1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Gesundheit

10.000 Schritte pro Tag für die Gesundheit? Was Sie beachten sollten

Erstellt:

Von: Kilian Bäuml

Kommentare

Handelt es sich bei den 10.000 Schritten am Tag um einen modernen Mythos? Vermeintlich sollen sie den Körper gesund halten, aber was ist wirklich dran?

Frankfurt – 10.000 Schritte pro Tag sollen förderlich für die Gesundheit sein. Zahlreiche Apps, Smartwatches und Fitnessbänder sollen dabei helfen, genau dieses Ziel zu erreichen – und finden bei vielen fitnessbegeisterten und gesundheitsbewussten Menschen Anklang.

Doch was ist überhaupt dran am Mythos der 10.000 Schritte? Ein Team von Forschenden aus Dänemark und Australien hat das untersucht. Dabei haben sie herausgefunden, dass auch weniger Schritte einen gesundheitlichen Nutzen haben. Laut den Forschenden ist zudem ein weiterer Faktor entscheidend.

Zwei Personen beim Wandern
Auch weniger als 10.000 Schritte sind schon gesund. (Symbolbild) © McPHOTO/B. Leitner via www.imago-images.de

10.000 Schritte am Tag für die Gesundheit: Wie ist der Mythos entstanden?

Dass Bewegung gesund ist und dem Körper guttut, ist allgemein bekannt. Trotzdem gab es für die These, dass ausgerechnet 10.000 Schritte am Tag den größten gesundheitlichen Vorteil bringen, bislang keine wissenschaftlichen Belege. Die Schrittzahl geht laut ARD-alpha auf eine Marketingstrategie der 60er Jahre zurück.

Ein japanischer Hersteller hatte einen 10.000-Schritte-Zähler herausgebracht. Vermarktet wurde das Gerät mit der Aussage, dass sich mit 10.000 Schritten am Tag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren lasse. Studien hätten demnach außerdem ergeben, dass der Großteil der japanischen Bevölkerung nur etwa 3500 bis 5000 Schritte am Tag läuft.

10.000 Schritte für die Gesundheit: Das sind die Erkenntnisse der neuen Studie

Ein Team von dänischen und australischen Forschenden um Professor Borja del Pozo Cruz hat das nun genauer untersucht. Die Forschenden hatten Zugriff auf die Daten von 78.500 Personen, deren Durchschnittsalter bei 61 Jahren lag. Im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 trugen die Teilnehmenden eine Woche lang einen Beschleunigungsmesser. Mit diesem wurde ihr jeweiliges Bewegungspensum ermittelt. In den sieben Jahren nach der Teilnahme wurden bei über 10.000 Teilnehmenden Auffälligkeiten am Herz-Kreislauf-System festgestellt. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Fachzeitschriften JAMA Internal Medicine und JAMA Neurology veröffentlicht.

Das Team der Forschenden verglich das Bewegungspensum der Teilnehmenden mit deren Erkrankungen in den nachfolgenden Jahren. Dabei ließ sich beobachten, dass grundsätzlich weniger Krankheiten bei Personen entstanden, die ein höheres Bewegungspensum hatten. Da es sich bei der Studie um eine Beobachtungsstudie handelt, könne jedoch kein direkter Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nachgewiesen werden, teilen die Forschenden mit.

KrankheitAnzahl der SchritteVerringertes Krankheitsrisiko
Herz-Kreislauf-ErkrankungenPro 2000 Schritte8 bis 11 Prozent
KrebsPro 2000 Schritte8 bis 11 Prozent
Demenz3800 Schritte25 Prozent

Das sind die Erkenntnisse der Forschenden: Vor allem das Risiko, an Demenz, aber auch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs zu erkranken, kann sich durch Bewegung mindern lassen. Auch bei Teilnehmenden, die weniger als 10.000 Schritten pro Tag liefen, nahm die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen deutlich ab. Schon 2000 Schritten senkten die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 11 Prozent. Jeder weitere Schritt verringerte das Risiko zusätzlich.

Gerade das Demenz-Risiko kann durch Bewegung stark gesenkt werden, so die Erkenntnis der Studie. Schon 3800 Schritte senkten das Risiko um 25 Prozent. 9900 Schritte minderten das Demenz-Risiko sogar um bis zu 50 Prozent. Ab diesem Wert ist die maximale Wirkung erreicht, weitere Schritte senkten die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten nicht mehr deutlich weiter.

Gesundheits-Studie: Nicht nur die Anzahl der Schritte ist entscheidend

Eine weitere Erkenntnis der Forschenden ist, dass auch das Lauftempo Auswirkungen auf den gesundheitlichen Nutzen hat. „Die Kernbotschaft der Studie ist, dass Menschen für einen gesundheitlichen Nutzen idealerweise nicht nur 10.000 Schritte pro Tag anstreben sollten, sondern auch versuchen sollten, schneller zu gehen“, sagte der Mitautor der Studie, Dr. Matthew Ahmadi laut einer Mitteilung.

Beobachtungsstudien können zwar keine Kausalität nachweisen, trotzdem können Zusammenhänge beobachtet werden. „Die Größe und der Umfang dieser Studien, bei denen am Handgelenk getragene Tracker zum Einsatz kamen, sind die bisher solidesten Belege dafür, dass 10.000 Schritte pro Tag der „Sweet Spot“ für gesundheitliche Vorteile sind und schnelleres Gehen mit zusätzlichen Vorteilen verbunden ist“, so Ahmadi. (Kilian Bäuml)

Hinweis der Redaktion

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

Auch interessant

Kommentare