen von Weizenmehl zu einer solchen Allergie kommen. Festgestellt wird eine Weizenallergie durch einen Blut- und Hauttest beim Arzt.

Ernährung im Sinne der Gesundheit: Glutensensitivität ist schwer nachzuweisen

Ein dritter Grund für eine sinnhafte Umstellung der Ernährung ist eine sogenannte Glutensensitivität. Als eigenständige Krankheit wurde die Glutensensitivität erstmals im Jahr 2012 beschrieben, wie das Zentrum der Gesundheit schreibt. Die Symptome einer möglichen Glutensensitivität unterscheiden sich kaum zu denen einer Zöliakie oder einer Weizenallergie. Das macht eine Diagnose schwierig. Derzeit wird eine Glutensensitivität lediglich über ein Ausschlussverfahren festgestellt.

Im Gegensatz zu einer Weizenallergie oder einer Zöliakie reicht es bei einer Glutensensitivität häufig aus, die Zufuhr von Gluten einzuschränken. Eine Ernährung komplett ohne Gluten ist hier also nicht zwangsläufig notwendig. Was das Beste für ihre Gesundheit ist, kann auch hier nur in ärztlicher Rücksprache herausgefunden werden. (Lucas Maier)

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

Rubriklistenbild: © Thomas Koehler/Imago

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