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Mehr Vitamine durch rohe Lebensmittel? Wie sich Rohkost auf die Gesundheit auswirkt

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Von: Karolin Schäfer

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Rohkost in den Speiseplan zu integrieren, ist gesund. Eine einseitige Rohkost-Ernährung ist allerdings umstritten.
Rohkost in den Speiseplan zu integrieren, ist gesund. Eine einseitige Rohkost-Ernährung ist allerdings umstritten. © Fabian Sommer/dpa

Viele setzen auf eine Rohkost-Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Dazu zählt aber auch rohes Fleisch und ungegarter Fisch. Doch wie gesund ist das?

Frankfurt – Hitze zerstört bei vielen Gemüsesorten die Nährstoffe. Deshalb setzen viele auf ausgewogene Rohkost aus Obst und Gemüse. Das bedeutet: frische, unverarbeitete Lebensmittel, die nicht gebacken, gebraten oder gekocht werden.

Dabei impliziert Rohkost nicht ausschließlich Obst- und Gemüse. Je nach Ernährungsform kann auch nur ein Teil aus rohen Lebensmittel bestehen. Einige pochen stattdessen auf eine vollständige Rohkost-Diät und nehmen daher rohen Fisch, rohes Fleisch oder rohe Eier zu sich. Andere greifen zu Rohmilch, Rohmilchkäse oder rohem Getreide.

Gesundheit: Das sind die Vorteile einer Rohkost-Ernährung

Vitamine und wertvolle Inhaltsstoffe bleiben erhalten, wenn Lebensmittel in roher Form gegessen werden, erklärte die Verbraucherorganisation Foodwatch. Denn das wasserlösliche Vitamin C wird beispielsweise durch Hitze zerstört. Fettlösliche Vitamine wie A, E, D und K bedürfen etwas Öl, um vom Körper aufgenommen werden zu können.

Wichtig ist dabei vor allem langsames Essen und gründliches Kauen, um die Speisen gut verdauen zu können. Die Rohkost-Ernährungsweise könne zudem helfen, Blutfettwerte wieder zu normalisieren, wird Ernährungsmedizinerin Petra Bracht vom Kölner Stadt-Anzeiger zitiert.

Rohkost-Ernährung: Keine Empfehlung aus wissenschaftlicher Sicht

Eine Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen zwischen 1996 und 1998, die bisher umfangreichste Untersuchung zur Rohkost-Ernährung, deutete jedoch an, dass eine solche Ernährungsform nicht empfehlenswert ist. Da die gesamte Nährstoffversorgung der 201 Probanden ausschließlich über Obst und Gemüse erfolgte, gab es einen Mangel an Nährstoffen, die überwiegend aus Getreideprodukten oder Lebensmitteln tierischer Herkunft stammen, wie die Vitamine D, B2, B12 und Niacin sowie die Mineralstoffe Zink, Kalzium und Jod. Zudem zeichnete sich die Ernährung durch eine unzureichende Proteinzufuhr aus.

Die Vitamine A, B1, B6, Beta-Carotin, E sowie Magnesium und Eisen kamen dagegen in hohen Mengen vor, die sich zum Teil aber nicht in den Blutwerten widerspiegelten, hieß es. Auch wenn bestimmte Vitamine und Mineralstoffe durch Rohkost ausreichend vorhanden sind, mangelt es an anderen, wichtigen Nährstoffen. „Eine reine Rohkost-Ernährung wird aufgrund der dargestellten Ergebnisse nicht empfohlen, insbesondere nicht bei Risikogruppen wie Schwangere, Stillende, Kinder und ältere Menschen“, erklärte die Autorin der Studie.

Rohkost: Ernährungsweise bringt auch Nachteile für die Gesundheit

„Selbst wenn man durch das Kochen nur noch etwa 60 Prozent der enthaltenen Vitamin und Mineralstoffmenge aufnehmen kann, ist diese Menge immer noch ausreichend für eine gesunde Ernährung“, sagte Oecothrophologin Monika Bischoff gegenüber quarks.de. Zudem werden einige Antioxidantien besser vom Körper aufgenommen, wenn die Lebensmittel gekocht werden. So auch etwa der rote Farbstoff in Tomaten, Lycopin.

Dass eine Rohkost-Ernährung viel gesünder als andere Ernährungsformen ist, lässt sich also nicht bestätigen. Auch wenn es einige Vorteile gibt, kann eine einseitige Rohkost-Diät zur Unterversorgung führen, bestätigte Bracht. Zudem sollten Hülsenfrüchte und einige Gemüsesorten wie Auberginen, grüne Bohnen oder Rhabarber aufgrund der enthaltenen Giftstoffe auf keinen Fall roh verzehrt werden. Auch bei rohem Fleisch und Rohmilchprodukten sollten Verbraucherinnen und Verbraucher wegen Salmonellen-Gefahr und anderen Krankheitserregern aufpassen.

Rohkost in den Speiseplan integrieren: Das wird empfohlen

Hin und wieder Rohkost in Form von Obst und Gemüse in den Speiseplan einzubauen, ist dagegen gesund. Die rohen Lebensmittel sollten in kleinen Schritten in den Alltag integriert werden, um das Verdauungssystem nicht zu überfordern. Die DGE empfiehlt täglich mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst:

Eine pflanzenbetonte „Ernährung mit Rohkostanteilen“ sei ideal, empfahl Professor Achim Bub vom Max Rubner Institut gegenüber quarks.de. Stark verarbeitete Lebensmittel sollten angesichts des hohen Fett-, Zucker- und Salzgehalts die Ausnahme bilden. (kas)

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