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Stroke-Heart-Syndrom: Diese Symptome nicht ignorieren

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Ein Herzinfarkt kann unter anderem durch eine schlechte Ernährung ausgelöst werden. Einige Lebensmittel senken das Risiko von Herzerkrankungen allerdings enorm.
Ein Herzinfarkt kann unter anderem durch eine schlechte Ernährung ausgelöst werden. Einige Lebensmittel senken das Risiko von Herzerkrankungen allerdings enorm. © Imago

Das Stroke-Heart-Syndrom tritt nach einem Schlaganfall und kann zu einem Herzinfarkt führen. Das sind die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Frankfurt – Ein ischämischer Schlaganfall wird durch die Blockade einer Arterie – meist ein Ast der innen Halsschlagader – ausgelöst, welche die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns verhindert. Etwa ein Fünftel aller Patient:innen entwickeln nach einem ischämischen Schlaganfall auch kardiale Probleme. In den ersten Wochen nach dem Vorfall sind sie die zweithäufigste Todesursache. Darüber berichtet eine Studie der Berliner Charité in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Lancet Neurology.

Lange Zeit wurden Herzinfarkte, Herzinsuffizienzen oder Herzrhythmusstörungen nicht mit Schlaganfällen in Verbindung gebracht. „Doch in den letzten Jahren häuft sich die Evidenz“, sagte Jan Scheitz von der Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Das Auftreten von Herzproblemen infolge eines ischämischen Schlaganfalls wird auch als „Stroke-Heart-Syndrom“ bezeichnet.

Stroke-Heart-Syndrom nach Schlaganfall: Symptome und Risikogruppen

Herzprobleme treten nicht nur nach einem Hirnschlag auf. Bei ihren Untersuchungen haben sich Scheitz und seine Kolleg:innen jedoch auf die kardialen Komplikationen nach einem ischämischen Schlaganfall konzentriert. Das Auftreten des „Stroke-Heart-Syndroms“ ist vielfältig. Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen, einem kardialen autonomen Ungleichgewicht mit Blutdruckschwankungen, Verschlechterungen einer Herzinsuffizienz oder einem akuten Herzinfarkt.

Patient:innen mit ischämischen Schlaganfall neigen stärker zu Herzproblemen, da die Schlaganfälle häufig im fortgeschrittenen Alter auftreten, die Prävalenz kardialer Komorbiditäten höher ist und häufiger das Herz betreffende Risikofaktoren vorliegen. „Schlaganfallpatienten, die ein Stroke-Heart-Syndrom entwickeln, sind meist kränker [und] schwerer betroffen“, sagte Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, im Gespräch mit dem Fachportal für Mediziner Medscape. Außerdem würden „Schlaganfälle, die in der Inselregion des Gehirns stattfinden, der Region, in der das vegetative Nervensystem zentral gesteuert wird“ häufiger zu kardinalen Problemen führen, erklärte Endres.

Stroke-Heart-Syndrom nach Schlaganfall: Stressreaktion als Ursache

Die zugrundeliegenden Daten der Schule deuten bei der Entstehung der Schlaganfall-bedingten Herzbeschwerden auf eine überaktive Stressreaktion des Körpers hin. Durch funktionelle Störungen im Gehirn werden verschiedene Stressachsen aktiviert und führen zur Ausschüttung von Katecholaminen und Kortisol – Botenstoffe, die bei besonderer Belastung zum Einsatz kommen – wodurch sich die Herzmuskelzellen und Gefäße verändern.

Abhängig von der Veränderung der Zellen und Gefäße zeigt sich das Stroke-Heart-Syndrom auf unterschiedliche Art und Weise. Mögliche Manifestationen sind Herzrhythmusstörungen, extreme Blutdruckschwankungen, Herzmuskelentzündungen bis hin zum Herzinfarkt. Personen, die möglicherweise unter dem Syndrom leiden, sollten sich in sogenannten „Stroke Units“ untersuchen lassen. In diesen Schlaganfall-spezifischen Einrichtungen werden Patient:innen schnell, umfassend und fachübergreifend behandelt.

„Stroke Units sind dazu konzipiert, alle Arten von medizinischen Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden“, sagte Endres. „Im klinischen Kontext fallen kardiale Komplikationen deshalb üblicherweise auf. Aber am einfachsten lassen sich Schlaganfall-Patienten, die eine kardiale Mitschädigung haben, dadurch detektieren, dass man in der Akutphase Troponin im Blut misst.“ Troponin ist ein Eiweiß, welcher bei Herzmuskelschäden ins Blut gelangt. Ein erhöhter Wert weist auf einen Herzinfarkt hin. Fast jeder zweite Herzinfarkt wird von Betroffenen nicht erkannt. Diese Symptome sollten Sie kennen.

Risiko für Stroke-Heart-Syndrom nach Schlaganfall: Weitere Studie geplant

Ein eindeutiges Vorgehen bei der Behandlung von Menschen mit dem Stroke-Heart-Syndrom gibt es bisher noch nicht. Die Schlüsselfrage ist, ob die betroffene Person mit einer bemerkbaren Troponin-Veränderung und eventuell einer leichten EKG-Veränderung nun einen Herzinfarkt im herkömmlichen Sinne hat, oder ob es sich um ein stressbedingtes, Schlaganfall-vermitteltes Stroke-Heart-Syndrom handelt.

In einem Herzkatheterlabor können minimalinvasive Eingriffe und Untersuchungen am Herzen vorgenommen werden. Dort können auch Koronarangiografien – radiologische Darstellungen der Herzgefäße – durchgeführt werden. Ob diese Untersuchung und möglicherweise das Einsetzen eines Stents bei Patient:innen mit dem Stroke-Heart-Syndorm notwendig sind, sei nicht pauschalisierbar. „Allein aufgrund einer nicht-invasiven kardialen Diagnostik lässt sich das momentan nicht entscheiden“, sagte Matthias Endres. In einer weiteren Studie wollen die Neurologen zusammen mit der Klinik für Kardiologie der Charité herausfinden, welche Patienten ins Katheterlabor müssen. (aa)

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