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„Kinder kreieren, die gegen Krankheiten immun sind“: Streeck über Human Upgrade

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Von: Andreas Apetz

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Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn
Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn. (Archivfoto) © Federico Gambarini/dpa

Die Wissenschaft ermöglicht immer mehr Eingriffe zur Optimierung des Menschen. Mediziner Hendrik Streeck klärt auf über das Human Upgrade.

Frankfurt – Gut zu sein, reicht in der heutigen Gesellschaft schon lange nicht mehr. Das Ziel ist es, perfekt zu sein und sich dabei in allen Lebensbereichen selbst zu optimieren. Dabei kommen einem der Weg in Fitnessstudio und eine ideale Ernährung häufig als Erstes in den Sinn. Doch diese altmodischen Wege könnten in der Zukunft nicht mehr die einzigen Möglichkeiten sein, ein perfektes Ich zu schaffen.

Es sind Begriffe wie „Körpertuning“ oder „Human Upgrade“, die nach Science Fiction klingen, in bestimmten Bereichen allerdings schon längst Realität sind. Der Mediziner und Virologe Hendrik Streeck spricht im Gespräch bei Welt TV von der Möglichkeit, die menschlichen „Leistungsgrenzen nach oben zu schrauben“.

Human Upgrade: Drei Wege zur menschlichen Optimierung

Grundsätzlich wird zwischen drei Arten von „Körpertuning“ unterschieden. Zum einen gibt es das chemische Tuning durch Medikamente. Als Beispiel nennt Streeck das Arzneimittel Ritalin, welches häufig bei Kindern mit Konzentrationsschwächen genutzt wird. „Denken wir allein an ADHS, da bekommen Kinder Ritalin, damit sie sich besser konzentrieren können. Das wird mittlerweile häufiger eingesetzt, damit Kinder leistungsfähiger sind und schneller denken können.“

Neben der Chemie können auch durch Technologien wie Exoskelette die Grenzen des Menschenmöglichen verschoben werden. Alltägliche Dinge werden optimiert und beschleunigt, Stichwort Mikrochips. Diese werden mittlerweile nicht mehr nur bei Tieren genutzt, sondern können auch im menschlichen Handgelenk als Zahlungsmittel an der Supermarktkasse dienen. Es sei jedoch fraglich, ob man es wirklich wolle, überall ausgelesen zu werden, wirft Streeck ein.

Die dritte und vermutlich kontroverseste Methode, in einem eh umstrittenen Thema, ist der Eingriff in die menschliche Genetik – bevor ein Mensch überhaupt geboren wird. Der Möglichkeit an Upgrades seien „kaum Grenzen gesetzt, spätestens, seit der Entdeckung der Genschere CRISPR/Cas9. Damit können wir bei ungeborenen Menschen alles Mögliche verändern“, so der Mediziner. Es sei möglich, Kinder zu „kreieren, die gegen bestimmte Krankheiten immun oder widerstandsfähiger gegen Kälte sind“.

Genetische Upgrades: Was ist bisher möglich?

Doch wie sind solche Methodiken und Eingriffe ethisch zu bewerten? Besonders genetische Eingriffe scheinen eng mit Diskussionen wie der um die Präimplantationsdiagnostik verbunden zu sein. Sollten Menschen die Entscheidungsgewalt über die ein anderes Leben haben? Wo gibt es Grenzen?

In Deutschland kann bei Kindern im Mutterleib bislang nur ganz explizit nach genetischen Defekten gesucht werden. Im Jahr 2019 wurde in der Bundesrepublik entschieden, dass pränatale Bluttests auf Trisomie 21 vom Gesundheitswesen gezahlt werden. In Staaten wie den USA oder Israel ist das Feld an genetischen Eingriffen offener: „Dort kann auch das Geschlecht ausgewählt werden. Theoretisch könnte man in Zukunft aber auch auf bestimmte Augenfarben, Haarfarben oder ähnliches selektionieren“, sagt Streeck.

Ein besonderer Fall in China zeigt, was im Bereich des Möglichen liegt, und wirft damit gleichzeitig berechtigte Fragen auf. Dort soll nach einer Genmanipulation ein Zwillingspaar ohne HIV-Rezeptoren auf die Welt gekommen sein. Damit wären die beiden Menschen zwar gegen die Krankheit immun, dafür könnten die Zwillinge mit unabsehbaren Nebenwirkungen und Spätfolgen konfrontiert sein. Streeck warnt und erklärt, man müsse bedenken, dass Genveränderungen auch immer an die Nachkommen weitergegeben werden.

Körpertuning: Das sagen die Menschen dazu?

Die Frage um „Körpertuning“ und„Human Upgrade“ ist also klar: Sollten wir, nur weil wir auch könnten? So offensichtlich die Frage ist, so uneindeutig ist ihre Antwort. In Deutschland hält jede:r Zweite bei einer Umfrage Körperupgrades am Arbeitsplatz für eine gute Idee. Laut Mediziner Streeck würde es dabei beispielsweise um Exoskelette für Pflegekräfte oder Soldaten gehen, die schwer heben müssen. Geht es um invasive kosmetische Eingriffe, so wäre nur noch ein Drittel der Befragten dafür offen. (aa)

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